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Nachspiel

Auch in Bremen kein Sieg: Der 1. FC Köln tritt auf der Stelle

Auch beim SV Werder Bremen kann der 1. FC Köln nicht gewinnen: In einer niveauarmen Partie profitieren die „Geißböcke“ von einem Eigentor der Gastgeber, bringen den knappen Vorsprung aber aufgrund eines eigenen Missgeschicks nicht über die Ziellinie.

Foto: imago images/Kirchner-Media

In einer niveauarmen Begegnung trennten sich Werder Bremen und der 1. FC Köln am Freitagabend unentschieden 1:1. Dabei schien diesmal das Spielglück mit den Kölnern im Bunde zu sein. Zum ersten Mal in der laufenden Saison gingen sie mit 1:0 in Führung. Bezeichnend, dass ein Eigentor des Bremers Moisander vonnöten war, der bei seinem Abwehrversuch in der 68. Spielminute Ondrej Dudas Freistoßflanke mit der Schuhspitze ins rechte Eck des Bremer Tors bugsierte.

Wieder einmal ein Elfmeter gegen den FC

Wer nun glaubte, dass dieser Treffer dem Team von Markus Gisdol eine breitere Brust verleihen würde, sah sich getäuscht. Stattdessen verkrochen sich die FC-Spielers noch mehr in der eigenen Hälfte und stellten das Spiel nach vorne fast gänzlich ein. In der 81. Spielminute kam es dann so, wie es kommen musste: Der Bremer Chong flankte von links, Sebastiaan Bornauw verschätzte sich und ließ zu, dass der Ball an seinem ausgestreckten linken Arm abprallte – Elfmeter. Wieder einmal. Bittencourt trat an, der für den verletzten Timo Horn eingewechselte Torwart Ron-Robert Zieler flog ins falsche Eck – 1:1.

Dimitrios Limnios im Zweikampf mit dem Bremer Christian Groß | Foto: Martin Rose/Getty Images

Der Wechsel im Kölner Tor war eine der wenigen erwähnenswerten Szenen des Spiels. Horn hatte sich im Luftkampf eine Verletzung an der rechten Hüfte zugezogen und musste in der 40. Spielminute durch Zieler ersetzt werden. Der Kölner Keeper sah eine Partie, die sicherlich zu den ereignisärmsten der laufenden Saison zählte. Der FC stand tief, kam aber vorne zu keiner wirklichen Torchance, die Bremer liefen recht uninspiriert an und vermochten das Tor der „Geißböcke“ lediglich drei- oder viermal in 90 Minuten ernsthaft in Gefahr zu bringen: Das war’s.

Mangelnde Konzentration kostet zwei Punkte

Spielerisch war die Partie auf Kölner Seite ein deutlicher Rückschritt zu den Partien in Stuttgart und gegen die Bayern. Salih Özcan mühte sich als alleiniger Sechser, konnte dem Offensivspiel seiner Mannschaft jedoch kaum Impulse geben. Ondrej Duda fiel eigentlich nur bei seinen Standards auf, weder Ismail Jakobs noch Dimitrios Limnios konnten sich auf ihrer jeweiligen Außenbahn entscheidend durchsetzen. Die Folge war, dass Sebastian Andersson als einzige Sturmspitze – wieder einmal – in der Luft hing.

Hinzu kamen eklatante Konzentrationsschwächen, die man längst überwunden glaubte. Bereits nach 45 Sekunden sorgte Marius Wolf mit einer viel zu kurzen Rückgabe auf Timo Horn für erhöhten Puls auf der Kölner Trainerbank. Mit Bornauw scheint es selbst eine der wenigen Stützen im Kölner Team schwer zu fallen, seinen Fokus auf das Spielgeschehen über die gesamten 90 Minuten auf dem notwendigen Niveau zu halten.

Ondrej Duda und Marco Friedl im Kampf um den Ball Foto: imago images/Kirchner-Media

Die Mienen der Kölner Verantwortlichen nach dem Spiel sagten alles: Enttäuschung herrschte vor, denn die Serie der sieglosen Spiele in Bremen sollte in Bremen beendet werden, egal wie. Dass es dazu nicht kam, lag an der mangelnden Durchschlagskraft im Spiel nach vorne und einem unverzeihlichen Moment fehlender Aufmerksamkeit in der Defensive. Es wurde dunkel über dem Weserstadion, drei Punkte aus sieben Spielen, 17 Spiele ohne Sieg. Deprimierende Zahlen. Zahlen, die Anlass sein könnten für erste Spuren von Endzeitstimmung beim 1. FC Köln?

Stimmen zum Spiel

Markus Gisdol ärgerte sich über den späten Ausgleich: „Mit Ball hat man sicherlich schon bessere Spiele von uns gesehen. Wir wollten dem Gegner heute mehr den Ball geben, weil wir festgestellt hatten, dass Bremen damit Schwierigkeiten hat. Wir gehen 1:0 in Führung, waren dann aber zu passiv und haben den Ausgleich bekommen. Ärgerlich, dass er wieder aus einer Elfmetersituation entstand, aber letztlich müssen wir mit dem Punkt leben.“

„Wenn Du erst zwei Punkte aus sechs Spielen hast, hast Du nicht das größte Selbstvertrauen. Wenn Du dann wieder so einen Elfmeter bekommst, macht das auch wieder etwas mit der Mannschaft.“

Rafael Czichos sprach das mangelnde Selbstvertrauen seiner Mannschaft an: „Unser Matchplan ist bis zum Elfmeter gut aufgegangen. In den verbleibenden zehn Minuten war es dann wackelig. Wenn Du erst zwei Punkte aus sechs Spielen hast, hast Du nicht das größte Selbstvertrauen. Wenn Du dann wieder so einen Elfmeter bekommst, macht das auch wieder etwas mit der Mannschaft. Aber wir haben uns in alles reingeworfen und zumindest noch den einen Punkt mitgenommen.“

Marius Wolf ging auf die knifflige Szene nach 45 Sekunden ein: „Ich dachte in der ersten Minute, dass der Torwart schreit. Dann habe ich gemerkt, dass es nicht Timo war. Zum Glück ist da nichts passiert. Wir können Sebastiaan keinen Vorwurf machen, sondern müssen uns insgesamt einfach cleverer anstellen und das Ding über die Zeit bringen. Ich hoffe, dass wir das nächste Spiel mal ohne Elfmeter überstehen und endlich gewinnen.“

Kann gegen Union der Bock umgestoßen werden?

Die Bundesliga geht nun in die Länderspielpause. Bis auf Sebastian Andersson werden die Kölner Nationalspieler wieder durch die Welt reisen, in Risikogebiete, wo Ansteckungen mit dem Coronavirus drohen. Die Kölner Verantwortlichen werden hoffen, dass alle diese Tortur unbeschadet überstehen.

Am Sonntag in 14 Tagen steht das Heimspiel gegen Union Berlin an. Allzu viel Hoffnung können die Kölner nicht aus der Partie in Bremen beziehen. Neben den spielerischen Defiziten treten mentale Probleme einer Mannschaft immer deutlicher zu Tage, die kaum mehr weiß, wie es sich anfühlt, einen Sieg und drei Punkte einzufahren. Ob ein solches Erfolgserlebnis ausgerechnet gegen die „Eisernen“ aus Berlin gelingen wird, erscheint zweifelhaft. Zumal angesichts der gestrigen Leistung.

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