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Analyse

Torloses Unentschieden gegen Hertha: Keine Besserung beim 1. FC Köln zu erwarten

In einem weiteren unansehnlichen Spiel ermauert sich der 1. FC Köln ein weiteres torloses Unentschieden. Die Offensive hingegen darbt weiter vor sich hin, Hoffnung auf Besserung scheint derzeit utopisch.

Foto: Lars Baron/Getty Images

Auch im dritten Spiel nach der kurzen Weihnachtspause in der Fußball-Bundesliga bleibt der 1. FC Köln ohne eigenes Tor. Dem ernüchternden 0:1 gegen den FC Augsburg zu Jahresbeginn folgte ein in allen Belangen indiskutables 0:5 gegen den SC Freiburg – und nun lieferte der FC mit einem torlosen Unentschieden gegen eine Berliner Hertha auf Sinnsuche das nächste Beispiel dafür ab, dass es in diesem Jahr mit dem Klassenerhalt sehr, sehr eng werden dürfte. Die letzten drei Spiele haben jedoch aufgezeigt, dass der 1. FC Köln mehrere Problemzonen hat, die so schnell allerdings nicht behoben werden dürften und über die wir hier an dieser Stelle schon einmal geschrieben haben.

Thema Passgenauigkeit: Egal ob im 5-3-2 oder mit einer Viererkette, dem FC fehlen in eigenem Ballbesitz die Mechanismen, um einen sauberen Ballvortrag zu gewährleisten, mal eine Linie oder gar zwei flach zu überspielen, um in diejenigen Zonen hineinzukommen, aus der Torraumszenen kreiert werden – so war es auch gegen Hertha, wo 76 Prozent der Kölner Pässe erfolgreich gespielt wurden. Mit flachen Pässen kann sich der FC kaum befreien, meistens sind lange Bälle nötig – auch hier hat sich in den letzten drei Spielen nichts zum Positiven gewandelt. Das Spiel gegen Hertha offenbarte allerdings eine minimale Verbesserung, die insbesondere mit der Hereinnahme von Kingsley Ehizibue zu tun hatte: Der Rechtsverteidiger stand überraschend in der Startelf und sammelte immerhin vier erfolgreiche Dribblings. Dasselbe gelang auch Marius Wolf. Durch Dribblings kann eine eng stehende gegnerische Mannschaft aus der Balance gebracht, mal eine situative Überzahl geschaffen werden – insgesamt gelingt dem FC das allerdings viel zu selten.

Die Offensive beim 1. FC Köln ist quasi nicht existent

Dementsprechend wenig los war auch wieder in der Offensive: Chancen von Jonas Hector (37. Minute und 45.+1) und speziell Marius Wolf (60.) waren noch die gefährlichsten Aktionen. Der xG-Wert lag nach der Partie bei 0,3. Gegen Freiburg lag der Wert von „erwarteten Toren“ bei 0,2, im Heimspiel gegen Augsburg bei 0,5. In 270 Spielminuten ist es dem 1. FC Köln nach diesem statistischen Modell also gelungen, einen kumulierten Wert von 1,0 zu schaffen – eine verheerende Bilanz, die durch die optischen Eindrücke aus dem Spiel noch verstärkt wird. Ketzerisch kann man behaupten, der offensivste Spirit beim FC zeigt sich aktuell dann, wenn mit Rafael Czichos einer der Halbverteidiger einen Einwurf macht.

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Dass das Spiel gegen die Hertha nicht mit einer Niederlage endete, war in erster Linie der fehlenden Präzision der Gäste im Abschluss zuzuschreiben. Das Team von Bruno Labbadia war speziell in der Schlussphase gefährlich, besaß durch Krzystof Piatek und Mattéo Guendouzi aussichtsreiche Chancen. Auch Kontergelegenheiten wie die in der Nachspielzeit (90.+3!) spielten die Hauptstädter ohne die nötige Stringenz zu Ende.

Besserung? Nicht zu erwarten

Es war also nicht so, dass der FC gar keine Chancen gegen sich zuließ, mit einer anderen Dynamik hätte das Spiel also durchaus verloren gehen können. Vielmehr zeigte aber der Punktgewinn durch das torlose Unentschieden, dass sich Trainer und Mannschaft momentan an den kleinen Dingen hochziehen (müssen), um überhaupt optimistisch bleiben zu können. Markus Gisdol verdeutlichte diese Ambitionslosigkeit nach der Partie in der Pressekonferenz mit folgenden Worten: „Nach dem Spiel gegen Freiburg war es heute oberste Pflicht, wieder in der Defensive eine stabile Mannschaft zu sehen, die gut verteidigt.“

Foto: Lars Baron/Getty Images

Auch in den kommenden Partien gegen Mannschaften aus der unteren Tabellenregion dürften die Spiele ähnlich verlaufen, beim FC ist ehrlicherweise wenig Besserung von jetzt auf gleich zu erwarten. Dafür fehlt schlichtweg die Zeit: Bereits übermorgen tritt der FC beim FC Schalke 04 an. Bis dahin wird neben Regeneration und Spielvorbereitung keine inhaltliche Arbeit mit der Mannschaft möglich sein, auch danach folgt der normale Wochenrhythmus.

Mit den Partien gegen die „Knappen“, gegen Bielefeld und in Hoffenheim warten erneut drei Gegner, gegen die der FC fast schon zu Punktgewinnen gezwungen ist, sind sie doch vom Niveau her ähnlich. Wie dies gelingen soll, ist nach den jüngsten Eindrücken aus diesem Jahr allerdings fraglich.

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