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Meinung

Wie der Videobeweis in der Bundesliga jegliche Freude am Spiel tötet

Der Videobeweis macht das Spiel weder gerechter noch transparenter. Als Fan im Stadion fühlt man sich den Emotionen beraubt, zum Beispiel dann, wenn ein Tor nach gefühlten fünf Minuten zurückgenommen wird – ein Kommentar.

Foto: INA FASSBENDER/AFP/Getty Images

Liebe Bundesliga,

ich wende mich heute mit einem Anliegen an dich, was mir seit längerem auf der Seele liegt. Ehrlich gesagt schon seit 2017. In der letzten Saison konnte ich es gut verdrängen, doch jetzt ist es wieder da. Diese Gefühlsleere. Selbst wenn meine Mannschaft ein Tor schießt.

Liebe Bundesliga, ich spreche vom Videobeweis. Die Technik, die doch Fehlentscheidungen minimieren soll und den Schiedsrichtern auf dem Feld eine Hilfe sein soll. Das Spiel sollte gerechter werden. Nun, liebe Bundesliga. Gut gemeint ist leider so oft das Gegenteil von gut gemacht. So, wie der Videobeweis gehandhabt wird, funktioniert er nicht. Denn mit der Einführung wurden die strittigen Entscheidungen weder weniger noch transparent gehandhabt.

Was ich aber absolut gar nicht vertrage, ist das, was der Videobeweis mit einem laufenden Spiel und mit den Fans macht: Wenn meine Mannschaft ein Tor schießt, der Spieler in die Kurve gelaufen kommt und alle feiern.  Und ich dann kollektivem Freudentaumel wieder meinen Blick auf die Anzeigetafel richte und das unsägliche „Video Assist“-Zeichen sehe. Das ist grausam und nimmt mir jegliche Freude. Die Freude am Spiel, für die ich tausende Kilometer mit meiner Mannschaft quer durch die Republik reise.

Keine Freude über Tore mehr

Das führt dazu, dass ich bei jedem folgenden Tor meiner Mannschaft an diesem Nachmittag mich konsequenterweise gar nicht mehr freue, sondern nur noch auf den Schiedsrichter oder die Anzeigetafel starre. Ich traue mich nicht, meine Freunde zu umarmen oder zu feiern. Ich warte fünf Minuten ab, ob das Tor auch wirklich zählt. Wenn ich mir sicher sein kann, dass es gegeben wurde, geht das Spiel weiter. Wollt ihr das?

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Was ich möchte: Freidrehen, rumspringen, einschlagen, umarmen, schreien, singen. Wenn mein Nebenmann vor lauter Emotionen den Zaun hochklettert und in den Seilen hängt, dann tut er das eben. Wenn meine Nebenfrau ihr Bier über mich verschüttet, dann ist das eben eine Bierdusche. Wenn die Reihe vor mir im Freudentaumel umfällt, auch gut. Das alles sind die Emotionen, die ich im Stadion haben möchte, die ich fühlen möchte. Wofür ich zum Fußballspiel fahre.

„Ihr macht unseren Sport kaputt“

Ihr brüstet euch so oft mit den Fans, die besonders mitgehen und mitfühlen. Ihr macht uns zu eurem Aushängeschild, feiernde Kurven, perfekte Stimmung. Ihr vermarktet uns und doch nehmt ihr uns das, was uns ausmacht. Schämt euch! Wenn alle Fans im Stadion „Ihr macht unseren Sport kaputt“ singen, dann haben sie Recht. Denn mit dem „VAR“ macht ihr genau das: unseren Sport kaputt.

Ich kann mich gut mit einer Fehlentscheidung, die mit schlechter Sicht des Schiedsrichters begründet wird, abfinden, auch wenn sie mal zu unserem Nachteil stattfindet. Genau diese strittigen Szenen, über die man noch tagelang mit Freunden oder Kollegen diskutiert, sind doch das Salz in der Suppe. Aber aktuell zerstört die Auslegung Emotionen und macht den Spaß am Spiel kaputt.

Gezeichnet,
ein treuer Fan

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