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Die Saison des 1. FC Köln (1): Unzureichend aufgestellt, aber in der richtigen Liga

In der Zweitligasaison 18/19 propagierte der Verein gerne, er sei top aufgestellt, spiele nur leider in der falschen Liga. Im ersten Saisondrittel der abgelaufenen Saison tauschte man dann beinahe alle Akteure aus und es zeigte sich schnell: Man spielte zwar mittlerweile in der richtigen Liga, top aufgestellt war man allerdings nicht.

Foto: Jörg Schüler/Bongarts/Getty Images

Den Klassenerhalt zu schaffen, ohne in ganz große Abstiegssorgen zu geraten: Die Aufgabe, welche sich der 1. FC Köln in Persona des Sportdirektors Armin Veh und des neuen Trainers Achim Beierlorzer nach dem Aufstieg in die Bundesliga gestellt hatte, war ambitioniert. Der „Betriebsunfall“ namens Abstieg war zumindest auf den ersten Blick wieder gut gemacht, die Fragezeichen den Beteuerungen zum Trotz jedoch groß. Denn Euphorie und Zuversicht suchte man im Mai 2019 nach dem letzten Spiel in der zweiten Liga zunächst selbst mit der Lupe umsonst am Grüngürtel.

Der Kader? Durchsetzt mit diversen Fragezeichen und offenkundig nur durch Heldenfußball aufgestiegen. Der Aufstiegstrainer Markus Anfang? Entpuppte sich als Fehlgriff und durfte nicht mal bis zum Ende der Saison „seine“ Mannschaft coachen. Und die Finanzen, nur zwei Jahre nach dem Einzug in den Europapokal und dem Rekordverkauf von Anthony Modeste? Nach dem Abstieg und den folgenden Investitionen schwierig. Der Verein feierte die Mannschaft nach dem Aufstieg zwar als Feuerwehrmänner, welche nach dem Abstieg aus Treue zur Stadt „durch et Füer“ der zweiten Liga gegangen seien, doch so recht wollte dieser Spin nicht in der Stadt verfangen.

Beierlorzer sorgt erst für den nötigen Optimismus, entpuppt sich jedoch als Missverständnis

Das Feuer wieder wecken, die Stadt in Euphorie versetzen und für Aufbruchstimmung am „Hennesgrün“ sorgen, dafür brauchte es im Sommer 2019 einen externen Impuls durch den neuen Trainer Achim Beierlorzer. Mit forschen Worten und jeder Menge Optimismus trat er schon bei seiner Vorstellung auf: „Wichtig ist es für die Bundesliga, die Qualität zu haben, um dort spielen zu können. Und die haben wir definitiv. Davon bin ich überzeugt“ orakelte er und brachte das Ziel und die wiederkehrende Sehnsucht des Verein auf den Punkt: „Wir wollen uns in der Bundesliga etablieren.“

Foto: Foto: Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images

Nur knapp sechs Monate später war der Franke in Köln Geschichte und coachte fortan den 1. FSV Mainz 05. Die zweite Trainerentlassung des Kalenderjahres. Und auch die Zeit von Sportdirektor Armin Veh war im Herbst 2019 abgelaufen. Der Augsburger versuchte sich nach einer langen Trainerkarriere in Köln knapp 23 Monate als Geschäftsführer Sport, trat aber trotz offensivem und öffentlichem Werbens um einen neuen Vertrag mit der Entlassung von Beierlorzer zurück. Der hinterlassene Kader war mit unausgeglichen und aufgebläht noch freundlich umschrieben, top waren höchstens die Gehälter der Bankspieler.

Personalwechsel auch im Vorstand

Und auch eine Ebene weiter oben wurde Personal ausgetauscht. Das Präsidium um Interimsvorstand Stefan Müller-Römer sowie die beiden Vizepräsidenten Markus Ritterbach und Toni Schumacher mussten auf der Mitgliederversammlung im September Platz machen für das neue Präsidium um Werner Wolf, welcher von Eckhard Sauren und Dr. Jürgen Sieger flankiert wurde.

Um jede einzelne dieser Personalentscheidungen gab es größere Diskussionen, sie waren jedoch alle gut begründet. Sie bedeuteten in der Hinrunde des Aufsteigers und Bundesligisten 1. FC Köln jedoch sehr wenig Ruhe.

Dabei war der Transfersommer 2019 eigentlich positiv verlaufen. Das Ziel der Bundesligaetablierung wurde durch die Verpflichtung von insgesamt sechs teils vielversprechenden Zugängen unterstrichen. Für die Zentrale konnte der Verein Birger Verstraete aus Genk sowie Ellyes Skhiri aus Montpellier gewinnen, aus Zwolle kam Rechtsverteidiger Kingsley Ehizibue. Als Glücksgriff entpuppte sich sehr schnell der belgische U21-Nationalspieler Sebastiaan Bornauw aus Anderlecht. Komplettiert wurde der Transfersommer durch den ablösefreien Neuzugang Kingsley Schindler aus Kiel sowie Tortwarttalent Julian Krahl aus Leipzig.

Die Achterbahn als wiederkehrendes Symbol der Saison

Nach einer abgesehen vom Wahlkampf rund um das Präsidentenamt eher ruhigen Vorbereitung startete der 1. FC Köln im August in die Pflichtspiele und zeigte dann allerdings schnell, dass der Wunsch nach einer ruhigen Etablierung und konstanten Saison komplett ohne Abstiegssorgen eher Träumerei war. Vielmehr offenbarte der Verein im ersten Pflichtspiel im Pokal in Wiesbaden wie im Brennglas direkt vieles von dem, was die Fans auch im Verlauf der weiteren Saison oft verzweifeln ließ und sich wie ein Faden durch die Saison zog.

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Gute und schlechte Phasen wechselten sich munter und mit beinahe erbarmungsloser Radikalität ab: Einer schlechten Anfangsphase folgte in Wiesbaden ein Doppelpack zur beruhigenden 2:0 Pausenführung, welche auch aufgrund eines Schnitzers von Timo Horn keinen Bestand hatte, in der Verlängerung schoss man wieder das erste Tor, musste aber in der 118. Minute das 3:3 hinnehmen, bevor Horn seinen Fehler korrigierte und mit drei parierten Elfmetern zum Pokalheld mutierte.

„Es war ein ganz eigenartiges Spiel. Wir haben in der ersten Halbzeit überhaupt keinen Zugriff bekommen, führen trotzdem 2:0. Das dürfen wir nicht mehr so aus der Hand geben. Gott sei Dank ist es gut ausgegangen“, so Flügelspieler Florian Kainz nach dem Einzug in die nächste Runde. Ein wenig abgewandelt könnte man dieses Zitat auch als Saisonfazit so stehen lassen.

Foto: Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images

Anschließend fuhr man nach Wolfsburg, verpennte die zweite Halbzeit komplett und verlor bei einem durchaus ambitionierten Bundesligisten mit 1:2. Danach folgte ein sehenswertes Freitagabend-Spiel gegen Borussia Dortmund, bei dem der FC trotz der 1:3 Niederlage beinahe schon Euphorie entfachte. Spätestens dann mit dem anschließenden Lastminute-Sieg in Freiburg und einem überragenden Skhiri war das Pokalspiel vergessen und die „Geißböcke“ in der Gefühlsachterbahn nach oben gefahren. „Die Mentalität der Mannschaft war überragend“, so FC-Trainer Beierlorzer nach dem Spiel überglücklich. Ein Satz, der in Köln danach so schnell keinem mehr über die Lippen kam.

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Denn anschließend zeichnete die Achterbahn einen steilen Abfall. Der fast schon gewohnten Enttäuschung im Derby gegen Borussia Mönchengladbach (0:1) folgte die erwartete Niederlage in München (0:4). Das anschließende 0:4 gegen die Hertha in Müngersdorf war jedoch weder gewohnt noch erwartet und sorgte im Umfeld für erste Unmutsbekundungen. „Das ist ein Rückschlag, aber wir stehen wieder auf“, so Timo Horn. Anschließend gelangen ein gutes Spiel beim 1:1 in Gelsenkirchen und ein selten gefährdetes 3:0 gegen Paderborn, der effzeh-Keeper schien recht zu behalten.

In der Englischen Woche fällt alles auseinander

Ende Oktober war der 1. FC Köln nach ein paar guten und ein paar schlechten Spielen auf Platz 15 mitten im Abstiegskampf, hatte allerdings eine Englische Woche mit drei machbaren Auswärtsspielen vor der Brust: Erst gegen den angeschlagenen Tabellenvorletzten aus Mainz, bei dem Trainer Sandro Schwarz kurz vor der Entlassung stand. Danach folgte unter der Woche die nächste Pokalrunde beim Viertligisten aus Saarbrücken, bevor man nach Düsseldorf fuhr. Beierlorzer sprach davon, „eine Serie starten zu wollen.“ Eine wegweisende Woche für den FC war es jedenfalls, die Mannschaft hätte in dieser Woche die Weichen zum Guten stellen können, stattdessen aber entgleiste der kölsche Achterbahnzug.

Foto: Lars Baron/Bongarts/Getty Images

Einer rätselhaften Leistung in Mainz, wo man nach richtig guter Anfangsphase das Fußballspielen komplett einstellte und auch dank zweifelhaftem VAR-Einsatz mit 1:3 verlor, folgte in Völklingen gegen den 1. FC Saarbrücken eine Frechheit und zum Abschluss in Düsseldorf eine beschämende Leistung und verdiente 0:2-Niederlage. Statt die Basis für eine zufriedenstellende Saison zu legen, musste wieder einmal alles hinterfragt werden. Coach Beierlorzer erhielt ein Ultimatum für das anschließende Heimspiel gegen Hoffenheim. Doch nach einer weiteren schmerzhaften 1:2-Niederlage war der Trainer nicht zu halten, Platz 17 mit sieben Punkten aus 11 Spielen und ein klarer Abwärtstrend kosteten ihm letztlich den Job.

Mit Beierlorzer verließ auch Armin Veh vorzeitig auf eigenen Wunsch den Verein, es war wieder Murmeltiertag am Geißbockheim. Mitten in der Saison Trainer und Sportdirektor neu zu besetzen – keine einfache Aufgabe. „Schwierig, aber nicht prekär“ fasste Frank Aehlig, die rechte Hand von Armin Veh und Mitverantwortlicher für die Neubesetzung der beiden Posten die Situation zusammen. Nach einigem Hin und Her, Absagen und wiederholt keiner guten Außendarstellung des Vereins verpflichteten die „Geißböcke“ letztlich mit Heldt und Gisdol ein Duo, welches bereits „auf Schalke“ zusammenarbeitete. Zunächst mit viel Skepsis konfrontiert nahmen die beiden Neuen im Herbst ihre Arbeit auf.

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