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Analyse

0:1-Niederlage gegen Stuttgart: Zögern, Zaudern, 1. FC Köln

Die 0:1-Heimniederlage gegen den VfB Stuttgart scheint in ihrer Entstehung vielen anderen Spielen in dieser Saison zu gleichen. Wirklich nachhaltig verbessert wirkt die Mannschaft immer noch nicht, weshalb das Saisonziel weiter gefährdet bleibt.

COLOGNE, GERMANY - FEBRUARY 20: Rafael Czichos of 1. FC Koeln reacts during the Bundesliga match between 1. FC Koeln and VfB Stuttgart at RheinEnergieStadion on February 20, 2021 in Cologne, Germany. Sporting stadiums around Germany remain under strict restrictions due to the Coronavirus Pandemic as Government social distancing laws prohibit fans inside venues resulting in games being played behind closed doors. (Photo by Frederic Scheidemann/Getty Images)
Foto: Frederic Scheidemann/Getty Images

Nach der jüngsten 0:2-Niederlage bei Eintracht Frankfurt unterliegt der 1. FC Köln erneut, dieses Mal im Heimspiel gegen den VfB Stuttgart mit 0:1. Ein Kopfballtor von Saša Kalajdžić machte für die Gäste im zweiten Durchgang den Unterschied, für den FC ist es die elfte Niederlage in dieser Saison – und nicht die erste, die auf diese Weise zustande kam. Nachdem Markus Gisdol und seine Mannschaft lange nach der bestmöglichen Grundordnung suchten, scheinen sie mit dem 5-3-2 nun die Konsens-Version gefunden zu haben. Seit der indiskutablen 0:5-Niederlage in Freiburg agiert der FC mit drei Innenverteidigern und zwei Flügelverteidigern. Ellyes Skhiri als einziger Sechser bildet einen Fixpunkt davor, seit dem Spiel im Breisgau kam es dann zu unterschiedlichsten Konstellationen in der Besetzung der verbleibenden vier Positionen. Das Ziel: Defensive Stabilität. Das Problem: Was wird dabei aus der Offensive?

Gegen Stuttgart wählte Gisdol eine Variante mit Kingsley Ehizibue und Ismail Jakobs auf den Außen, um die starken Flügelspieler der Schwaben bestmöglich einzubremsen. Das bedeutete auch, dass mit Marius Wolf der wohl am meisten vielseitig einsetzbare Spieler im FC-Kader auf eine der beiden Achterpositionen rückte, die andere besetzte Elvis Rexhbecaj. Vorne durfte Ondrej Duda seine Rolle als Taktgeber interpretieren, Emmanuel Dennis spielte als Stürmer. Die Stuttgarter, die in dieser Saison mit aufregenden Talenten und einer klaren Spielidee durchaus zu den positiven Überraschungen gehören, rückten von ihrer eigenen Herangehensweise auch nicht ab: Auch das Team von Pellegrino Matarazzo agiert in einer Fünferkette, aber mit anderen Strukturen und Abläufen davor.

Offensiv läuft nicht viel zusammen beim 1. FC Köln

Mit Wataru Endo und Orel Mangala verfügt der VfB über zwei spielstarke und gleichzeitig defensiv denkende Sechser, die den Spielern für den offensiven Übergang (bei der Partie in Köln Gonzalo Castro und Philipp Förster) den Rücken freihalten sollen. Mit Kalajdžić spielte der Zielspieler in der Spitze, der die Kölner Defensive bereits im Hinspiel vor Probleme gestellt hatte. Die Gäste liefen daher auch mit drei Spielern an und versuchen so, einen langen Ball eines der Halbverteidiger des FC zu erzwingen, um dann das Spielgerät für sich zu gewinnen. Das funktionierte auch deswegen gut, weil die Abstimmung zwischen Mangala und Endo passte, was Skhiri betraf: Der Tunesier konnte kaum unterstützend im Spielaufbau eingreifen, sodass der Großteil der Kölner Angriffsaktionen (wenn man sie so bezeichnen möchte) relativ früh wieder als Ballbesitz des VfB Stuttgart endeten.

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Wolf und Rexhbecaj versuchten sich anders in den vorherigen Partien meist weit auf die Außenseiten fallen zu lassen, um die Stuttgarter Mittelfeldachse Endo und Mangala auseinanderzuziehen und somit Passoptionen auf Duda oder Dennis zu eröffnen. Das funktionierte gerade in der ersten Halbzeit nicht wirklich, sodass der FC nach 30 Minuten auf lediglich neun Ballkontakte im letzten Drittel kam. Zwei davon führten schon zur besten Chance durch Duda, der nach einem Einwurf von rechts und einer guten Aktion von Skhiri allerdings zu hoch zielte. Von dieser Szene abgesehen waren die Offensivbemühungen der Kölner maximal harmlos. Dennis musste schlecht gespielten langen Bällen hinterher hechten, was den Nigerianer sichtlich frustrierte.

Eine Standardsituation macht den Unterschied

Nach 19 Minuten beschwerte er sich über einen schlechten Pass, stellte die Defensivarbeit ein und musste sich daher einige harsche Worte seiner Teamkollegen anhören – es war für lange Zeit das einzige Mal, das die Mannschaft so etwas wie Esprit versprühte. Und weil auch die Stuttgarter Passqualität nicht ausreichend war, bekamen sie ihre Übergangsspieler Förster und Castro nicht ins Spiel – von der 37. Minute mal abgesehen, als sie schnell durchs Zentrum kombinierten, allerdings nicht zum Abschluss kamen. Zur Pause hatte der 1. FC Köln 112 Pässe im ersten Drittel (das heißt tief in der eigenen Hälfte) gespielt, konstruktive Ballsequenzen mit dem Ziel eines Torabschlusses gab es keine. Es wäre eines dieser Spiele gewesen, in dem die Mannschaft vom Kölner Publikum höchstwahrscheinlich mit einem Pfeifkonzert in die Kabine verabschiedet worden wäre.

Foto: Frederic Scheidemann/Getty Images

Wie schon so oft in dieser Saison war es dann eine Standardsituation, die das Spiel öffnete: Mangala zog wenige Minuten nach der Pause gegen zwei Kölner ein Foul, nah an der linken Seitenauslinie der Stuttgarter. Den fälligen Freistoß zog Borna Sosa mit viel Schnitt in die Mitte, Kalajdžić köpfte ein. Wieder mal ein Rückstand für den FC, dem es immer noch nicht gelungen ist, einen solchen in dieser Spielzeit in ein positives Ergebnis zu drehen. Nach einem Ballverlust im Spielaufbau hatte Silas Wamangituka in der 54. Minute gleich die nächste Gelegenheit für den VfB, die Timo Horn allerdings zunichte machen konnte.

Leichte Verbesserung am Ende, aber kein Ausgleichstor

Die zögerliche, defensive und auf wenig Risiko ausgerichtete Herangehensweise des FC musste sich ändern, weswegen Gisdol nach einer Stunde mit Dominick Drexler einen Offensivspieler für Sava Čestić einwechselte und damit die Fünferkette auflöste. Die letzte halbe Stunde legten die Kölner ihre Anlauflinie auch etwas höher, die Gäste aus Schwaben wiederum ließen sich mit zunehmender Spieldauer immer tiefer fallen, sodass sich die Dynamik des Spiels änderte. Mit Salih Özcan und Max Meyer brachte Gisdol zwei weitere Mittelfeldspieler, fortan agierte der FC in einem asymmetrischen 4-1-4-1 mit Özcan auf rechts und Drexler auf links. In diese Umstellung hinein erspielten sich die „Geißböcke“ dann die beste Chance der Partie, als Meyer mit einem tiefen Pass Dennis die Möglichkeit gab, hinter die Abwehr der Stuttgarter zu kommen – der Abschluss der Leihgabe aus Brügge ging allerdings drüber. Der FC überlud fortan in mehreren Szenen das Zentrum, für Matarazzos Elf öffneten daraufhin sich Räume.

Weil die Stuttgarter Konterspieler Erik Thommy und Tanguy Coulibaly diese allerdings nicht für sich nutzen konnten, blieb das Spiel bis in die Schlussphase „spannend“. Zwar entwickelte der FC mehr Dringlichkeit nach vorne, kombinierte gar mehrfach ansehnlich nach vorne, was noch in einem Özcan-Lattenschuss aus der Distanz mündete. Davon abgesehen kamen die Stuttgarter allerdings nicht wirklich in Bedrängnis. Im 48. Spiel unter Gisdol verließ der FC zum 22. Mal als Verlierer den Platz, durch die Ergebnisse der Konkurrenz schrumpfte auch der Vorsprung.

Foto: Frederic Scheidemann/Getty Images

Zwölf Spiele sind es noch für den 1. FC Köln. Viele davon werden ähnlich unansehnlich sein wie das gegen Stuttgart. Manchmal wird vielleicht ein Punkt für den FC dabei herausspringen, manchmal nicht – das ist Stand heute hypothetisch. Womit allerdings mit ziemlicher Sicherheit wohl nicht mehr gerechnet werden kann: Dass der 1. FC Köln unter Markus Gisdol eine klare und nachhaltige Idee davon entwickelt, wie er über 90 Minuten gegen gleichwertige Mannschaften den Ball in den gegnerischen Sechzehner bekommen möchte, um dort zu Torabschlüssen zu kommen.

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