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Kurz & Knapp

Änderungsantrag wegen Gratis-Hoodies: FC-Vorstand nutzt MV-Einladung zur Kritik

Am Freitag gab der Verein bekannt, dass es wieder Gratis-Hoodies bei der MV geben wird. Nun verschickt der 1. FC Köln die Einladungen zur Versammlung – und kritisiert darin einen Antrag, der die Teilnahme-Geschenke unterbinden will.

Werner Spinner
Foto: Sebastian Bahr

Die Mitgliederversammlung des 1. FC Köln rückt immer näher. Gestern wurde bekannt, dass der Verein bei der Veranstaltung am 10. Oktober erneut ein Geschenk an alle anwesenden Mitglieder machen wird. Nachdem es im vergangenen Jahr einen Hoodie gab, wird auch in diesem Jahr ein „Jubiläumspullover“ an alle verschenkt, die bis zum Ende durchhalten. Bereits im Vorjahr sorgte dieses Vorgehen für Kritik von Teilen der Fans. Die Vereinsführung entschloss sich dennoch dazu, die Gratis-Aktion auch in diesem Jahr zu wiederholen.

Die Europapokal-Hoodies vom letzten Jahr nahm Marc Hillesheim, ein FC-Mitglied aus Köln, zum Anlass, um im Sommer einen Satzungsänderungsantrag beim 1. FC Köln einzureichen. Worum es bei dem Antrag geht, wird schon mit der Überschrift klar: „Keine Geschenke für das Erscheinen auf der Mitgliederversammlung“. Die Satzung soll mit dem Änderungsantrag um folgende Passage erweitert werden: „Es ist unzulässig, Mitgliedern für oder im Zusammenhang mit der Ausübung von Mitgliedschaftsrechten vermögenswerte (Sach-)Zuwendungen oder andere vermögenswerte Leistungen in Aussicht zu stellen und/oder zu gewähren.“

Antrag von Hillesheim: Keine Geschenke mehr

Kurzum: Die Satzung soll so geändert werden, dass Mitglieder anlässlich von Mitgliederversammlungen nicht mehr durch den Verein bzw. die Vereinsführung beschenkt werden können. Begründet wird der Antrag von Hillesheim in mehreren Punkten (den vollen Antrag könnt ihr auf der nächsten Seite lesen).

„Das Verteilen von Geschenken vor Wahlen stellt keine Förderung der Demokratie dar“

Zum einen sieht der Antragsteller die Gefahr einer Beeinflussung der Mitglieder durch das Geschenk – insbesondere wenn wichtige Wahlen anstehen. „Das Verteilen von Geschenken vor Wahlen stellt keine Förderung der Demokratie dar mit dem Argument, dass man doch nur gewillt sei, eine höhere Beteiligung herzustellen“, erklärt Hillesheim. Vielmehr sei eine solche Maßnahme „undemokratisch, weil sie einen unfairen Anreiz zum Erscheinen bei einer Versammlung bzw. bei der Wahl auf einer solchen Versammlung setzen soll im Sinne desjenigen, der das Geschenk vorher ausgelobt hat.“ Zum anderen führt Hillesheim in weiteren Punkten aus, warum er die Geschenke für die Teilnahme an der Mitgliederversammlung nicht für satzungskonform hält. Unter anderem sei die Gleichbehandlung der Mitglieder durch das Vorgehen gefährdet.

Vorstand nutzt Einladung für Kritik

Im Vorlauf der Mitgliederversammlung, in circa vier Wochen ist es soweit, verschickt der 1. FC Köln nun die Einladung an seine Mitglieder. Neben den Tagesordnungspunkten enthält das Schreiben als Anlage auch alle rechtzeitig eingereichten Satzungsänderungsanträge und ein paar Worte des Vorstands an die Mitglieder. Letztere nutzen Werner Spinner, Markus Ritterbach und Toni Schumacher nicht nur für die üblichen Grüße und die obligatorische Bitte, an der Veranstaltung teilzunehmen, sondern auch für eine Bewertung des Änderungsantrags von Hillesheim – auch wenn man es „normalerweise vermeide, bereits mit der Einladung zu den veröffentlichten Anträgen Stellung zu beziehen“, wie es in dem Text heißt.

Im Kontext der Einladung, und damit auch mit der Erstveröffentlichung der Satzungsänderungsanträge, „erlaubt“ (sic) sich der Vorstand, bezüglich Hillesheims Antrag nun genau das. Konkret bedeutet das: Wer nicht mit den Anlagen zu Lesen beginnt, wird den Antrag bereits beim ersten Mal im Lichte der kritischen Anmerkungen der Vereinsführung lesen (müssen). Gerechtfertigt wird das Vorgehen mit den „Vorwürfen“ und „rufschädigenden Unterstellungen“, die der Antrag von Hillesheim enthalte.

FC-Vorstand: Antrag ist „respektlos“

Der Kommentar des Vorstands lautet hierzu wie folgt: „Die Vorwürfe sind unzutreffend. Der Rahmen, in dem Aufmerksamkeiten an Mitglieder für die Teilnahme an der Mitgliederversammlung vergeben werden dürfen, wurde und wird […] von internen und externen Experten eingehend geprüft. Die Vorwürfe in der Antragsbegründung sind daher nicht haltbar, und wir verwahren uns gegen solche rufschädigenden Unterstellungen“. Weiter heißt es: „Dass Mitglieder, die zur Mitgliederversammlung kommen, an diesem Abend ein Dankeschön erhalten, […] ist gelebte Praxis nicht nur beim FC. Sie ist bei Vereinen und Unternehmen, bei Mitglieder- und Aktionärsversammlungen absolut üblich und wurde, bezogen auf den FC, bisher nie beanstandet – schließlich geht es darum, Mitgliedern für ihre Teilnahme und damit für ein wichtiges Engagement für den Verein zu danken.“

„Der Antrag unterstellt, dass durch die Geschenke Wahlentscheidungen beeinflusst würden.“

Die erneute Geschenk-Aktion soll ein Lockmittel für die Mitglieder sein und für eine möglichst hohe Wahlbeteiligung sorgen. „Dass an solchen Versammlungen möglichst viele Menschen teilnehmen […] sollten, dürfte selbstverständliches Demokratieverständnis sein“, heißt es diesbezüglich. Und auch was eine mögliche Beeinflussung durch das Geschenk angeht, erlaubt sich der Vorstand noch eine Einordnung: „Der Antrag unterstellt, dass durch die Geschenke Wahlentscheidungen beeinflusst würden. Mitglieder würden also entgegen ihrer eigentlichen Überzeugung abstimmen, weil sie zuvor beschenkt wurden.“ Dieser Vorwurf, führen Spinner, Ritterbach und Schumacher aus, sei „respektlos“ dem Vorstand, aber auch den Mitgliedern gegenüber.

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Da der Antrag von Marc Hillesheim bisher nicht online im Mitgliederbereich des Clubs zu finden ist, stellen wir ihn Euch hier zum Nachlesen in voller Länge zur Verfügung, damit jeder sich ein Bild vom Antrag und der Begründung machen kann.

Auf der nächsten Seite: Hillesheims Satzungsänderungsantrag im Wortlaut

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