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Die Saison des 1. FC Köln (2): Auf die Skepsis folgt ein Zwischensprint

Saisonrückblick, Teil 2: Der Entlassung von Beierlorzer und Veh folgte die Installation von Gisdol und Heldt, nach einigen Startschwierigkeiten startete der 1. FC Köln eine Siegesserie und durfte sich durchaus weiter nach oben in der Tabelle orientieren.

Foto: Jörg Schüler/Bongarts/Getty Images

Der 1. FC Köln startete in einer sportlich schwierigen Ausgangssituation in den Herbst: Nach der Niederlage gegen die TSG Hoffenheim und der Trennung von Achim Beierlorzer und Armin Veh lag der FC mit sieben Punkten auf Tabellenplatz 17. Die Installation des neuen sportlichen Führungsduos, bestehend aus Horst Heldt als Geschäftsführer Sport und Markus Gisdol als Trainer, folgte auf einen Prozess, in dem sich der Vorstand mit den geeigneten Kandidaten auseinandersetzte – und sich am Ende zufrieden zeigte.

„Wir haben uns Zeit genommen, eine neue sportliche Führung zu finden. Das systematische Vorgehen ist belohnt worden“, befand Präsident Werner Wolf in der Pressekonferenz zur Vorstellung des neuen Duos. Die Personalauswahl stieß allerdings nicht überall auf Gegenliebe: Weite Teile der Öffentlichkeit zeigten sich kritisch und verwiesen auf die bisherige Vita von Heldt und Gisdol. Der frühere Hamburger Trainer schien in der Hansestadt verbrannte Erde hinterlassen zu haben und war monatelang ohne Job geblieben, der frühere Kölner Profi Heldt wurde vom Gemeinsamen Ausschuss des 1. FC Köln erst abgelehnt und dann wenige Tage später doch auserwählt.

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Alexander Wehrle war es also mit ein wenig Verspätung doch noch gelungen, seinen Wunschkollegen ans Geißbockheim zu holen. Heldt betonte, dass er beim 1. FC Köln eine Gemeinschaft schaffen und erfolgreicher Fußball spielen wolle – genauer hatte er sich mit den vorliegenden Strukturen und Problemen wohl nicht auseinandergesetzt. Gisdol immerhin präsentierte sich einigermaßen gut vorbereitet und erklärte: „Ich kenne die Situation, zu einem Verein zu kommen, wo es nicht so gut läuft. Es ist wichtig, Ruhe reinzubringen und das Team zu entwickeln, um aus dieser Situation rauszukommen. Ich bin sehr glücklich, dass ich ausgewählt wurde, um die Situation hier zu meistern. Wir müssen jetzt gewissenhaft und grundlegend arbeiten in vielen Bereichen.“

Vor dem 1. FC Köln lag im Herbst jede Menge Arbeit

Wie viel Arbeit vor ihm liegen würde, wurde ihm beim ersten Auftritt seiner Amtszeit in Leipzig gewahr, als sein Team mit 1:4 verlor. Mit einer sehr defensiven Ausrichtung versuchte der 1. FC Köln, der hohen Qualität des Champions-League-Teilnehmers Herr zu werden, scheiterte aber letztlich an eigenen Unzulänglichkeiten. Gisdols Plan, zuerst die Abwehr zu stabilisieren, wurde auf jeden Fall deutlich – die Frage hingegen, wie denn der FC vorne Tore schießen möchte, konnte dieses Spiel noch nicht beantworten.

Im nächsten Spiel, dieses Mal zuhause gegen den FC Augsburg, sah es nicht viel besser aus: Der FC präsentierte sich hektisch, aber immerhin engagiert. Der eingewechselte Jhon Cordoba belohnte die Bemühungen mit dem späten Ausgleich, sodass immerhin ein Punkt zu Buche stand. Das kleine Pflänzchen der Hoffnung auf nachhaltig bessere Leistungen zertrat die Mannschaft allerdings nur eine Woche später schon wieder. Ein in allen Belangen desaströser Auftritt mündete in einer verdienten 0:2-Niederlage bei Union Berlin, der 1. FC Köln war nach 14 Spieltagen auf den letzten Tabellenplatz gerutscht.

BENIDORM, SPAIN - JANUARY 08: (BILD ZEITUNG OUT) head coach Markus Gisdol of 1. FC Koeln and CEO Sport Horst Heldt of 1. FC Koeln laughs during the 1. FC Koeln winter training camp on January 8, 2020 in Benidorm, Spain. (Photo by TF-Images/Getty Images)

Foto: TF-Images/Getty Images

„Es muss Klick machen im Kopf – bei jedem Einzelnen“, forderte Geschäftsführer Heldt. „Wir müssen uns immer wieder aufs Neue an Kleinigkeiten hochziehen und gegenseitig unterstützen. Wir müssen die Basis legen – und die Basis ist, alles zu tun.“ Fest stand: Der 1. FC Köln würde eine Siegesserie brauchen, um sich so schnell wie möglich aus dem Abstiegskampf zu befreien. Anfang Dezember bestand dazu wenig Hoffnung – doch es sollte tatsächlich so kommen.

Dem Heimsieg gegen Leverkusen folgt eine Serie

Den Anfang machte ein Heimspiel gegen Leverkusen, in dem der FC sich auf Augenhöhe präsentierte und in der zweiten Halbzeit das Spielglück auf seine Seite zog. Cordoba und Sebastiaan Bornauw trafen zum Erfolg. Erstmals zeige sich auch der neue Jugendstil beim 1. FC Köln: Mit Noah Katterbach, Jan Thielmann und Ismail Jakobs standen drei Eigengewächse von Beginn an auf dem Feld. Der erste Sieg seit zwei Monaten half dabei, den wie immer nervösen Verein zu beruhigen – denn auch im Präsidium gab es erste Risse.

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Vizepräsident Dr. Jürgen Sieger kündigte nach nicht einmal 100 Tagen seinen Rückzug an. Er war bis dato eine treibende Kraft darin gewesen, den 1. FC Köln für die Zukunft besser aufzustellen, sein Rücktritt ein Rückschlag. Das im September gewählte neue Team war bereits beschädigt. Wenig später kündigte der Vorsitzende des Mitgliederrats, Stefan Müller-Römer, an, dass sich der FC aus seinem Engagement in China zurückziehen werde. Er erklärte, dass der 1. FC Köln eine „totalitäre und brutale Diktatur“ nicht unterstützen solle. In einem Statement begründete Werner Wolf den Ausstieg mit der sportlichen Situation und dem Mangel an personellen Konsequenzen, der deutlichen Ansage von Müller-Römer folgte dann ein Einschreiten der DFL, die ihre wirtschaftlichen Interessen gefährdet sah.

Auch auf dieser Ebene hatte der FC also mit hausgemachten Problemen zu kämpfen. Sportlich sah der Spielplan kurz nach dem Heimsieg gegen Leverkusen und vor Weihnachten eine Englische Woche vor, die den 1. FC Köln wochentags nach Frankfurt führte. Dort lag das Team von Markus Gisdol bereits mit 0:2 zurück, ehe eine Aufholjagd doch noch einen 4:2-Erfolg und damit auch endlich mal wieder positive Emotionen brachte. Zum Jahresausklang empfingen die „Geißböcke“ dann Werder Bremen und sahen sich erstmals seit langem wieder der Situation konfrontiert, auf ein formschwächeres Team mit eigenen Problemen zu treffen.

Das Highlight: Ein 5:0-Auswärtssieg in Berlin

Mit etwas mehr Ballbesitz als sonst rang sich der FC zu einem 1:0-Erfolg, den wie so oft der starke Cordoba sicherstellte. Die Englische Woche hatte der Bundesliga-Aufsteiger somit mit der idealen Ausbeute von neun Punkten beendet, die auch den Sprung auf Rang 15 ermöglichten. Das Jahr 2019 fand also einen halbwegs versöhnlichen Abschluss. Die Wintervorbereitung startete der FC dann mit den beiden Neuzugängen auf Leihbasis: Aus Wolfsburg kam Elvis Rexhbecaj, aus Schalke Mark Uth. Zu ihnen gesellte sich später noch Toni Leistner, der aus England von den Queens Park Rangers ausgeliehen wurde. Louis Schaub (per Leihe zum Hamburger SV) und Darko Churlinov (VfB Stuttgart) gingen in die 2. Bundesliga.

Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Images

Das Auftaktspiel der Rückrunde dominierte wieder einmal der Kolumbianer Cordoba, der mit einem Doppelpack den FC auf die Siegerstraße brachte. Durch einen weiteren Sieg gegen eine Mannschaft mit großer Qualität hatte das Team von Markus Gisdol einen weiteren Charaktertest bestanden und den Aufwärtstrend bestätigt. Allerdings folgten auch hohe Niederlagen gegen die Topteams aus Dortmund (1:5) und München (1:4), bei denen der FC alles andere als konkurrenzfähig war. Durch Heimsiege wie den gegen Freiburg (4:0) rehabilitierte sich die Mannschaft jedoch schnell und entfernte sich immer weiter von den Abstiegsrängen. Der zwischenzeitliche Höhepunkt dieser Phase war ein 5:0-Auswärtssieg bei Hertha BSC, der FC führte nach etwa einer halben Stunde bereits mit 3:0 und zeigte eine mehr als reife Leistung – einzig die schwere Verletzung von Rafael Czichos überschattete diesen sonst so erfolgreichen Nachmittag.

Auf die Tabelle schauen oder nicht?

Im darauffolgenden Heimspiel gegen Schalke waren es erneut die beiden Garanten Cordoba und Bornauw, die für die Führung und letztlich auch für den Sieg sorgten. Der hohe läuferische Aufwand, die Stärke nach eigenen Standardsituationen und der formstarke Kolumbianer im Sturm waren in dieser Phase die entscheidenden Faktoren für den Aufschwung in der Domstadt. Markus Gisdol konstatierte in dieser Phase: „Für mich ist wichtig, dass wir uns Woche für Woche neu einstellen auf die Gegner und versuchen, unser bestmögliches Spiel machen. Das ist bisher gut gelungen und da wollen wir auch keinen Millimeter von weggehen. Auf die Tabelle schaue ich aber nicht – und das ziehe ich auch durch.“

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Durch den Zwischensprint mit acht Siegen aus zehn Spielen war seine Mannschaft in der Tabelle nach oben geklettert, es folgte das wegen eines Sturmtiefs abgesagte Derby gegen Mönchengladbach. Zuvor gelang den „Geißböcken“ noch ein 2:1-Auswärtserfolg in Paderborn. Der FC hatte nach dem besten Rückrundenstart seit 31 Jahren jede Berechtigung dazu, auf die europäischen Ränge zu schielen. Und dann war da aber noch diese weltweite Pandemie, die bald auch auf Deutschland, die Bundesliga und den 1. FC Köln Auswirkungen haben sollte.

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