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Analyse

1:6 bei Werder Bremen: Schande und Schaden für den 1. FC Köln

Beim 1:6 in Bremen zeigt sich der 1. FC Köln einmal mehr von seiner schwachen Seite. Das Debakel der „Geißböcke“ an der Weser zum Abschluss der Bundesliga-Saison sollte ein Weckruf für die kommende Spielzeit sein.

BREMEN, GERMANY - JUNE 27: Yuya Osako (C) of Werder Bremen celebrates his team's fifth goal during the Bundesliga match between SV Werder Bremen and 1. FC Koeln at Wohninvest Weserstadion on June 27, 2020 in Bremen, Germany. (Photo by Oliver Hardt/Getty Images)
Foto: Oliver Hardt/Getty Images

Lange nicht mehr gesehen hat der Verein derweil einen Erfolg in der Bundesliga: Anfang März siegten die „Geißböcke“ in Paderborn, es folgte das Geister-Derby in Mönchengladbach, die Corona-Pause und neun weitere sieglose Partien seit der Fortsetzung des Spielbetriebs. Lediglich Schalke 04, das mit Kollektivversagen Richtung Saisonende taumelte, holte nach dem Re-Start der Bundesliga weniger Punkte als der 1. FC Köln. Und auch wenn natürlich externe Faktoren eine Rolle gespielt haben: Ständig nur auf die fehlende Unterstützung durch die eigenen Fans zu verweisen, die Unterbrechung als Störelement zu benennen und dem einstigen Lauf zu Beginn des Jahres hinterher zu trauern, greift deutlich zu kurz.

Schlichtweg muss festgehalten werden, dass es dieser Mannschaft an der notwendigen Qualität fehlt, um es auch nur ein wenig schleifen zu lassen. Dass der FC in der Lauftabelle abgeschlagen an letzter Stelle gelandet ist, hat nicht ausschließlich mit individuellen Einstellungsproblemen zu tun, sondern ist ebenso Ausdruck an fehlenden Fähigkeiten. Das gilt gleichfalls im spielerischen Bereich, wo der FC großen Nachholbedarf in der Spieleröffnung offenbarte. Gerade nach der Corona-Pause schien der Gisdol-Code, sofern vorhanden, entschlüsselt zu sein. Die Hilflosigkeit der Kölner auf dem Weg nach vorne war geradezu grotesk – genauso wie die Tatsache, dass es die Mannschaft dennoch schafft, seit 20 Spielen am Stück immer ein Tor zu erzielen. Dass dies dennoch nicht reicht, um Bundesliga-Tauglichkeit nachzuweisen, liegt vor allem daran, dass den „Geißböcken“ die punktebringende Kompaktheit abgeht.

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Auf der Torwartposition muss etwas geschehen

Die Unsicherheit in der Defensive (24 Gegentore nach dem Re-Start, schlechtester Wert der Bundesliga) ist besonders am Schlussmann abzulesen: Timo Horn, wahrlich in dieser Saison nicht in Bestform unterwegs, sah in Bremen abermals bei einem Gegentor nicht gut aus – die Slapstickeinlage beim 0:2 dürfte nicht nur in Düsseldorf für Stirnrunzeln gesorgt haben. Es ist der negative Höhepunkt einer schwachen Spielzeit für den FC-Torwart, dessen Formkurve seit geraumer Zeit nach unten zeigt. Mit Ausnahme des Auswärtsspiels in Augsburg, als Horn den „Geißböcken“ trotz dilettantisch verschuldetem Elfmeter einen Punkt festhielt, ist von den einstigen Nationalmannschaftsambitionen des Kölner Keepers nichts mehr zu sehen. Im Gegenteil: Das FC-Eigengewächs zählt beispielsweise bei den Fangquoten genauso zu den schwächsten Bundesliga-Torhütern wie bei den oft herangezogenen kicker-Noten.

BREMEN, GERMANY - JUNE 27: Timo Horn of 1. FC Koeln looks dejected during the Bundesliga match between SV Werder Bremen and 1. FC Koeln at Wohninvest Weserstadion on June 27, 2020 in Bremen, Germany. (Photo by Oliver Hardt/Getty Images)

Foto: Oliver Hardt/Getty Images

Konkurrenz braucht der 27-Jährige derzeit nicht zu fürchten: Hinter ihm war Thomas Kessler als die ewige Nummer zwei beim FC unterwegs, dazu kommen mit Julian Krahl und Brady Scott zwei hochveranlagte Talente zwischen den Pfosten. Ein Zustand, der dem mittlerweile sogar bei den eigenen Fans umstrittenen Schlussmann offensichtlich nicht gut tut, wenn das Leistungsprinzip herangezogen wird. Gedankenspiele, einen gestandenen Torwart hinter Horn zu holen, um diesem Druck zu machen, verwarfen die „Geißböcke“ in der jüngeren Vergangenheit. Dass sich diese Planungen angesichts der leeren Kassen am Geißbockheim und den dringender zu bearbeitenden Baustellen ändern werden, ist fraglich. Angebracht wäre es allerdings!

The trend is not your friend!

Angebracht ist auch eine kritische Aufarbeitung dieser Saison, in der der FC zwar sein Saisonziel erreicht hat, aber eben auch über weite Strecke kein Bundesliga-Niveau zeigte. Marco Högers Ansage kann als erstes Indiz gewertet werden, dass die Mannschaft das offensichtlich ähnlich sieht. Denn: Der Abwärtstrend der „Geißböcke“ ist erschreckend und wirft Zweifel auf, was die kommende Spielzeit anbetrifft. Auf allen Positionen hat die Gisdol-Elf individuell wie mannschaftlich Nachholbedarf. Eine Verstärkung des Kaders durch externe Neuzugänge scheint aufgrund der finanziellen Situation des Vereins nicht sonderlich realistisch zu sein, so dass der Club mit den vorhandenen Bordmitteln zurecht kommen muss. Optimistisch stimmt einen das nach den Leistungen in den vergangenen Wochen nicht.

„Wir wollten eigentlich noch einmal etwas Euphorie entfachen. Jetzt geht trotz Klassenerhalts keiner mit einem guten Gefühl in die Sommerpause.“

„Wir müssen jetzt analysieren, an welchen Stellschrauben wir drehen müssen. Unterm Strich steht: Wir haben die Klasse gehalten. Das darf aber nicht Anlass sein, mit allem zufrieden zu sein. Jetzt müssen wir die notwendigen Dinge analysieren“, gibt FC-Coach Markus Gisdol, dessen Vertrag wohl um zwei weitere Jahre bis 2023 verlängert wird, die Marschroute vor. Die Lehren, die daraus resultieren, werden ebenso entscheidend sein für eine positive sportliche Entwicklung wie die Umsetzung dieser Erkenntnisse. Das Schlusswort, das wohl allen Kölner Anhängern aus der Seele spricht, hat dann wohl wieder Marco Höger, der nach dem 1:6 sagte „Wir wollten eigentlich noch einmal etwas Euphorie entfachen. Jetzt geht trotz Klassenerhalts keiner mit einem guten Gefühl in die Sommerpause.“

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