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Analyse

1:6 bei Werder Bremen: Schande und Schaden für den 1. FC Köln

Beim 1:6 in Bremen zeigt sich der 1. FC Köln einmal mehr von seiner schwachen Seite. Das Debakel der „Geißböcke“ an der Weser zum Abschluss der Bundesliga-Saison sollte ein Weckruf für die kommende Spielzeit sein.

BREMEN, GERMANY - JUNE 27: Yuya Osako (C) of Werder Bremen celebrates his team's fifth goal during the Bundesliga match between SV Werder Bremen and 1. FC Koeln at Wohninvest Weserstadion on June 27, 2020 in Bremen, Germany. (Photo by Oliver Hardt/Getty Images)
Foto: Oliver Hardt/Getty Images

Allzu deutlich war die Niederlage des 1. FC Köln bei Werder Bremen. Allzu deutlich wurde offensichtlich, wie wenig Motivation, Einstellung und Ehrgefühl die Mannschaft mit dem Geißbock auf der Brust bei dem 1:6-Debakel auf den Platz bringen konnte. Deutlich wurde danach allerdings im Grunde nur einer: Marco Höger. „Es war scheiße, was wir hier abgerufen haben. Das tut mir leid, auch für die Fans“, sprach der FC-Routinier nach der Partie unumwunden Klartext in die Kamera und brachte danach das Problem auf den Punkt. „Wir wissen, dass wir nur eine gute Phase in der Saison hatten. Zu Beginn und am Ende der Saison war das zu wenig. Nur ein gutes Drittel einer Saison wird nächstes Jahr nicht reichen, um in der Bundesliga zu bleiben.“

Wehrlos hatten sich die „Geißböcke“ spätestens nach dem 0:1 der Situation ergeben, die sie eigentlich vermeiden wollten. „Nichts vorwerfen lassen“ lautete die Devise für den abschließenden Bundesliga-Spieltag, noch einmal Vollgas geben für Fairplay im Abstiegskampf, für die eigene Seele und das eigene Portemonnaie. Nichts von diesen hehren Vorsätzen war in den 90 Minuten in Bremen zu erkennen gewesen, über weite Strecken präsentierte sich der FC wie eine lustlose Mannschaft, die für diesen Kick aus dem Urlaub geholt wurde. Wieder einmal stellten die Kölner nach Erreichen des Saisonziels das Arbeiten ein – es erinnerte frappierend an die jüngere Vergangenheit, Kaiserslautern und Co. lassen grüßen.

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Ein inakzeptabler Schaden für Image und Konto

So entstand mit der Auswärtsklatsche bei Werder ein gravierender Schaden für den 1. FC Köln. Ein Schaden, der weder für Fans noch für die Verantwortlichen zu akzeptieren ist. Um nicht falsch verstanden zu werden: Die Anwürfe, der FC habe dem rheinischen Rivalen aus Düsseldorf mit dieser Leistung absichtlich schaden wollen, sind aus der Luft gegriffen. Die zehn Spiele ohne Sieg sprechen eine deutliche Sprache, die Auftritte seit der Bundesliga-Fortsetzung eine noch deutlichere. Gelingt es dem 1. FC Köln nicht, Willen und Leidenschaft auch nur ansatzweise auf den Platz zu bringen, dann reicht es nicht für die höchste deutsche Spielklasse. So einfach ist das. So bitter ist das.

So bitter ist allerdings auch das, was mit dem 1:6 in Bremen sowie den symbolischen Szenen auf Tribüne und am Mannschaftsbus einhergeht. Finanziell hat der eh durch Misswirtschaft in den vergangenen Jahren gebeutelte Verein dank der abermals lustlosen Leistung ein heftiges Minus bei den TV-Geldern erlitten. Noch gewichtiger ist dagegen der Imageschaden, den der Verein davon trägt: Zwar darf sich insbesondere Fortuna Düsseldorf nach nur 30 Punkten in 34 Spielen gern an die eigene Nase fassen, was den Abstieg in die 2. Bundesliga anbetrifft, doch der 1. FC Köln hat sich am letzten Samstag der Saison wie ein sportlicher Absteiger präsentiert. Es sollte jedem am Geißbockheim klar sein: Das, was in Bremen geleistet wurde, ist eine Schande für den FC und diesem Verein unwürdig.

Der 1. FC Köln hat ein Mentalitätsproblem

Doch es zeigte sich bei der deutlichen 1:6-Klatsche ein Thema, das schon seit längerem bei den „Geißböcken“ schwelt. Der Verein hat ein massives Mentalitätsproblem, das auch in Högers Aussagen durchklang. Wieder einmal schafft es die Mannschaft nicht, die Spannung über weite Strecken der Saison hochzuhalten. Als hätte der Verein die Spieler in Kurzarbeit geschickt – und nicht die eigenen Mitarbeiter auf der Geschäftsstelle. Für den Klassenerhalt reichten praktisch die Teilnahme am Spielbetrieb zwischen Mitte Dezember und Mitte März. Schon beim Aufstieg präsentierte sich der hohe Ligafavorit nur teilweise in ordentlicher Verfassung, in der Abstiegssaison war ein falsch trainiertes Team nur kurzzeitig nach der Winterpause ernsthaft konkurrenzfähig.

„Wir haben unser Ziel erreicht. Darum wird es von mir keine große Schelte geben.“

Doch das scheint die Wohlfühlatmosphäre im Kölner Grüngürtel nicht nachhaltig zu erschüttern. FC-Präsident Werner Wolf zeigte sich im Gespräch mit Radio Köln zufrieden mit den Leistungen in dieser Saison. In Schulnoten ausgedrückt könne man von einem voll Befriedigend sprechen. „Ich glaube, am 08.12.2019 hätte keiner auch nur einen Cent auf uns gewettet. Wir haben dann insgesamt ganz gut reagiert und Glück gehabt, aber auch Können gezeigt“, so Wolf. Ähnliches ließ schon Gisdol nach der Bremen-Blamage verlauten: „Wir haben unser Ziel erreicht. Darum wird es von mir heute keine große Schelte geben“, sagte der FC-Coach und verwies wohl im Hinblick auf den tragischen Tod von Jonas Hectors Bruder auf die schwierige Woche vor dem abschließenden Spiel. Im Vorfeld der Partie sprach Gisdol noch von einer „befreiten“ Mannschaft – er habe im Training Dinge gesehen, die er lange nicht mehr gesehen hätte.

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