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Analyse

2:1 des 1. FC Köln beim SC Freiburg: Energieleistung der Überzeugungstäter

Beim Last-Minute-Sieg in Freiburg zeigt der 1. FC Köln, dass er bis zum Schluss an sich glaubt. Der erste Erfolg der Saison ist für die „Geißböcke“ nicht nur tabellarisch wichtig.

FREIBURG IM BREISGAU, GERMANY - AUGUST 31: Brandon Borrello of Sport-Club Freiburg is challenged by Louis Schaub of 1. FC Koln during the Bundesliga match between Sport-Club Freiburg and 1. FC Koeln at Schwarzwald-Stadion on August 31, 2019 in Freiburg im Breisgau, Germany. (Photo by Simon Hofmann/Bongarts/Getty Images)
Foto: Simon Hofmann/Bongarts/Getty Images

Das führte dazu, dass die Partie zwischenzeitlich wenig ansehnlich und ziemlich wild wirkte, da das Hauptaugenmerk beider Teams vermehrt auf der Eroberung der zweiten Bälle lag. Insbesondere die Beierlorzer-Elf setzte im eigenen Spielaufbau darauf, den Ball schnellstmöglich in die für die eigene Mannschaft eher ungefährlicheren, dafür aber für den Gegner unangenehmeren Räume zu bringen. Gerade gegen das laufintensive Spiel der Breisgauer in vorderster Front war dies ein probates Mittel, um den Druck von der Abwehr fernzuhalten und durch Ballgewinne tief in der gegnerischen Hälfte gefährliche Situationen zu erzeugen. Das Motto dieser Begegnung: Wer im Kampf um den zweiten Ball die Oberhand gewinnt, der kontrolliert auch das Geschehen!

In der Offensive viel Luft nach oben

Das gelang dem effzeh öfters erstaunlich gut: Gegen die eigentlich recht druckresistenten Freiburger gelang es den Gästen mehrfach, frühe Ballgewinne zu provozieren und sich somit Räume im Umschaltspiel zu sichern. Dabei wurde allerdings eine Schwäche offensichtlich, die schon in den ersten beiden Partien aufgefallen war: So gut die „Geißböcke“ in dieser Phase der Saison bereits gegen den Ball arbeiten und mit großer Laufbereitschaft den Kontrahenten unter Druck setzen können, so schwach werden diese vielversprechenden Situationen, bei denen die gegnerische Abwehr unsortiert daherkommt, dann zumeist ausgespielt. Aus der Hektik der anderen konnte aufgrund der eigenen Hektik kein Kapital geschlagen werden.

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So war der Ball häufig schneller wieder weg, als es den Kölnern lieb sein konnte. Das sorgte sowohl in Freiburg als auch in dieser Saison nicht nur dafür, dass sich die Beierlorzer-Elf für ihren hohen Aufwand zu selten mit ordentlichen Angriffen belohnte, sondern sorgte vor allem auch dafür, dass die Gastgeber immer wieder ins Spiel zurückfanden, obwohl sie den Faden eigentlich schon verloren hatten. Gerade bei den hohen Temperaturen musste der effzeh durch die Vielzahl an unnötigen Ballverlusten weite Wege gehen und kraftraubend gegen den Ball arbeiten. Um auf Dauer Spiele wie im Schwarzwald-Stadion für sich entscheiden zu können, müssen die „Geißböcke“ im Umschaltspiel sauberer arbeiten.

Glücksgriffe auf der Sechs

Dass die Mannschaft das Zeug dazu hat, deutete sie auch beim Auswärtssieg in Freiburg immer wieder an. Vor allem im Mittelfeldzentrum konnte der effzeh abermals überzeugen, die einstige Schwachstelle der Kölner ist durch die Verpflichtung von Matchwinner Ellyes Skhiri und seinem belgischen Nebenmann Birger Verstraete auf dem besten Wege, zum Prunkstück des Bundesliga-Aufsteigers zu avancieren. Dabei ergänzen sich die beiden Sechser vor der effzeh-Abwehr in ihren Qualitäten hervorragend: Verstraete ist der dynamische Staubsauger, der im Zweikampf ganz bewusst dahingeht, wo es weh tut. Skhiri dagegen ist der Mann für die weiten Wege, war in Freiburg wieder der lauffreudigste Akteur.

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Auch spielerisch passt das Duo auf dem Weg nach vorne hervorragend zusammen: Der Tunesier überzeugt neben seinen läuferischen Fähigkeiten mit seinem Passspiel und seiner Spielintelligenz, beim Neuzugang vom KAA Gent sind es dagegen neben seiner körperlichen Präsenz und dem unbändigen Einsatzwillen die Standards, die Verstraete zu einem extrem wertvollen Part in der Mannschaft machen. Das bedeutet allerdings auch, dass ein Führungsspieler wie Marco Höger, in der vergangenen Spielzeit noch gesetzt, derzeit hinten anstehen muss – von Ergänzungsspielern wie Vincent Koziello oder Niklas Hauptmann ganz zu schweigen. Aber auch das spricht für den neuen 1. FC Köln in dieser Saison: Die Kaderbreite lässt solche Optionen immer noch zu.

Ein schmaler Grat beim 1. FC Köln

Dennoch: Trotz der Glücksgefühle, die der Last-Minute-Treffer in uns allen ausgelöst hat, sind erst drei Punkte auf dem Kölner Konto. Das Spiel in Freiburg hat abermals gezeigt, dass nahezu jedes Spiel in der Bundesliga eine verdammt enge Kiste werden wird, wo kleinste Nuancen den Ausschlag zur einen oder zur anderen Seite geben können. Es wird auch in Zukunft auf viele Faktoren ankommen, ob der 1. FC Köln erfolgreich spielen wird. Nicht alle kann er selbst beeinflussen, viele davon allerdings schon. Vor allem in der Schlussphase stand die Partie im Schwarzwald-Stadion auf Messers Schneide – besonders die Druckphase der Freiburger von der 75. bis zur 80. Minute hätten das Spiel auch in die andere Richtung kippen lassen können.

„Dieser Sieg war außerordentlich wichtig. Er hilft einfach für die Überzeugung, dass unsere Art und Weise, Fußball zu spielen, richtig ist.“

Auffällig dabei: Wie schon gegen Dortmund schien die Mannschaft im Breisgauer Glutofen kräftemäßig im Reservebereich zu laufen. Auch wenn die Laufwerte nicht allzu weit auseinanderlagen an diesem Samstagnachmittag: Die Phase zu Beginn der Schlussviertelstunde ist ein Fingerzeig, dass beim effzeh auch viel über den Willen gehen muss. Wie das funktioniert, zeigte das Team in der zweiten Halbzeit über weite Strecken. „Wie die Jungs an ihre Chance geglaubt haben, hat mich beeindruckt“, war auch Achim Beierlorzer von der Willensleistung seiner Schützlinge angetan und schloss mit einem zufriedenen Fazit nach seinem ersten Sieg als Bundesliga-Trainer: „Dieser Sieg war außerordentlich wichtig. Er hilft einfach für die Überzeugung, dass unsere Art und Weise, Fußball zu spielen, richtig ist.“

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