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Müngersdorf

Dominick Drexler überzeugt beim 1. FC Köln: Zwo, Eins, Risiko

Mit seiner Spielweise gilt Dominick Drexler beim 1. FC Köln als Grenzgänger, der polarisiert. Doch solch einen Spielertypen, der ins Risiko geht, braucht es für den Erfolg.

Foto: Sebastian Widmann/Bongarts/Getty Images

Viel Aufhebens machte der Matchwinner nach seiner Gala-Vorstellung nicht. Mit zwei Treffern und einer Vorlage hatte Dominick Drexler den 1. FC Köln zum 3:1-Auswärtssieg beim SSV Jahn Regensburg geführt und damit noch einmal unterstrichen, welchen Wert er aktuell für die „Geißböcke“ besitzt. In Abwesenheit seines kongenialen Partners Louis Schaub, der in der Oberpfalz aufgrund muskulärer Probleme passen musste, schwang sich der Neuzugang am Freitagabend zum entscheidenden Mann auf.

Von den Lobeshymnen nach seinem Auftritt wollte der 28-Jährige aber nichts wissen: „Ich bin nicht hier, um die Marke Dome Drexler zu pushen, sondern um den 1. FC Köln voranzutreiben. In der jetzigen Situation ist das höchste Gut, Demut zu zeigen“, so der gebürtige Bonner, der vor der Saison für kolportierte 4,5 Millionen Euro vom dänischen Meister FC Midtjylland losgeeist wurde.

Drexler laut Veh „zu Höherem berufen“

Warme Worte gab es dagegen von demjenigen, der den Transfer eingestielt hatte und große Stücke auf die effzeh-Neuerwerbung hält. „So ein Drexler hätte schon viel länger oben spielen müssen. Oder ein Czichos, wenn man den in Regensburg gesehen hat. Wie lange haben die in Erfurt und Kiel gespielt? Das ist ja nicht gerade die Hautevolee des deutschen Fußballs. Das sind Spieler, die zu Höherem berufen sind“, erklärte effzeh-Sportgeschäftsführer Armin Veh nach dem Regensburg-Spiel und war besonders von Drexlers zweitem Treffer an diesem Abend begeistert.

Nur wenige Sekunden nach dem Regensburger Anschlusstor reagierte der Offensivmann geistesgegenwärtig, als Jhon Cordobas Lattentreffer ihm vor die Füße fiel. „Wie er das gemacht hat, war überragend. Normalerweise schießen da 90 Prozent einfach drauf. Aber er legt sich das Ding noch mal clever rüber und verwandelt ihn dann. Das ist einfach seine Klasse“, kommt Veh ins Schwärmen.

Foto: Sebastian Widmann/Bongarts/Getty Images

Klasse, die Drexler vor allem in den letzten beiden Partien auf den Rasen gebracht hat. Gegen Fürth erzielte er, wenngleich aufgrund einer Abseitsstellung irregulär, seinen ersten Pflichtspiel-Treffer mit dem Geißbock auf der Brust, dazu holte er nach dem Seitenwechsel den Strafstoß, den Simon Terodde souverän zum 2:0 verwandelte, heraus. Platzverweis für Gegenspieler Bauer inklusive.

Nach Terodde zweitbester Scorer beim 1. FC Köln

Dass der Knoten endgültig geplatzt ist, ließ Drexler in Regensburg offenbar befreit aufspielen. Mit einem Traumpass schickte er nach elf Minuten Terodde auf die Reise, der erst das Laufduell gegen die Abwehr der Gastgeber und dann das Eins-gegen-Eins mit Jahn-Keeper Pentke gewann. Doch Drexler glänzte nicht nur als Vorbereiter: Kurz vor der Pause markierte er nach einem schönen Flugball seines ehemaligen Kieler Kollegen Rafael Czichos das 2:0. Und als alle dachte, jetzt beginnt beim effzeh das große Zittern, machte Drexler endgültig den Deckel drauf.

Sein drittes Tor bedeutete gleichzeitig: Nach Terodde ist der Offensivmann, der bereits neun Treffer auflegte, nun beim effzeh der Spieler mit den zweitmeisten Torbeteiligungen. Dennoch: Unumstritten ist Drexler vor allem bei den Fans nicht. Seine risikoreiche Spielweise stößt manchen Anhängern genauso sauer auf wie seine Körpersprache. Die Vorwürfe: Der Spielmacher würde zu oft nicht zielstrebig genug agieren, nicht entschlossen genug auftreten und tauche zu oft ab. Mitunter wirkt Drexler tatsächlich etwas zu verspielt, wenn es in die Nähe des gegnerischen Tors geht.

Doch es sind auch wenig messbare Dinge, die ihn noch nicht zum Publikumsliebling haben werden lassen. Mitunter zieht es Drexler für den Geschmack einiger Kölner Fans zu sehr Richtung Foul, auch bleibt er nach Zweikämpfen durchaus mal etwas länger liegen, als es nötig scheint. Und sein Hadern und Lamentieren mit Gegnern und Schiedsrichtern kommt nicht bei allen gut an.

Eine absolute Verstärkung für den 1. FC Köln

Die harten Fakten sprechen dagegen eine klare Sprache: Dominick Drexler, der in Köln einen Vierjahresvertrag unterzeichnet hat, ist eine absolute Verstärkung für den effzeh. Nicht nur, dass er, wie bereits angesprochen, derzeit der zweitbeste Scorer des Teams ist, er arbeitet auch gewaltig für die eigene Mannschaft. Mit fast elf Kilometern pro Spiel ist „Dome“ der laufstärkste Kölner nach Nationalspieler Jonas Hector, dazu gehört er zu den meistgefoulten Spielern der Liga.

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Seine Passquote von nahezu 80 Prozent angekommener Bälle lässt sich für einen Offensivmann wie Drexler, der gerade in der gegnerischen Hälfte immer wieder ins Risiko gehen muss, durchaus sehen. Dass das nicht nur Alibi-Pässe sind, zeigt eine weitere Statistik: Laut whoscored.com spielt Drexler 1,7 sogenannte key passes (also entscheidende Pässe) pro Partie, zählt dabei zu den kreativsten Spielern in der 2. Bundesliga.

Das zeigt: Gerade für Duelle gegen defensiv gut organisierte Gegner, in die der effzeh als klarer Favorit geht, ist der Neuzugang Gold wert. Einen Spielertyp wie ihn, der aus dem Nichts eine Chance kreiert, braucht jedes Spitzenteam, um die dicht gestaffelten Abwehrreihen der Außenseiter zu knacken. Kommt dazu noch die entsprechende Torgefährlichkeit, die Drexler (letzte Saison in Kiel mit zwölf Toren überragend unterwegs) beim effzeh zunächst abzugehen schien, dann sind das Qualitäten, die jeder Mannschaft gut zu Gesicht stehen.

Der schmale Grat zwischen Genie und Wahnsinn

Dass dafür in vielen Situationen entsprechendes Risiko genommen werden muss und nicht jede Aktion klappen kann, steht völlig außer Frage. Der schmale Grat zwischen Genie und Wahnsinn, so heißt es häufig, wird einzig durch Erfolg definiert. Wenn Drexler auf diesem Grat weiterhin derart bravourös balanciert wie in Regensburg, dann dürfte er auch weiterhin ein entscheidender Mann für den 1. FC Köln sein. Das gilt auch für eine mögliche Zukunft in der Bundesliga.

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