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Meinung

Debatte um Gratis-Hoodies und Demokratie beim 1. FC Köln: Die Rückkehr der Sonnenkönige?

Der Auftakt in die Debatte rund um die Mitgliederversammlung des 1. FC Köln zeigt: Der Vorstand hat nichts gelernt – und nähert sich seinem Vorgänger an. Der effzeh.com-Leitartikel.

MV
Foto: Sebastian Bahr

Die Hoodie-Debatte ist aber nicht die einzige Kontroverse in diesen Tagen: Denn offenbar dachte man sich beim Kölner Vorstand, dass man die Einladungen zur Mitgliederversammlung doch wenigstens dafür nutzen kann, die Meinungsbildung der Mitglieder direkt zu beeinflussen, wenn man ohnehin allen einen Brief schicken muss. Immerhin rühmt sich der Vorstand bei dieser Maßnahme aber nicht für sein Demokratieverständnis. Das ist auch gut so.

Denn wenn man erneut den sicherlich provokanten Vergleich zur wahrhaftigen politischen Arena bemühen würde, müsste man sich schließlich fragen, ob die in Berlin alle zu blöd sind, auf Wahlbenachrichtigungen direkt mit drauf schreiben zu lassen, welche gegnerischen Parteien bitte nicht gewählt werden sollten, weil die aktuelle Regierung sie doof findet. Doch das klingt schon so absurd, dass man diesen Vergleichsmaßstab lieber direkt wieder verwerfen sollte.

Emotionalisierung durch Kritik in der Einladung

Dennoch haben Spinner, Schumacher und Ritterbach ungefähr das getan. Die Einladung zur MV enthält nicht nur die Tagesordnung, die Anlagen und die obligatorische Bitte um Teilnahme. Nein, der FC-Vorstand erlaubt sich auch noch einige kritische Anmerkungen zu einem Satzungsänderungsantrag, der Aktionen wie Gratis-Hoodies bei Mitgliederversammlungen in Zukunft untersagen möchte. Die Begründung des Antragstellers für seinen Änderungswunsch: Geschenke für die Teilnahme an Wahlen seien entgegen der Vorstandsmeinung – Trommelwirbel – undemokratisch.

Na wunderbar. Die Demokratie wird offenbar derzeit auch in Kölner Fußballvereinen verhandelt. Da der 1. FC Köln aber immer noch kein Staat mit Wahlrecht ist, gibt es kein Gesetz, dass das Vorgehen des Vorstands verbieten würde.

„Normalerweise vermeiden wir es, bereits mit der Einladung zu den veröffentlichten Anträgen Stellung zu beziehen“

Wer sich an den Umgang von Werner Spinner und seinen Vizepräsidenten mit der Mitgliederinitiative „100 % FC – Dein Verein“ im Vorjahr erinnert, dürfte von den Ausführungen des Vorstandstrios ohnehin nicht mehr überrascht sein. „Normalerweise“ vermeide man es zwar, bereits mit der Einladung zu Änderungsanträgen „Stellung zu beziehen“, aber diesmal halt eben nicht, erklärt das Vorstandstrio zur Einleitung. Letztes Jahr flogen die Giftpfeile in Richtung „100 % FC“ schon bei der Saisoneröffnung.

Warum die große Aufregung beim Vorstand?

Die sachliche Auseinandersetzung mit dem Anliegen des Antragstellers beschränkt sich dann auf einen Satz: Interne und externe Experten hätten nichts gegen die Geschenke einzuwenden, lässt man fett geschrieben wissen. Abgesehen davon setzt die Clubführung darauf, sich über die Begründung des Antrags zu echauffieren – und somit auf die Emotionalisierung der Debatte.

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Während dafür als Schlagwort im Vorjahr noch „Misstrauen“ herhalten musste, bemüht man nun Textbausteine wie „rufschädigende Unterstellungen“, „strafrechtlich relevant“, „dem Vorstand gegenüber respektlos“ und natürlich den bereits angesprochenen belehrenden, staatstragenden Ton in Sachen „Demokratieverständnis“. Die auf Gefühls- und nicht auf Sachebene geführte Debatte hatten Spinner und Co im letzten Jahr bereits erfolgreich im Umgang mit „100 % FC“ herbeigeführt.

Derartige Formulierungen sind allerdings kein Indikator für eine gelungene, sachliche Diskussion zwischen Vereinsmitgliedern über eine Satzungsfrage. Man kann das Kind da ruhig beim Namen nennen: Das klingt alles eher nach beleidigter Leberwurst und stolzer Eitelkeit. Wenn die neuerliche Geschenk-Aktion auf rechtlich so sicheren Beinen steht, wie der Vorstand wissen lässt, warum dann überhaupt die große Aufregung?

Aus der Kritik nichts gelernt

Foto: Lars Baron/Bongarts/Getty Images)

Doch wie im Vorjahr behauptet die Führungsetage nun in einer Satzungsfrage, dass man inhaltlich ja eh die besseren Argumente habe, zieht dann aber dennoch vor allem auf emotionaler Ebene in den Kampf. Damals bediente man sich zur Stimmungsmache sogar eines angedeuteten und reichlich perfiden AfD-Vergleichs (den man in einer Stellungnahme, die nach empörten Kritiken folgte, weit von sich wies) und äußerte sich mit spürbarer Abneigung über „engagierte Minderheiten“ im Verein.

So bleibt nichts anderes als festzustellen: Innerhalb weniger Tage hat das Vorstandstrio des 1. FC Köln erneut bewiesen, dass es seit der letzten Mitgliederversammlung nichts verstanden hat. Oder eben einfach nichts verstehen will. Dass es für die Erfüllung des Vorsatz den „Verein zu vereinen“, mit dem Werner Spinner einst beim 1. FC Köln losgelegt hatte, unerlässlich ist, Kritik wahr- und auch anzunehmen, vermeintliche Minderheitenmeinungen nicht zu ignorieren und sein Verhalten dementsprechend anzupassen, dürfte schließlich für jeden nachvollziehbar sein.

Machterhalt wichtiger als „Verein vereinen“

Wenn ein Vorstand aber nicht nur erneut auf eine Geschenk-Aktion, die für viel Ablehnung und Turbulenzen gesorgt hat, setzt und mit dieser auch noch offensiv wirbt, sondern auch erneut eine emotionalisierte, auf persönlicher Ebene geführte Debatte über Zukunftsfragen herbeiführt, belegt er damit lediglich eindrucksvoll, dass ihm sein vorgebliches Ziel – ein vereinter Verein – offenbar ziemlich egal ist.

Die Mehrheit der Mitglieder irgendwie zu der aus seiner Sicht richtigen Entscheidung bei Wahlen zu bewegen und den aktuellen Vorstand so an der Macht zu halten, scheint vielmehr das vorrangige Anliegen von Spinner, Schumacher und Ritterbach geworden zu sein. Dafür darf es dann offenbar auch gerne mal ein Foulspiel sein.

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Von diesem Verhalten können übrigens auch viele der amitierenden Mitgliederräte ein Liedchen singen, wenn man sie fragt. Nicht zuletzt die Antworten im effzeh.com-Kandidaten-Panel dienen dafür als möglicher Beleg. Auch intern setzt der Vorstand unseren Informationen zufolge schon seit längerer Zeit darauf, das wichtige Aufsichtsgremium zu blockieren, so gut er nur kann.

In Unternehmen seien Geschenke bei Aktionärsversammlungen absolut üblich, lässt die Kölner Vereinsführung übrigens noch wissen. Was sie verschweigt: In (erfolgreichen) Aktienunternehmen fliegen die Chefs raus, wenn sie nach einem Rekordjahr nahezu alle Gewinne wieder mit einem selbstverschuldeten Rekordminus verschleudern, ihre Ziele katastrophal verfehlen, und sich in Gremien dann trotzdem noch benehmen wie King Louis, der Sonnenkönig.

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