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Analyse

Unentschieden gegen Bremen: Fußballerische Bankrotterklärung des 1. FC Köln an der Weser

In einem der schwächsten Spiele dieser Saison trennen sich der 1. FC Köln und Werder Bremen mit 1:1 – alleine die drei Bremer Innenverteidiger hatten so viele Ballaktionen wie die gesamte Mannschaft des FC. Damit ist schon fast alles gesagt.

Foto: Martin Rose/Getty Images

Der 1. FC Köln ist auch im siebten Spiel der Saison ohne Sieg geblieben: Am Freitagabend endete das Auswärtsspiel bei Werder Bremen mit 1:1. In einer fußballerisch niveauarmen Partie glichen die Gastgeber die Führung der Kölner durch einen Strafstoß von Leonardo Bittencourt noch aus. Zuvor hatte Niklas Moisander die Kölner per Eigentor in Führung gebracht. Markus Gisdol hatte sich vor der Partie für zwei Wechsel entschieden: Dominick Drexler spielte im Zentrum für Ellyes Skhiri, auf der linken Seite verteidigte Noah Katterbach für Jannes Horn.

Der Plan des FC in diesem Spiel sah vor, den Bremern den Ballbesitz zu überlassen und selbst tief zu stehen. Der FC positionierte sich in einem 4-1-4-1 mit Salih Özcan als tiefem Sechser. Der Hintergrund: In der Analyse vor der Partie hatte Gisdol laut eigener Aussage ausgemacht, dass die Bremer sich mit Ball am Fuß schwertun. Und so entwickelte sich eine Partie, in der die Bremer Aufbaulinie mit den Innenverteidigern Marco Friedl, Niklas Moisander und Ömer Toprak sich gegen den ersten Kölner Anläufer Sebastian Andersson, der sich meistens rund um die Mittellinie positionierte, den Ball hin und her schoben. Am Ende des Spiels hatten alle drei Bremer mehr als 100 Pässe gespielt. Passschärfe und Risiko im Aufbauspiel gingen dem diesjährigen Relegationsteilnehmer allerdings komplett ab, sodass es kaum gute Offensivaktionen zu sehen gab.

Ein Spiel auf überschaubarem Niveau

Da der FC selbst nicht mutig presste, sondern die eigene Hälfte zur Kampfzone erklärt hatte und nur dort angriff, bestand für die Bremer Halbverteidiger Toprak und Friedl eigentlich genug Platz, um mit Tempo und Druck in die Räume nach vorne zu schießen und dort eine Reaktion des FC zu erfordern. Da dies aber in den meisten Szenen ausblieb, bewegte sich die Partie eigentlich durchgängig auf erschreckend schwachem Niveau. Wenn der FC den Ball mal gewonnen hatte, waren die Wege zum gegnerischen Tor ähnlich wie noch gegen Bayern München sehr weit, sodass von den Kölnern eigentlich zu keinem Zeitpunkt gefährliche Umschaltmomente ausgingen.

Lange Gesichter nach dem siebten Spiel ohne Sieg in dieser Saison | Foto: Martin Rose/Getty Images)

Bei solchen Spielen auf überschaubarem Niveau entstehen Tore meistens durch individuelle Fehler oder Standardsituationen. Bereits in der ersten Spielminute hatte der FC Glück, dass Timo Horn gegen Jean-Manuel Mbom lange aufrecht blieb und den Abschluss blocken konnte. Zuvor hatte Marius Wolf eine zu kurze Rückgabe gespielt. Nach etwa einer halben Stunde verlor Salih Öczan den Ball im Spielaufbau, es ergab sich eine an sich aussichtsreichte Kontergelegenheit für Bremen, in der allerdings die Offensivspieler die Verantwortung für den letzten Pass oder einen Abschluss immer weiter an den nächsten Spieler abgaben, sodass die Kölner rechtzeitig verteidigen konnten.

Tore nach Fehler und Elfmeter

Die Führung der Kölner entstand durch eine Situation, in der Noah Katterbach mit einem eigentlich unsauberen ersten Kontakt eine Klärungsaktion der Bremer aufnahm; der Ball sprang ihm weit weg, er erreichte ihn gerade noch so. Der eingewechselte Ex-Kölner Yuya Osako hatte sich schon zu einer Grätsche entschieden und erwischte Katterbach. Ondrej Dudas gut getretenen Freistoß auf den zweiten Pfosten lenkte Moisander ins eigene Tor. Auffällig danach: Der FC jubelte nicht gemeinsam mit allen Feldspielern, einige trabten direkt zurück in die eigene Hälfte.

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Der Ausgleich entsprang einer Situation, in der der eingewechselte Tahith Chong auf links gegen drei Kölner Tempo aufnahm und eine Flanke in die Mitte brachte, die Sebastian Bornauw an die eigene Hand sprang – den fünften Strafstoß gegen den 1. FC Köln in dieser Saison verwandelte Bittencourt zum Ausgleich. Nach Abpfiff stand das dritte 1:1 aus den letzten vier Spielen zu Buche, der FC rangiert mit nun drei Punkten immer noch auf Rang 16.

Insgesamt: Ein fußballerischer Offenbarungseid des 1. FC Köln

Immerhin nicht verloren, mag sich manch einer nach dieser Partie gedacht haben – die Art und Weise allerdings, wie der 1. FC Köln auftrat, trägt nicht wirklich zur Beruhigung bei. Offensiv gelang fast nichts, einige Fernschüsse und ein Kopfball von Andersson waren die einzigen nennenswerten Aktionen. Von allen Ballaktionen der Partie vereinten die drei Bremer Innenverteidiger 33,8 Prozent auf sich – damit hatten sie genauso viele Ballaktionen wie die gesamte Kölner Mannschaft. Selbst das häufig propagierte Flügelspiel mit Ismail Jakobs auf links und Dimitrios Limnios auf rechts war nur ganz selten Ausgangspunkt von Offensivaktionen. Anderssons Kopfball nach etwas mehr als einer Stunde war der erste wirkliche Abschluss des FC.

In einem der schwächsten Bundesligaspiele der aktuellen Saison schaffte es die Mannschaft des 1. FC Köln also nochmal, besonders negativ aufzufallen. Dass eine Leistung wie diese der Entwicklung der Mannschaft hilft, ist fraglich – wieder einmal gehen die „Geißböcke“ also mit einem schwierigen Gefühl in die Länderspielpause.

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