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Meinung

Demokratie-Diskussion beim 1. FC Köln: Wer Wahl sagt, muss auch Kontrolle sagen

Im Vorfeld der Nominierung eines neuen Vorstandskandidaten-Trios wird rund um den 1. FC Köln über den Wert der Vereinsdemokratie und das Recht auf eine Kampfkandidatur diskutiert – ein Kommentar.

Ritterbach Schumacher
Foto: Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images

Winston Churchill erklärte einst, die Demokratie sei die schlechteste Staatsform – abgesehen von allen anderen. Vermutlich hatte er recht. Doch die Herrschaft des Volkes über das Volk kann viele Antlitze haben: Präsidentiell, parlamentarisch, liberal, direkt, repräsentativ – es gibt durchaus ein paar legitime Variationen dieser Staatsform. Und ein paar, auf denen zwar außen Demokratie drauf steht, innen aber keine drinsteckt.

Wahlen, Kontrolle über die Machthaber und eine freie Presse sind die zentralen Aspekte jeder ernst gemeinten Demokratie. Erst über diese Instrumente wird die Funktion des Systems sichergestellt. Das Volk bestimmt nicht nur seine Regierung, sondern es kontrolliert sie auch. Doch was hat das alles mit dem 1. FC Köln zu tun?

Spätestens seit dem Rücktritt von Präsident Werner Spinner ist beim Traditionsclub vom Rhein der Wahlkampf, ebenfalls ein durchaus prägendes Merkmal der Demokratie, ausgebrochen. Und prompt ist eine Diskussion darüber entbrannt, wie demokratisch die Suche nach einer neuen Clubführung denn abzulaufen habe.

Die Ausgangslage: Mitgliederrat sucht neues Vorstandstrio

Die Situation: Während die amtierenden Vizepräsidenten eventuell erneut antreten und wiedergewählt werden wollen, scheint das beim 1. FC Köln für die Suche nach einem geeigneten Vorstand vorgesehene Gremium offensichtlich nicht mehr mit Toni Schumacher und Markus Ritterbach zu planen. Für so manchen Beobachter ist damit die Sache auch schon klar: Die beiden Vizes sollen „vom Hof gejagt“ werden, das sei furchtbar respektlos und ein Unding, so hört man es von ihren Unterstützern.

Für noch mehr Zorn scheint bei einigen aber die Ansicht Stefan Müller-Römers gesorgt zu haben. Im Gespräch mit effzeh.com hatte das neue Vorstandsmitglied sich auch zur Suche nach einem neuen Vorstand geäußert. Ein Wahlkampf sei von der Satzung überhaupt nicht gewünscht, erklärte der ehemalige Vorsitzende des Mitgliederrats, also des Gremiums, dem satzungsgemäß die Suche nach einem neuen Vorstandsteam obliegt.

Stefan Müller-Römer | Foto: Sebastian Bahr

Stefan Müller-Römer | Foto: Sebastian Bahr

„Der Mitgliederrat ist auch gerade erst von den Mitgliedern neu gewählt worden – mit dem klaren Auftrag für die Wahl 2019 ein Vorstandsteam vorzuschlagen. Insofern erwarte ich, dass es bei dem einen Team bleibt und sich alle hinter diesem Team versammeln, das der Mitgliederrat sorgfältig auswählen wird.“ Schumacher und Ritterbach sollten daher, wenn sie nicht nominiert würden, auf eine Kampfkandidatur verzichten. Ein Wahlkampf berge schließlich auch immer das Risiko, zur Schlammschlacht zu verkommen. Das sei nicht im Sinne des Vereins, erklärte Müller-Römer.

Sorge um den demokratischen Wettbewerb beim 1. FC Köln

Den Beleg für die Wahrhaftigkeit zumindest der letzteren Aussage lieferten die Vizepräsidenten und ihr Umfeld dann zuverlässig. Die „Bild“ monierte, niemand habe bisher mit dem Vorstandsduo gesprochen. Dass der Mitgliederrat offenbar auf Dr. Werner Wolf als nächsten Präsidenten setzen möchte, habe man aus der Presse erfahren, erklärte Ritterbach. Wenig später nahm sich dann auch der „kicker“ dem Thema an. Dass Müller-Römer mit seinen Worten darum bitte, einen „demokratischen Wettbewerb“ außer Kraft zu setzen, würde so manchen Beobachter „nachdenklich stimmen“.

Ex-FC-Spieler Stephan Engels legte im Gespräch mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ nach: „Vorstand raus“-Banner wie sie im Kölner Stadion seit Monaten hängen, seien in der Vergangenheit mit Franz Kremer und Peter Weiand an der Vereinsspitze nicht denkbar gewesen. „So basisdemokratisch, wie der FC mit seiner Satzung ist, war der Verein noch nie und so viele Mitglieder gab es es auch früher nicht“, erklärt Engels. „Die hätten eigenhändig die Schmäh-Transparente abgehängt.“

Während sich die einen also um den demokratischen Wettbewerb beim 1. FC Köln sorgen, wünschen sich andere offenbar wieder einen „Boss“ mit harter Hand herbei, der Kritikern den Mund verbietet. Wäre es kein popeliger Fußballclub, könnte man fast meinen, es gehe hier um den finalen Kampf zwischen liberaler Demokratie und strenger Autokratie. Aber so dramatisch ist es nicht.

Auf der nächsten Seite: Was ist dran an der Sorge um die Kölner Demokratie?

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