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Müngersdorf

Derby in Düsseldorf: Mehr als nur drei Punkte

Zum ersten Mal seit 22 Jahren treffen der 1. FC Köln und Fortuna Düsseldorf in der Bundesliga aufeinander. Das Rhein-Derby ist gleich aus mehreren Gründen brisant und richtungsweisend.

Foto: Lars Baron/Bongarts/Getty Images

Es ist November. Das ist zumeist die Zeit des Jahres, die Menschen ins Haus treibt. Die warmen Sonnenstrahlen eines langen Sommers sind endgültig verblasst, stattdessen versetzen uns peitschender Regen und aufziehende Kälte in eine leicht missmutige Stimmung. Oftmals ist es aber auch die Zeit, in der produktiv gearbeitet wird. Kein gutes Wetter, das ablenkt, keine heißen Temperaturen, die lethargisch machen. Im November wird der Grundstein gelegt für entspannte Weihnachtstage. Im Fußball ist das nicht anders und insbesondere für den 1. FC Köln könnte der November einmal mehr richtungsweisend sein.

Die leichte Euphorie und Aufbruchsstimmung angesichts einiger sinnvoller Sommertransfers sind längst im Rückspiegel verschwunden. Und während im Frühherbst, nach den ersten wenig erfolgreichen Saisonspielen, noch darauf verwiesen werden konnte, dass die Saison ja noch jung, das Auftaktprogramm schwer, die fußballerischen Ansätze ordentlich und die Findungsphase nach dem Umbruch schwierig sei, lässt der November derartige Ausreden nicht mehr gnädig zu.

Abstiegsgespenst in Köln und Düsseldorf

Wer in diesem kalten und unschönen Monat dauerhaft Spiele verliert, der verliert auch massiv an Stimmung und Hoffnung. Nach dem VARunglückten Auftritt in Mainz und dem desaströsen Ausscheiden im Pokal geht in Köln die Angst um, dass genau dieses Szenario eintritt – dass der Verein nach weiteren Negativerlebnissen ganz am Ende der Bundesligatabelle und damit im Regen stehen könnte.

Genau aus diesem Grund ist das am Sonntag anstehende Rhein-Derby gegen Fortuna Düsseldorf in besonders ausgeprägter Form wichtig. Dieses Duell zweier Traditionsvereine, die sich in den letzten Dekaden dauerhaft im Fahrstuhl befanden und daher nach 22 Jahren erstmals wieder im Fußball-Oberhaus aufeinandertreffen, ist nicht nur aufgrund der geringen geografischen Entfernung beider Städte bedeutend, sondern vor allem aufgrund der tabellarischen Nähe.

Dabei gruselt man sich in beiden Lagern kurz nach Halloween bereits wieder vor dem Abstiegsgespenst. Der effzeh rangiert derzeit mit sieben Zählern auf einem Relegationsplatz, die Fortuna steht auf Rang 14, weil sie bei gleicher Punkteausbeute ein Tor mehr erzielt und drei weniger kassiert hat.

Foto: Dean Mouhtaropoulos/Bongarts/Getty Images

Angesichts der Ausgangslage beider Teams vor der Saison ist die aktuelle Tabellensituation nicht verwunderlich: Der effzeh als Aufsteiger mit seinem rumorendem Umfeld und den auf vielen Positionen umgestellten Team – die Fortuna, die als eines der Überraschungsmannschaften der letzten Saison schon überperformt hat und einen hohen personellen Aderlass erleiden musste. Doch nur weil man sich auf die Lage halbwegs einstellen konnte, ist sie deswegen nicht weniger schlecht für die Stimmung.

Unruhiges kölsches Umfeld sehnt sich nach Erfolg

So erwartet sowohl die Mannschaft von Achim Beierlorzer wie auch das Team von Friedhelm Funkel am Sonntag die Definition des so oft floskelhaft beschworenen Sechs-Punkte-Spiels, bei dem ein Erfolg symbolisch viel mehr bringt als drei Zähler. Der Verlierer steckt viel tiefer im Abstiegssumpf, der Gewinner baut sich einen kleines Polster auf, welches für etwas mehr Ruhe bei der Arbeit sorgen sollte.

Betrachtet man die Lage im kölschen Umfeld dieser Tage, geht es für den effzeh in diesem Spiel wohl um noch mehr als nur sechs Punkte. Durch einen katastrophalen Auftritt im DFB-Pokal hat nicht nur die Mannschaft viel Kredit verspielt, auch der durch sympathisches Auftreten und klare Ansprachen entstandene Vertrauensvorschuss von Neu-Trainer Achim Beierlorzer ist aufgebraucht.

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Angesichts der fehlenden spielerischen Entwicklung und der weiter existierenden Schwierigkeiten, gegnerische Abwehrreihen durch spielerische Lösungen vor Probleme zu stellen, wirkt der Arbeitsplatz des Franken schon längst nicht mehr sicher. Das unterstrich auch die merkwürdig anmutende Pressekonferenz im Vorfeld des Spiels, als Sportgeschäftsführer Armin Veh, der inmitten der unruhigen Zeit seinen Rückzug zum Saisonende verkündete, klare Treuebekenntnisse zu seinem Wunschtrainer vermied und stattdessen offenbarte, dass eine Trainerdiskussion zu diesem Zeitpunkt „nichts Außergewöhnliches“ sei.

Beierlorzer selbst konzentrierte sich aufs kommende Spiel gegen die Fortuna, die ihrerseits letzte Woche nach einem schwachen Spiel gegen Schlusslicht Paderborn verlor. Der effzeh-Coach offenbarte: „Es ist noch kein Endspiel, aber ein ganz wichtiges Spiel. Wir haben jetzt eine riesige Chance, die Situation wieder in die richtige Richtung zu lenken.“

Fortuna Düsseldorf unter Funkel: Diszipliniert und giftig

Ein vernünftiger fußballerischer und am Ende von einem Erfolg gekrönter Auftritt würde dem effzeh also extrem gut tun. Die Trainerdiskussionen würden für den Moment leiser werden und statt über die „persönlichen Gründe“ des schleichenden Ausscheidens von Armin Veh würde eventuell auch mal wieder über ein fußballerisches Positiverlebnis berichtet. Um die von Ex-FC-Trainer Friedhelm Funkel trainierte und daher gewohnt giftig-kampfstarke wie disziplinierte Fortuna zu schlagen, bedarf es aber aufseiten der „Geißböcke“ einer klaren Leistungssteigerung gegenüber den Auftritten in Mainz und Saarbrücken.

Foto: Lukas Schulze/Bongarts/Getty Images

Da sich die Spieler aus der zweiten Reihe, wie Marcel Risse, Benno Schmitz, Anthony Modeste und Jhon Cordoba unter der Woche im Pokalspiel gelinde gesagt nicht für weitere Startelfeinsätze empfehlen konnten, wird Beierlorzer in der verbotenen Stadt wohl wieder auf eine ähnliche Formation setzen wie zuletzt in der Bundesliga.

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Damit dürfte in der Abwehr Rafael Czichos statt Jorge Meré von Beginn an ran, während Kingsley Ehizibue wohl für Benno Schmitz startet. Vorne kehren wahrscheinlich Simon Terodde und Louis Schaub, momentan zwei der Lichtblicke beim effzeh, für die im Saarland enttäuschenden Modeste und Cordoba zurück. Weil Florian Kainz angeschlagen ist, wird Dominick Drexler dagegen wohl nach seinem Einsatz im Pokal auch sein Bundesliga-Comeback feiern. Offen ist vor allem die Frage, ob der genesene Birger Verstraete schon ins Mittelfeld zurückkehrt und Jonas Hector damit Noah Katterbach wieder als Linksverteidiger verdrängt.

Heikles Rhein-Derby: Kampf statt Jammern

Fortuna-Trainer Funkel, der in dieser Saison am häufigsten auf ein 3-4-3-System mit situativer Fünferkette setzte, wollte sich im Vorfeld des Spiels nicht in die Karten gucken lassen und legte sich lediglich fest, dass der bislang stark spielende Stammtorhüter Zach Steffen nach dem Pokalsieg gegen Aue wieder in die Startelf zurückkehrt. Sicher ist nur der Ausfall von Mittelfeld-Regisseur Thomas Pledl, der sich im Training am Innenband verletzte.

So oder so wäre es verwunderlich, wenn die Fans in dem seit Wochen ausverkaufen Düsseldorfer Stadion mit dem komischen Namen einen fußballerischen Leckerbissen geboten bekämen. Wieder wird es für den 1. FC Köln also darum gehen, einen Kampf anzunehmen. Das ist etwas, was zuletzt nicht immer gelang, weswegen Beierlorzer auch betonte: „Wir können da nicht mit Jammern unterwegs sein.“

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