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Analyse

1:0-Erfolg gegen Osnabrück: Der 1. FC Köln erfüllt die Pflichtaufgabe im Pokal unspektakulär

Ohne wirklich zu glänzen zieht der 1. FC Köln gegen den Zweitligisten aus Osnabrück in die nächste Pokalrunde ein. Trotz des verdienten Sieges bleibt eine der wesentlichen Baustellen offenkundig.

Foto: Thilo Schmuelgen - Pool/Getty Images)

Ganze zwei Tage konnte sich der 1. FC Köln nach dem Punktgewinn in Leipzig erholen, bevor in der zweiten Runde des DFB-Pokals das Heimspiel gegen den Zweitligisten aus Osnabrück auf dem Programm stand. Regeneration und Pflege dürften die Hauptinhalte gewesen sein für die Mannschaft von Trainer Markus Gisdol, die am Wochenende gegen den Champions-League-Teilnehmer sehr eng gestaffelt verteidigte, wenig Umschaltgelegenheiten zuließ und im Notfall immer noch auf Timo Horns Paraden zurückgreifen konnte. Dass das Pokalspiel eine gänzlich andere Aufgabenstellung bereithalten würde, war von vornherein klar – dementsprechend zäh gestaltete sich auch die Partie gegen den aktuellen Tabellenneunten der 2. Bundesliga.

Gisdol griff im Vergleich zur Bundesligapartie vor wenigen Tagen auf drei neue Spieler zurück und veränderte damit auch die Dynamik der Startelf: Mit Anthony Modeste setzte er auf einen Zielspieler in der Spitze, auf den Außen schenkte er Ismail Jakobs und Dimitrios Limnios das Vertrauen. Das Mittelfeldzentrum bestand aus Ellyes Skhiri, dem tiefen Sechser im 4-1-4-1, sowie Salih Özcan und Ondrej Duda auf den Achterpositionen. Damit reagierte er auch auf den zu erwartenden Kontrast in der fußballerischen Herangehensweise beider Mannschaften: Während der FC am Freitag selbst noch weitestgehend auf Offensivbemühungen verzichtete, taten es die Osnabrücker den Kölnern nun gleich. In einem 5-2-1-2-System mit zwei Anläufern und einem Zehner wollte VfL-Trainer Marco Grote den Kölner Spielaufbau spiegeln.

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Ereignislose erste 30 Minuten

Und das gelang: Etienne Amenyido beschattete Skhiri, Sebastian Kerk und Christian Santos liefen die Innenverteidiger aus Köln (Meré und Bornauw) an. In einer solchen Konstellation hängt viel an der Raumbesetzung in den Halbräumen, genauer gesagt auf der sogenannten Acht. Duda und Özcan taten ihr Möglichstes, um im Spielaufbau immer wieder zu unterstützen, beide schafften es aber zu selten, durch ihr Bewegungsverhalten Räume zu öffnen und Kombinationen einzuleiten. Es klappte auch nur ganz selten, im Spiel über den dritten Mann (ergo nach einem vertikalen Ball) und Ablagen das Spiel nach vorne zu verlagern.

Foto: Frederic Scheidemann/Getty Images

Meist blieb im Aufbau nur der Pass auf einen Außenverteidiger, doch gerade zu Beginn der Partie agierten Marius Wolf rechts und Noah Katterbach links ohne das nötige Tempo. Auch das Bewegungsverhalten von Limnios war hier meistens hinderlich, weil er zu wenig Breite und Tiefe brachte und damit die Arbeit für Osnabrück eigentlich eher erleichterte. Es war schwierig für den FC, gerade in den ersten 30 Minuten, über die erste Pressinglinie zu kommen – und das gegen einen Zweitligisten. Das Fazit der ersten 30 Minuten: Der FC hatte zwei Drittel Ballbesitz, allerdings wenig Struktur und Passqualität.

Skhiris Bewegung leitet die Führung für den 1. FC Köln ein

Mit zunehmender Spieldauer stieg bei Osnabrück die Fehlerquote, der FC agierte fortan auch mit mehr Tempo, was insbesondere Bornauw immer wieder lautstark einforderte. Wenn der FC mal mit Ball in der gegnerischen Hälfte war, fehlte die Qualität beim letzten Pass oder das Timing beim Einlaufen in die Schnittstelle. Hier verpasste Modeste durch zwei Abseitsstellungen gute Gelegenheiten. Nach etwas mehr als einer halben Stunde schenkte Osnabrück im Aufbau den Ball mehrfach unnötig her, sodass der FC mehr Dringlichkeit entwickelte. Nach einem Jakobs-Durchbruch über links entstand dann auch die bis dato größte Torchance, als Skhiri einen Wolf-Schuss an die Latte lenkte.

Gerade Wolf steigerte sich im Laufe der Partie, weil er immer wieder von seiner Rechtsverteidiger-Position aus mit diagonalen Dribblings in die Mitte startete. Seinen Vorstoß nach 35 Minuten konnte Özcan aber nicht veredeln, der Mittelfeldspieler verpasste den Abschluss. Mehr oder weniger aus dem Nichts hatte der FC zwei Chancen kreiert. Ein Faktor dabei waren auch immer wieder Tiefenläufe von Skhiri aus dem Mittelfeld, der häufig für Verwirrung und damit temporäre Überzahl in der Kölner Offensive sorgte. Der Tunesier war dann auch der Ausgangspunkt des späteren Siegtreffers: Im Mittelfeld ließ er in einer für Osnabrück eigentlich ordentlichen Pressingsituation zwei Spieler durch eine Körpertäuschung aussteigen, bevor er den Ball vertikal zu Ondrej Duda spielte. Dieser hatte ein wenig Platz und Raum vor sich, um einen Schnittstellenpass auf Modeste zu spielen – der Franzose überwand VfL-Keeper Kühn im Eins-gegen-Eins (45.+1).

Übergang ins Offensivspiel: Die größte Baustelle für den 1. FC Köln

Mit dem Führungstreffer war die Hauptaufgabe erfüllt, denn der FC konnte nun Osnabrück mehr kommen lassen und darauf hoffen, den entstehenden Raum für weitere Offensivaktionen zu nutzen. Dementsprechend gestaltete sich dann auch die zweite Halbzeit: Der FC hatte nach wie vor mehr Ballbesitz, Osnabrück wechselte nach und nach und brachte mehr Offensivkräfte – allerdings ohne zu wirklich klaren Torchancen zu kommen. Amenyidos gute Bewegung mündete in einem von Meré geblocktem Schuss (59.), nach 83 Minuten musste Thielmann bei einem Konter retten.

Ansonsten wurde die Kölner Defensive aber nicht vor Probleme gestellt – beim FC blieb allerdings mit Ball am Fuß auch vieles Stückwerk, sodass kein zweiter Treffer mehr fiel. Die „Geißböcke“ sorgten mit ihrer Leistung jetzt nicht wirklich für Begeisterung im Rheinland, setzten sich aber verdient durch – und wissen nach wie vor, an welchen Baustellen sie zu arbeiten haben. Das betrifft in erster Linie den Übergang vom eigenen Aufbauspiel in die Offensive. Gegen bessere Mannschaften als Osnabrück, ohne dem Zweitligisten zu nahe treten zu wollen, dürften die Probleme auch deutlicher werden.

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