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Analyse

0:2-Niederlage des 1. FC Köln: Bei Eintracht Frankfurt fällt diesmal nichts vom Laster

Verdiente Niederlage für den 1. FC Köln gegen Eintracht Frankfurt – die Hessen zeigten dem FC deutlich die Grenzen auf. Anders als in Dortmund oder Mönchengladbach kommt der FC dieses Mal nicht zufällig zum Torerfolg.

Frankfurt's French defender Evan N'Dicka (L) heads the ball to score his team's second goal during the German first division Bundesliga football match between Eintracht Frankfurt and FC Cologne in Frankfurt am Main, western Germany, on February 14, 2021. (Photo by KAI PFAFFENBACH / POOL / AFP) / DFL REGULATIONS PROHIBIT ANY USE OF PHOTOGRAPHS AS IMAGE SEQUENCES AND/OR QUASI-VIDEO (Photo by KAI PFAFFENBACH/POOL/AFP via Getty Images)
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Auf dem harten Boden der Realität ist der 1. FC Köln mit der völlig verdienten 0:2-Niederlage bei Eintracht Frankfurt gelandet. Nach zuletzt zwei Siegen bekamen die Kölner von den „Adlern“ deutlich die Grenzen aufgezeigt. Torjäger André Silva und Evan N’Dicka erzielten in der zweiten Halbzeit die beiden Treffer für die Gastgeber, die noch weitere Gelegenheiten für einen höheren Sieg ausließen.

Der Plan von Markus Gisdol, der Kingsley Ehizibue durch Marius Wolf und Ismail Jakobs durch Jannes Horn ersetzte, sah dabei ähnlich aus wie gegen Mönchengladbach vor einer Woche: Gegen einen fußballerisch überlegenen Gegner mit Körperlichkeit (insbesondere in der eigenen Hälfte) dagegenhalten, um das Spiel unruhig zu machen und die Frankfurter nicht in die Abläufe kommen zu lassen. Das klassische „Über den Kampf ins Spiel finden“ ist schon häufiger die Maxime für den 1. FC Köln gewesen, weil eben die fußballerischen Elemente in dieser Mannschaft nicht ganz so stark zur Geltung kommen.

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Probleme beim Spielaufbau des 1. FC Köln

Hatte dies gegen zu zahme Gladbacher in der letzten Woche noch gereicht, brachte die Eintracht den FC seinerseits auch aus dem Konzept: Die Frankfurter sind durchaus dafür bekannt, auch selbst körperlich zur Sache zu gehen und keine aus ihrer Sicht unnötigen Aktionen zuzulassen. Dementsprechend entwickelte sich auch das Spiel, an dessen Ende die SGE 16 Torschüsse zu verzeichnen hatte (der FC sechs), 60 Prozent Ballbesitz und eine Passgenauigkeit von 82 Prozent (gegenüber 72 beim 1. FC Köln). Speziell in der ersten Halbzeit dominierte die Heimmannschaft das Geschehen, ohne allerdings im Sechzehner zwingend zu werden. Dafür spricht die Statistik, die für den FC lediglich neun (!) Ballkontakte im letzten Drittel auswies.

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Im Spielaufbau des Champions-League-Aspiranten schob der halblinke Innenverteidiger N’Dicka weiter nach vorne, sodass Tuta auf halbrechts und Martin Hinteregger in der Mitte für die eröffnenden Pässe verantwortlich waren. Dadurch konnte Filip Kostić auf links noch weiter nach vorne schieben, um mit seinen Tempoläufen die letzte Linie zu attackieren. Dem Spielaufbau der Kölner begegneten die Frankfurter mit drei Spielern (Silva, Daichi Kamada und Amin Younes), in der Mitte schoben dann die robusten Makoto Hasebe und Djibril Sow nach. Dem FC gelang es nur selten, mit guten öffnenden Bällen beispielsweise von Timo Horn oder Jorge Meré, die erste Angriffslinie zu überspielen. Meist blieb nur der lange Ball, der mit besten Wünschen Richtung Emmanuel Dennis gespielt wurde. Der Nigerianer hatte körperlich gegen Hinteregger und Co. einen ganz schweren Stand, verlor den Großteil der Bälle und wurde nach 72 Minuten ausgewechselt.

Durch Körperlichkeit dagegenhalten

Interessant zu beobachten waren während die Partie die beiden Frankfurter Zehner Kamada und Younes, die sich eigentlich immer zwischen die Linien fallen ließen und dort auf scharfe Vertikalpässe warteten. Durch ihre starke Technik sind beide in der Lage, diese Art von Pässen auch zu bearbeiten. Zu Beginn der Partie gelang es dem FC noch, die körperliches Dagegenhalten die wichtigen Zweikämpfe zu gewinnen, sodass die Eintracht nicht sofort gefährlich wurde, sondern eher Mittel wie Halbfeldflanken wählen musste. Ein starker Pass in die Tiefe von Younes auf Silva brachte das erste Mal größere Gefahr, die Meré und Timo Horn allerdings gemeinsam bereinigen konnten.

Nach 23 Minuten hätten dann sowohl Kamada per Kopf und Younes per Nachschuss präziser agieren müssen, sodass die Führung für die SGE früher gefallen wäre, so konnte die FC-Defensive aber erneut klären. Zielspieler André Silva zeigte sich bei den Hausherren enorm aktiv, wich auf die Flügel aus und war sowohl am Boden als auch in der Luft nur ganz schwer zu bespielen. Und auch Kostić fand auf der linken Seite immer häufiger zu Tempoläufen und Flanken. Nach 32 Minuten meldete sich der FC dann das erste Mal in der Offensive, als Salih Özcan gut auf Elvis Rexhbecaj verlagerte, dessen Fernschuss allerdings war kein Problem für Kevin Trapp.

Zweite Hälfte: Führung Frankfurt, Ausgleichschance Köln

Gisdol musste zur Pause wechseln, weil der ohnehin schon angeschlagene Ondrej Duda trotz des Einsatzes von Schmerzmitteln nicht mehr weitermachen konnte. Und als kurz nach Wiederanpfiff ein langer Ball durchrutschte, hatte Dennis auch die beste Gelegenheit für den FC bis dato: Sein Abschluss ging allerdings ins Seitenaus. Die SGE erhöhte ihrerseits den Druck, gerade Kostić auf links zog auf. Ein Tor von Silva wurde aberkannt, weil der Ball aus Sicht des Schiedsrichtergespanns bei der Flanke des Serben vorher die Torauslinie schon überschritten hatte. Wenig später fiel dann aber doch die Führung für Adi Hütters Team: Der FC verlor vorne in einer eigentlich aussichtsreichen Situation den Ball (Wolf war gut in den freien Raum gestartet, Dennis‘ Pass wurde allerdings geblockt), sodass die Frankfurter über Kostic kontern konnten.

Foto: Alex Grimm/Getty Images

Der Konter war nicht überragend ausgespielt, am Ende hatte die SGE Glück und der FC Pech, dass Erik Durms Abschluss von Kamada genau in den Lauf von Silva abgefälscht wurde, der den Ball sehenswert über Horn hinweg hob – das 1:0 nach 57 Minuten. Das Spiel wurde danach etwas offener, der FC agierte etwas höher im Feld und hatte durch Ellyes Skhiri angetrieben auch gute Pressingmomente, zum Beispiel nach 67 Minuten. Die lauten „Press!“- und „Go!“-Rufe des Tunesiers waren gut zu hören, das Anlaufen von Özcan sorgte für einen gefährlichen Diagonalball von N’Dicka, den Rexhbecaj gut abfing und direkt auf Dennis weiterleitete. Über den eingewechselten Jan Thielmann kam der Ball dann zu wieder zum Nigerianer, dessen Schuss allerdings knapp vorbeiging.

Kein „100-Prozent-Tag“ für den 1. FC Köln

Dies sollte der letzte aussichtsreiche Torabschluss des FC bleiben, der daraufhin mit Dominick Drexler und Tolu zwei Neue brachte und mit mehr Vehemenz, aber ohne wirklichen Plan agierte. Die Frankfurter machten etwa zehn Minuten vor dem Ende den Sack zu, als Almamy Touré auf rechts geschickt wurde und Jannes Horn per Grätsche zur Ecke klärte. Der FC verteidigte wie sonst auch in einer Mischung aus Raum- und Manndeckung, die allerdings gegen den einlaufenden N’Dicka wirkungslos war. Der Verteidiger setzte sich am kurzen Pfosten in Szene und erzielte per Kopf das 2:0. Danach passierte nicht mehr viel.

Es war nicht der von Markus Gisdol zuvor thematisierte „100-Prozent-Tag“, seine Mannschaft war in den entscheidenden Spielaspekten deutlich unterlegen und die Niederlage geht daher völlig in Ordnung. Die Eintracht legte wenig spektakulär, aber dennoch schonungslos offen, woran es beim FC hapert: Gegen den Ball weiß die Mannschaft, was zu tun ist. Kritisch wird es dann, wenn der FC selbst am Ball ist. Wenn in einem Spiel gegen eine bessere Mannschaft gleich zweimal was vom Laster fällt (wie jeweils in Dortmund und Mönchengladbach), kann das zu einem Sieg reichen. Ist der Gegner allerdings konzentrierter, hat der 1. FC Köln einfach keine Chance.

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