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Auswärtsspiel

Das #BSCKOE-Auswärtsspiel: „In Berlin wird seit Jahren seriös gearbeitet“

Das Topspiel ruft: Der effzeh reist als „Spitzenzweiter“ nach Berlin zum Vierten Hertha BSC. Im effzeh.com-Auswärtsspiel sprechen wir mit Hertha-Fan Steffen über Euphorie, den Vater des Erfolgs und die Entwicklung in der Hauptstadt.

Foto: TOBIAS SCHWARZ/AFP/Getty Images

Zu den Spielen unseres geliebten und glorifizierten ersten Fußballclubs Köln werden wir auch in dieser Saison einem Fan der gegnerischen Mannschaft ein paar Fragen stellen. Und weil Gegner ja immer irgendwie “auswärts” sind, egal ob der effzeh zu Hause oder auf fremdem Platz antritt, und weil die Sichtweise von “auswärts” kommt, heißt die Kategorie folgerichtig “Auswärtsspiel”. Wir sind nicht nur gespannt, wieviel effzeh in den Anhängern der anderen Bundesligisten steckt, sondern erwarten auch eine Einschätzung zur Situation der eigenen Mannschaft.

Es ist Topspiel-Zeit, wer hätte das, vor allem angesichts der Partie bei der Hertha, gedacht? Und doch ist es wahr! Beide Klubs haben einen starken Saisonstart hingelegt: Während der effzeh sogar noch unbesiegt ist, musste sich die „Alte Dame“ nur den Bayern geschlagen geben. Doch wo ist die Euphorie in der Hauptstadt angesichts der tollen Leistungen? Im effzeh.com-„Auswärtsspiel“ sprechen wir mit Hertha-Fan Steffen, der Teil des „Damenwahl“-Podcasts ist, über das vermeintlich fehlende Interesse, die Entwicklung der Berliner unter Pal Dardai und den Startpunkt für Träume von mehr.

Die Hertha trifft auf den effzeh – oder auch der Zweite zu Gast beim Vierten. Hättest du damit gerechnet, dass das Duell zu einem Topspiel werden wird?

Hertha gegen Köln, gerade mal durch einen mickrigen Punkt getrennt, im direkten Duell? Damit konnte man schon rechnen. Dass sich dieses Duell jedoch im oberen Tabellendrittel abspielen würde, darauf hätte ich kein Geld gesetzt. In Köln leistet das Duo Schmadtke/Stöger seit Jahren hervorragende Arbeit. Das sieht jeder, der sich mit der Bundesliga beschäftigt. Auch in Berlin wird seit einigen Jahren kontinuierlich und seriös gearbeitet – aber es gibt doch einige Vereine, die sich schon aus rein wirtschaftlichen Gründen regelmäßig vor uns einsortieren sollten. Was soll’s, solange Schalke, Leverkusen und Wolfsburg nicht wollen, machen wir es uns eben in der Sonne der Europacup-Ränge gemütlich.

Euch wird der formstarke Valentin Stocker fehlen. Wie schwer wiegt dessen Sperre?

Wird der Hertha am Samstag fehlen: Valentin Stocker (r.) wurde nach seinem Platzverweis für drei Spiele gesperrt (Foto: Lars Baron/Bongarts/Getty Images)

Wird der Hertha am Samstag fehlen: Valentin Stocker (r.) wurde nach seinem Platzverweis für drei Spiele gesperrt (Foto: Lars Baron/Bongarts/Getty Images)

Valentin Stocker fehlt uns sehr. Menschlich, als Teamplayer – und in der von dir angesprochenen aktuellen Form sowieso. Stocker ist ein offensiver Mittelfeldspieler, der das Problem hat, dass Pal Dardai ihn als zu langsam für eine Position auf dem Flügel ansieht. Soll heißen, entweder er spielt in zentraler Position hinter der Spitze – oder gar nicht. In Herthas Zentrale wiederum führte zuletzt kein Weg an Vladimir Darida vorbei. Eine Mannschaft, die Vladimir Darida verletzungsbedingt verliert, und Valentin Stocker bringen kann, ist auf dieser Position, zumindest für unsere Gewichtsklasse, luxuriös aufgestellt. Nach Dudas Verletzung, er wird frühestens im Dezember zu seinem Debut mit der blau-weißen Fahne auf der Brust kommen, Daridas Verletzung (Comeback erst zum Rückrundenstart) und der extra-sinnlosen roten Karte für Valentin Stocker, gehen uns so langsam die Optionen aus. Jetzt muss es wohl Salomon Kalou gegen Köln richten. Kalou spielt eigentlich lieber auf dem Flügel oder als hängende Spitze und hat diese Saison aufgrund gleich zweier Trauerfälle in der Familie noch kein Ligaspiel bestritten. Ich denke, seine Form wird am Samstag mit spielentscheidend sein.

Der Start in die Bundesliga ist Euch geglückt, lediglich gegen die Bayern gab es eine Niederlage. Was macht die Hertha derzeit so stark?

[perfectpullquote align="right" cite="" link="" color="" class="" size=""]Wir haben eine Mannschaft mit vielen guten Spielern, sind taktisch in allen Mannschaftsteilen gut organisiert und haben es bislang geschafft, die gegnerischen Offensivreihen vom eigenen Tor fern zu halten.[/perfectpullquote]

P[/perfectpullquote]i dieser Frage gern zu sagen: „Wir sind eine kleine fleißige Mannschaft.“ Er muss da meiner Meinung nach gar nicht so bescheiden sein. Wir haben eine fleißige Mannschaft, ohne Frage. Aber wir haben auch eine Mannschaft mit vielen guten Spielern, sind taktisch in allen Mannschaftsteilen gut organisiert und haben es bislang geschafft, die gegnerischen Offensivreihen vom eigenen Tor fern zu halten. Wenn doch mal ein Angriff durch kommt, haben wir mit Rune Jarstein einen Keeper in Topform, der zudem fußballerisch stark genug ist, um im Spielaufbau mitwirken zu können. Fabian Lustenberger, nach seiner Absetzung als Kapitän eigentlich ein potentieller Problemfall, spielt grandios auf, als hätte ihm die Kapitänsbinde zuvor wie ein Bleigewicht am Körper gehangen. Und zu Vedad Ibisevic muss man glaube ich nicht mehr viel sagen. Ich bekomme jedes mal einen hysterischen Lachkrampf, wenn ich mir in Erinnerung rufe, dass der VfB Stuttgart ihn so verzweifelt loswerden wollte, dass sie nicht nur auf eine Ablösesumme verzichtet haben, sondern darüber hinaus bis zum Ende der laufenden Saison gute 50 Prozent seines Gehalts zahlen. Tore und Vorlagen am Fließband – zum Spartarif.

Während es in der Bundesliga lief, musste die „Alte Dame“ das frühe Aus in der Europa-League-Qualifikation verkraften. Vielleicht sogar ein heilsamer Schock zur rechten Zeit?

Nächste Frage! Nein, kleiner Scherz: Das Aus gegen Bröndby hat weh getan, war jedoch kein heilsamer Schock, sondern kalkuliertes Risiko. Zum Vorbereitsbeginn Anfang Juli hat Dardai geäußert, dass er die Vorbereitung nicht auf die EL-Quali ausrichten wird, sondern auf den Liga-Start. Zu unserem Pech haben wir dann einen Gegner zugelost bekommen, der Ende Juli schon voll im (Pflicht-)Spielbetrieb war. Wir hätten uns trotzdem fast durchgesetzt, am Ende fehlte ein einziges Tor. Chancen dafür hatten wir ausreichend. Danach hatten wir Glück, dass der Liga-Start geglückt ist – sonst wäre es für die sportliche Leitung schnell ungemütlich geworden. Die Nervosität im Umfeld war jedenfalls schon wieder spürbar.

Foto: ODD ANDERSEN/AFP/Getty Images

Foto: ODD ANDERSEN/AFP/Getty Images

Insgesamt gilt Trainer Pal Dardai als Vater des Erfolgs. Die Mannschaft ist dank defensiver Stabilität und Effizienz im Angriff unangenehm zu bespielen. Wie hat es der Ungar geschafft, aus der Hertha ein solches Team zu formen?

Pure Magie. Und harte Arbeit natürlich. Dardai ist seit 1997 bei Hertha und hatte damit einen (dringend benötigten) Sympathie- und Vertrauens-Bonus. Denn mal ehrlich, nach dem knapp überlebten Abstiegskampf der Saison 2014/15 hatten viele Zweifel, ob Dardai sich längerfristig auf dem Trainerstuhl würde halten können. Seitdem hat er sich als unaufgeregter Trainer erwiesen, der das Vertrauen der Vereinsführung genießt, zusammen mit Michael Preetz eine glückliche Hand bei Transfers hatte – und ein exzellentes Trainer-Team um sich hat. Dardai weiß was er kann und, noch wichtiger, was er nicht kann. Wenn er Fehler macht, gesteht er sie ein – und versucht sie beim nächsten Spiel zu vermeiden. Dazu kommt noch ein Präsidium, das auch bei schwereren Rückschlägen nicht zu hysterischen Reaktionen neigt – und fertig sind die Grundlagen für langfristige Arbeit. Wenn die richtigen Personen am Steuer sind, braucht es nur noch Geduld. Der Rest entwickelt sich dann kontinuierlich.

[perfectpullquote align=[perfectpullquote align="left" cite="" link="" color="" class="" size=""]uropa League erreichen, wäre das ein sehr großer Erfolg. So gut man auch arbeitet – sobald ein anderer Verein mit deutlich größeren Ressourcen ähnlich gut arbeitet, hat man keine Chance. [/perfectpullquote]

Im vergangen[/perfectpullquote]Alte Dame“ lange auf Champions-League-Kurs, fiel aber gegen Ende der Saison in ein Formloch. Reicht es dieses Jahr für mehr als „nur“ Europa League?

Wenn wir „nur“ die Europa League erreichen, wäre das ein sehr großer Erfolg. Ich habe es oben schon angedeutet. So gut man auch arbeitet – sobald ein anderer Verein mit deutlich größeren Ressourcen ähnlich gut arbeitet, hat man keine Chance. Aus eigener Kraft können wir die obere Tabellenhälfte anvisieren. Für Platz sechs sind wir auf die Mitarbeit von Schalke, Wolfsburg, Leverkusen oder Gladbach angewiesen. Mit Leipzig ist ein weiteres finanzielles Schwergewicht dazu gekommen. Wirtschaftlich können wir mit diesen Vereinen nicht mithalten. Herthas Aufgabe ist es bereit zu stehen, wenn einer der Genannten schwächelt. Ich habe keine Ahnung, wo das diese Saison hinführt.

Auf dem Transfermarkt hat man sich in Berlin im Sommer fast zurückhaltend gegeben, lediglich drei Spieler wurden verpflichtet. Siehst du den Kader stark genug? Wo gibt es vielleicht noch Optimierungsbedarf?

Stark genug wofür? Für das selbstgesteckte Ziel von 45 Punkten? Ich denke schon. Für das Minimalziel „Verbleib in der 1. Liga“? Sicher! Hertha hat, gemessen an den finanziellen Mitteln, die uns zur Verfügung stehen, einen beinahe perfekten Kader. Im Sturm sind wir mit Ibisevic, Schieber, Kalou und Allagui exzellent besetzt. Das offensive Mittelfeld war mit Darida, Stocker, Haraguchi und Weiser auch schon letzte Saison sehr gut besetzt. Defensives Mittelfeld und Viererkette – alles schön! „Gekrankt“ (wir sind Siebter geworden, da klingt dieses Wort merkwürdig) hat es letzte Saison in der zweiten Reihe. Nicht die Stammspieler waren das Problem, sondern die Spieler dahinter. Als dann am Saisonende einige Stammspieler überspielt waren und sprichwörtlich auf dem letzten Loch pfiffen, kam von den Spielern dahinter nichts. Hier hat der Verein diesen Sommer angesetzt. Und ja, wir haben nur drei Spieler geholt. Vier, wenn man noch Sinan Kurt dazu rechnet (der ist zwar schon im Februar gekommen, aber erst im Sommer zu den Profis gestoßen).

Foto: Lars Baron/Bongarts/Getty Images

Foto: Lars Baron/Bongarts/Getty Images

Eine Transferperiode sollte aber nicht nur nach den Spielern beurteilt werden, die kommen, sondern auch nach den Spielern, die gewollt (!) abgegeben werden, und die man hält, obwohl andere Vereine Interesse anmelden. Darida und Brooks wurden trotz hoher Offerten im jeweils zweistelligen Millionenbereich gehalten. Mit Esswein und hoffentlich bald Duda ist Qualität und Geschwindigkeit im Mittelfeld dazu gekommen. Allan ist ein junger Spieler mit Zukunft. Vermutlich aber nicht bei uns, er ist nur für eine Saison vom Liverpool FC ausgeliehen. Andere Spieler, welche uns beim aktuellen Entwicklungsstand nicht mehr weitergeholfen haben, wurden abgegeben (Beerens, van den Bergh, Ronny). Es war keine spektakuläre Transferperiode – aber die Mannschaft ist meiner Meinung nach stärker als letzte Saison.

In Köln kommt angesichts des Höhenflugs große Euphorie auf, die Presse schwärmt vom neuen effzeh. Um die Hertha ist es dagegen trotz des starken Starts deutlich ruhiger. Wie steht es um die Stimmung in der Hauptstadt?

[perfectpullquote align=“right“ cite=““ [perfectpullquote align="right" cite="" link="" color="" class="" size=""] er dem Trainerteam ein ruhiges Arbeiten ermöglicht. Ansonsten ist für mich jede Saison fern der Abstiegsränge eine gute Saison. [/perfectpullquote]

Wir haben gerade mal sieben Spieltage und eine Ru[/perfectpullquote]nter uns. Da ist es für Euphorie für meinen Geschmack noch deutlich zu früh. Ich freue mich über den gelungenen Start, weil er dem Trainerteam ein ruhiges Arbeiten ermöglicht. Ansonsten ist für mich jede Saison fern der Abstiegsränge eine gute Saison. Verglichen mit Abstiegskampf ist das Scheitern an der EL-Quali doch Kindergeburtstag. Wenn wir zur Winterpause immer noch da oben stehen, dann fang ich vielleicht an zu träumen. Vorher wäre Enttäuschung fast schon programmiert.

Die Zuschauerzahlen scheinen auf den ersten Blick nicht so recht zur sportlichen Renaissance der „Alten Dame“ zu passen. Muss sich erst in Berlin herumsprechen, wie gut die Hertha aktuell ist, oder woran liegt das eher mediokre Interesse?

Ach ja, die Zuschauerzahlen. Über dieses Thema könnte man eine Dissertation schreiben. Oder zumindest Stunden lang diskutieren. Das ist auch bei uns im Hertha-Podcast Damenwahl immer wieder Thema. Um den Rahmen hier nicht zu sprengen nur kurz eine These: Ein reines Fußballstadion mit einer Kapazität von circa 50-55.000 Zuschauern wäre jedes Spiel ausverkauft. Für mehr braucht es eine glorreiche Vergangenheit und/oder reelle Chancen im Kampf um die Spitze. Was sind denn das für Vereine, die ein 70.000+ Stadion voll bekommen? Noch dazu ein Stadion, in dem man von etwa 30.000 Plätzen aus einen, ähem, nicht so optimalen Blick hat? Im Regelfall Europapokal-Sieger oder zumindest Dauerteilnehmer in der Champions League und x-fache Landesmeister. Damit kann Hertha aus einer schier endlosen Anzahl von Gründen nicht dienen. Man kann es aber auch alles positiver sehen: Als es Hertha vor nicht allzu langer Zeit nicht so gut ging (ja, ich weiß, Fans von Rot-Weiß Essen oder Alemannia Aachen lachen über diese Aussage), kamen nicht weniger Fans. Lieber 45.000 „Echte“ im Stadion, als zu jedem Heimspiel Busladungen voller Eventtouristen auf den Tribünen!

Foto: Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images

Foto: Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images

Der effzeh ist, wie schon gesagt, derzeit in aller Munde, es gibt einen regelrechten Hype um den „Spitzenzweiten“. Wie verfolgst du die generelle Entwicklung in Köln, was verbindest du grundsätzlich mit dem Klub?

Ich versuche immer einen Blick über den eigenen Tellerrand zu werfen. Die Entwicklung in Köln ist mir demnach auch nicht entgangen. Allerdings nicht, weil ihr jetzt gerade auf Platz 2 steht, sondern weil Jörg Schmadtke und Peter Stöger auch schon in den vorangegangenen Spielzeiten sehr gute Arbeit geleistet haben. Den von dir beschriebenen Hype kann ich aber nicht so ganz nachvollziehen und finde ihn sogar gefährlich für den 1. FC Köln. Da werden unrealistische Erwartungen geschürt, die letztlich für Enttäuschungen sorgen müssen. Das entspricht dem Kölner Cliche. Ich bin mir aber recht sicher, dass Schmadtke und Stöger die Situation realistisch einschätzen.

Zwei Bayern-Jäger im Duell – wer darf sich auch danach weiter so nennen? Dein Tipp zum Spiel, bitte!

Natürlich wollen und werden wir unser Heimspiel gewinnen. 2:0! Aber Bayern-Jäger? Nee, der FC Bayern spielt in jeder Hinsicht auf einem anderen Planeten.

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