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Müngersdorf

Nächste Pleite beim 1:2 gegen Darmstadt: Under Pressure

Der 1. FC Köln kassiert die nächste Pleite und ist nun vier Spiele in Folge ohne Sieg. Eine mangelhafte Chancenverwertung und erneut schwere Aussetzer in der Defensive sorgen für großen Unmut auf den Rängen und noch mehr Druck aufs Team.

Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Image

Am Ende regierte der pure Frust. Aus hunderten Kehlen wurde erstmals offen und laut der Rauswurf des Entscheidungsträgers an der Seitenlinie skandiert, begleitet von gellenden Pfiffen, die nicht aufhören wollten, während sich die elf Herren in Weiß ungläubig anstarrten – die Ereignisse der vorherigen 90 Minuten noch immer nicht ganz realisiert. Timo Horn sprach im Anschluss von einer „absoluten Leere“, eine durchaus treffende Aussage des Torhüters, einem der Hauptprotagonisten einer unverständlichen 1:2-Niederlage des 1. FC Kölns gegen den SV Darmstadt 98.

Die „Geißböcke“ waren mit gehörig Druck auf dem Kessel in die Partie gegangen, auch wenn das die Tabellensituation dies für Außenstehende nicht ganz begreifen lässt.  Drei Spiele in Folge war der effzeh sieglos, vielmehr noch hatte er in diesen drei Spielen Probleme offenbart, die trotz der üppigen Punkteausbeute seit Spieltag eins bestanden und nie wirklich behoben wurden. Fehlende Balance zwischen Offensive und Defensive, Planlosigkeit bei aggressiv und hoch störenden Gegnern, mangelnde Körpersprache. All das wollte das Team von Markus Anfang im Heimspiel gegen Darmstadt beheben. Es sollte nicht gelingen.

Überraschung! Koziello ersetzt Schaub

Wer nach dem desaströsen 0:3 in Dresden auf kapitale Umwälzungen in Anfangs Startelf spekuliert hatte, sah sich beim Blick auf die drei Änderungen, die der effzeh-Cheftrainer vorgenommen hatte, eher getäuscht. Wie erwartet begann Cordoba anstelle des verletzten Modeste, während Christian Clemens den gesperrten Florian Kainz ersetzte. Die größte Überraschung war wohl die Hereinnahme von Vincent Koziello für Louis Schaub.

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Der kleine Franzose zeigte sich von Beginn an sehr präsent und war in der Mittelfeldzentrale einer der Initiatoren der druckvollen Kölner Anfangsphase. Schon nach vier Minuten prüfte Drexler mit einem Schuss von der Strafraumgrenze Darmstadts Keeper Heuer Fernandes – es sollte nicht das letzte Mal bleiben, dass der Gästetorhüter einen effzeh-Treffer verhinderte.

Grammozis mit Mourinhos Matchplan

Der „Matchplan“ auf der Gegenseite war relativ klar: Dimitrios Grammozis hatte sich vor dem Spiel wohl noch einmal Tapes von Inter Mailands Champions-League-Auftritt gegen Messis Barca 2010 angesehen – dementsprechend zogen sich die „Lilien“ von Beginn an sehr weit zurück, attackierten frühestens ab der Mittellinie und verteidigten sonst mit Mann und Maus den eigenen Strafraum, wobei sie einzelne Nadelstiche setzten.

Diese Vorgehensweise reichte aus, um den Zweitliga-Spitzenreiter vor große Probleme zu stellen. Nach guten ersten fünf Minuten biss sich der oftmals ideenlos und nicht zwingend wirkende effzeh an der Gästedeckung die Zähne aus, während die Darmstädter nach knapp zehn Minuten durch einen langen Freistoß beinahe in Führung gegangen wären. Es zeigte sich ein nicht ganz unbekanntes Bild: Anfangs Team mit gefühlt 90 Prozent Ballbesitz und 10.000 Pässen – doch ohne große Torchancen.

Clemens raus, Dursun trifft – Doppelschock nach 30 Minuten

Nach gut einer halben Stunde dann der Doppelschock aus kölscher Sicht: In der 32. Minute verletzte sich Clemens im Zweikampf mit Zeitspielkönig Fabian Holland schwer am Knie und musste ausgewechselt werden (gute Besserung, Chrille!). Für ihn kam der zuletzt gänzlich ohne Matchpraxis ausgestattete Benno Schmitz. Prompt gingen die Hessen zwei Minuten später in Führung – eine viel zu lange Flanke von Stark knallt der links völlig freie Holland blind ins Zentrum, wo Dursun am schnellsten reagiert und mit einem tollen Kopfball am chancenlosen Horn vorbei ins Netz bugsiert.

Dem mourinho’schen Spielkonzept der „Lilien“ spielte die überraschende Führung vollständig in die Karten. Darmstadt verschanzte sich weiter tief in der eigenen Hälfte, die Gastgeber fanden kaum Lösungen und kamen lediglich durch Simon Terodde kurz vor der Pause zu einer guten Chance, die der stark herauseilende Heuer Fernandes wiederum vereitelte. So bekam das Anfang-Team schon zur Pause den Unmut der 50.000 Zuschauer im Müngersdorfer Stadion zu spüren.

Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Images

Der Druck für den Tabellenführer der 2. Bundesliga war nach der Pause nicht kleiner und entsprechend begannen die „Geißböcke“ auch erst wieder ein wenig fahrig. Dann aber setzten die Hausherren zu der allseits bekannten starken Viertelstunde an, die bislang in sehr vielen Spielen gereicht hat, um zu gewinnen. Zwischen der 50. und 65. Minute schnürte der effzeh die Gäste tief im eigenen Strafraum ein und baute selbst extremen Druck auf, was insbesondere mit der Hereinnahme von Louis Schaub in der 59. Minute zusammenhing.

Flanke um Flanke, Ecke um Ecke flog in den Darmstädter Strafraum. Es war eine Phase, in der man als Fan wieder daran erinnert wurde, warum man ins Stadion geht. Für zehn Minuten schienen alle Probleme vergessen, die Anfeuerung von den Rängen wurde immer lauter, der Druck der Mannschaft immer stärker – für einen kurzen Moment schien beides in Symbiose, ehe sich alles im Ausgleichstreffer von Jhon Cordoba in der 66. Minute entlud – Kombination um den Strafraum, ehe Drexler mit einer butterweichen Flanke von rechts den Kopf des Kolumbianers findet – ein sehr emotionaler Treffer.

Horn und Heuer Fernandes – Zwischen Himmel und Hölle

Auch im Anschluss drückte der effzeh weiter auf die Führung, fand seinen Meister aber immer wieder im überragenden Gästekeeper. Danach kam in der 76. Minute das, was getreu des niemals alten Fußball-Leitsatzes „Wenn du vorne die Dinger nicht machst …“ kommen musste: Das Gegentor aus dem Nichts.

Der effzeh weiter im Angriff, doch ein langer Schlag der Darmstädter bringt die Gastgeber in höchste Bedrängnis. Höger verliert das Kopfballduell mit Dursun, der Platte mit einem Pass nach rechts auf die Reise schickt. Wie schon gegen Dresden ist die Deckung durch einen einzigen verlorenen Zweikampf völlig aufgeschmissen. Timo Horn, der sein Timing beim Rauslaufen seit etwa zehn Jahren noch immer irgendwie sucht, entschließt sich dieses Mal entgegen seiner sonstigen Gewohnheiten zu einem wenig planvollen Ausflug aus seinem Tor, Platte umrundet ihn und schiebt an Czichos vorbei ins leere Tor und somit mitten ins kölsche Herz.

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Es war ein Treffer, der so niemals hätten fallen dürfen und eine lange Fehlerkette besaß, die beim ebenfalls zunehmend in der Kritik stehenden Horn ihr Ende fand. Und es war ein Treffer mit großer Wirkung. Stimmungstechnisch war die Luft raus und auch die Mannschaft auf dem Feld schien mitgenommen. Die letzten Angriffsbemühungen verpufften oder endeten immer wieder in den Armen von Heuer Fernandes.

Anfang: „Situation nicht dramatisch schlimm“

So stand am Ende eine Niederlage, die vor ein paar Wochen wohl als unnötig, aber verkraftbar angesehen worden wäre, die in der derzeitigen Situation aber den Druck auf Markus Anfang und sein Team noch weiter erhöht. Der Cheftrainer jedenfalls wollte seinen Spielern keinen großen Vorwurf machen: „Dresden war total berechtigt, aber heute spielst du 80 oder 85 Minuten auf ein Tor und machst einfach das Tor nicht. Wir haben, glaube ich, zwei Torschüsse zugelassen und das Spiel verloren. Das passiert im Sport, aber das ist wahnsinnig bitter. Die Jungs sind total frustriert darüber und ich auch. Die Situation ist gerade schwierig. Die Gesamtsituation ist nicht dramatisch schlimm geworden, aber es nervt, wenn du solche Spiele hast.“

Nach dem Spiel zeigte sich allerdings doch, dass die Stimmung eher in Richtung „dramatisch schlimm“ geht. Dementsprechend formulierte Timo Horn auch: „Ich kann den Unmut der Fans total verstehen. Wenn man zu Hause 1:2 gegen Darmstadt verliert, mit Aufstiegsambitionen, dann ist das absolut verständlich und auch nicht unser Anspruch.“

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