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Meinung

Statt „Durch et füer“ beim 1. FC Köln: Mehr Daniel Thioune wagen!

Der 1. FC Köln steckt wieder einmal in einer veritablen Krise. Statt auf altbekannte Gesichter zu setzen, fordert unser Gastautor mehr Mut und will den starken Nachwuchs der „Geißböcke“ stärker eingebunden sehen.

Cologne's defender Ismail Jakobs (C) and Leipzig's German defender Lukas Klostermann (R) vie for the ball during the German first division Bundesliga football match RB Leipzig v FC Cologne in Leipzig, eastern Germany, on November 23, 2019. (Photo by Odd Andersen / AFP) / RESTRICTIONS: DFL REGULATIONS PROHIBIT ANY USE OF PHOTOGRAPHS AS IMAGE SEQUENCES AND/OR QUASI-VIDEO (Photo by ODD ANDERSEN/AFP via Getty Images)
Foto: ODD ANDERSEN/AFP via Getty Images

Ein Gastbeitrag von Stefan Weigl

Der 1. FC Köln steckt in der Krise. Wieder einmal. Der Trainer wurde gewechselt, der Sportchef ebenfalls, doch die Reaktionen der etablierten Spieler wirken ebenso vertraut wie fehl am Platz. Wenn die „Geißböcke“ ein neues Kapitel einläuten wollen, ist ein grundlegender Kaderumbau unverzichtbar. Und da die Kasse nach der teuren Einkaufstour von Armin Veh im Sommer mehr als leer ist, bleibt nur ein Weg: Der Verein muss auf die Jugend setzen. Wann, wenn nicht jetzt?

Wenn man als Außenseiter nach Rezepten sucht, um sich gegen stärkere Teams zu behaupten, ist der Blick zu Mannschaften sinnvoll, denen dieser Schritt gelungen ist. Daniel Thioune, Trainer des Zweitliga-Aufsteigers VfL Osnabrück, hat in einem Interview mit der „Bild“-Zeitung einige aufschlussreiche Aspekte genannt, warum sein Team bisher die Erwartungen übertroffen hat und Teams wie den VfB Stuttgart schlagen konnte. „Die Mannschaft (…) ist wissbegierig und adaptiert die Spielidee und unsere Prinzipien unglaublich schnell. Wenn sie dann belohnt wird, wie zuletzt beim Sieg gegen Stuttgart, ist das der Lohn für harte Arbeit. Das sind alles Jungs, die meinen plakativ gemeinten Satz aus der vergangenen Saison leben: Erst liefern, dann labern…“

„Im Umfeld wurde die Erwartungshaltung vor der Saison nach oben gepusht. Damit umzugehen ist nicht einfach.“

Wenn man sich im Vergleich den Kader der Kölner anschaut, dann zeigt sich schnell, dass gerade die vermeintlichen Führungsspieler einen anderen Ansatz verfolgen. Timo Horn und Marco Höger haben in den vergangenen drei Spielzeiten nur äußerst selten Topleistungen geliefert, aber dafür regelmäßig wortreich in den Kölner Medien ihre immer gleichen Rezepte gegen einen Abschwung präsentiert, dessen Protagonisten sie längst geworden sind. Und wenn Marco Höger beispielsweise in Interviews betont, es fühle sich nicht so an, als sei das Team weniger gelaufen als 16 andere Teams der Liga und man habe ja immerhin mehr Punkte als 2017/18, dann zeigt das deutlich die Kluft zwischen Realität und Selbstbild beziehungsweise zwischen geäußerter und tatsächlicher Leistungsbereitschaft.

Die Kölner Großverdiener zeigen keine Leistung

Die Kölner liegen bei den Personalkosten laut einer kürzlich von Bremens Manager Frank Baumann veröffentlichten Übersicht bei den Personalkosten auf Platz zehn. Auch wenn sich dies auf die Europapokal-Saison 2017/18 bezieht: Gerade bei den als Leistungsträger eingeplanten Führungsspielern dürfte das Gehaltsgefüge mindestens auf dem Niveau der letzten Bundesliga-Saison sein.

https://twitter.com/medienbeer/status/1199305261489500161

Das Problem dabei: Die Großverdiener sind jedoch allesamt bisher weder Führungsspieler noch Leistungsträger. Anthony Modeste, als Torjäger vergangener Tage einer der Hoffnungsträger beim FC, zeigte bisher durchweg enttäuschende Leistungen. In der Liga, im Pokal wie auch in Testspielen. Horn und Höger wurden schon beim letzten Abstieg selten ihren selbst formulierten Ansprüchen gerecht. Ebenso wie Marcel Risse, der nach seiner Vielzahl an Verletzungen anscheinend nicht mehr an alte Leistungen anzuknüpfen vermag.

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Das lässt nur einen Schluss zu: Es ist Zeit für einen Neuanfang. Bevor der Verein mit dem gleichen überteuerten Personal dem nächsten Abstieg entgegentaumelt, sollte er den Mut haben, etwas zu ändern. Und da der Transferetat bereits im Sommer um einen zweistelligen Millionenbetrag überschritten wurde, bleibt nur der Weg, auf eigene Talente zu setzen. Und das könnte gleichzeitig ein großes Glück sein, denn wer die bisherigen Auftritte von Noah Katterbach und Ismael Jakobs verfolgt hat, der weiß, dass es mit mehr Spielzeit für den Nachwuchs wohl kaum schlechter laufen würde.

Zeit für einen Neuanfang beim 1. FC Köln

Und wenn die neue sportliche Leitung dann noch in der Lage wäre, den ebenso rätselhaften wie überflüssigen Streit mit Darko Churlinov zu beenden und ihm endlich eine Chance zu geben, wäre das auch ein Hoffnungsschimmer für die mehr als harmlose Kölner Offensive. Von weiteren Talenten ganz zu schweigen, die in U19 und U17 schon mehrfach ihre Extraklasse angedeutet haben. Warum sollte man nicht auch Spielern wie beispielsweise Jan Thielmann, Florian Wirtz oder anderen mal die Chance geben, sich zu beweisen? Anderswo haben Spieler mit 17 Jahren auch gezeigt, dass sie den Sprung schaffen können.

Foto: Lars Baron/Bongarts/Getty Images

Unbemerkt ist das offenbar auch nicht an Markus Gisdol vorbeigegangen, der unter der Woche U19-Torjäger Sebastian Müller und dessen A-Jugend-Kapitän Robert Voloder mittrainieren ließ. „Ich habe mich gefreut, als ich mitbekommen habe, dass wir im Jugendbereich viele gute Spieler haben“, erklärte der neue FC-Coach auf der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen den FC Augsburg: „Einige sind Nationalspieler. Das muss für uns in der Zukunft ein Faustpfand sein, dass wir unsere eigenen Jungs so entwickeln, dass wir in unseren Profikader immer frisches Blut bekommen. Ich werde mir immer wieder Spieler anschauen und im Training dazunehmen.“

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Viel weiter abrutschen kann der effzeh ja nicht mehr, düsterer kann es in Sachen Einsatz, Kampfgeist und Leidenschaft nicht aussehen. Es wäre nicht das erste Mal, dass ein Verein durch sportliche Krisen und leere Kassen zu seinem Glück gezwungen wird. Es wäre jedoch das erste Mal in einer solch prekären Situation, dass der effzeh den Mut beweist, diesen Weg zu gehen. Noch ist Zeit für die Wende, der Abstand zum rettenden Ufer ist nicht groß. Aber dafür müsste der effzeh sich trauen, spürbar anders zu handeln als zuletzt.

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