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Meinung

Bundesliga-Rückkehr des 1. FC Köln: Dieser Aufstieg ist eigentlich kein Grund zur Freude

Der Aufstieg des 1. FC Köln ist perfekt, die Bundesliga hat die „Geißböcke“ nach dem Abstiegsunfall im letzten Jahr wieder. Doch der Unfallschaden ist beileibe noch längst nicht ausgestanden.

FUERTH, GERMANY - MAY 06: Players of Koeln celebrate after the Second Bundesliga match between SpVgg Greuther Fuerth and 1. FC Koeln at Sportpark Ronhof Thomas Sommer on May 06, 2019 in Fuerth, Germany. (Photo by Sebastian Widmann/Bongarts/Getty Images)
Foto: Sebastian Widmann/Bongarts/Getty Images

Am Dienstagnachmittag kehrten die Spieler des 1. FC Köln unter großem Applaus zurück. Über die von tausenden Fans gesäumten Aachener Straße zogen die Aufstiegshelden mit großem Getöse in die Stadt ein, am bunt geschmückten Geißbockheim wartete eine Heerschar an effzeh-Anhängern, um die Rückkehr in die Bundesliga gemeinsam mit den Verantwortlichen für diesen Erfolg zu begießen.

Schon am Abend zuvor hatten es alle Beteiligten mächtig krachen lassen: In Fürth wurde von zigtausend Anhängern bereits kurz vor dem eigentlichen Abpfiff der Platz gestürmt, in Köln brach nicht nur auf den Ringen der Verkehr zusammen. Das Steinauto, es hielt dem Ansturm nur unter Mühe stand. Wirklich? Nicht so richtig. Für kölsche Verhältnisse relativ reserviert nahmen der 1. FC Köln und seine Anhänger nach dem 4:0-Auswärtssieg in Fürth die Möglichkeit zur ausgelassenen Feierlichkeit wahr – kein Vergleich zur ausufernden Party vor zwei Jahren, als sich der Club erstmals nach 25 Jahren für das internationale Geschäft qualifizieren konnte.

Der Unfall namens Abstieg ist nun repariert

Marco Höger sprach aus, was viele rund um die „Geißböcke“ bereits über die gesamte Saison denken: Es war Wiedergutmachung für das, was 2017/18 in der schlechtesten Bundesliga-Saison der Vereinsgeschichte verbockt wurde. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. „Mer sin widder do“ – so betitelte es der Club selbst nach erfolgter Pflichterfüllung. Wieder da: Zum sechsten Mal nach 2000, 2003, 2005, 2008 und 2014. Auch ein Grund, weshalb der Jubel verhalten ausfiel. Aufstieg, das ist in Köln nur alle zwei Jahre, wie es mein Kollege zu twittern wusste.

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Der „Unfall“ namens Abstieg, wie ihn FC-Vizepräsident Toni Schumacher über weite Strecken zu nennen pflegte – er ist damit repariert. Also zumindest die groben Äußerlichkeiten oder die Karosserie, um im Bild zu bleiben. Denn die „Geißböcke“ haben es trotz etlicher Probleme in einer eigentlich nicht sonderlich schwierigen Liga geschafft, den Erwartungen halbwegs gerecht zu werden.

Nicht ohne so manche Panne, nicht ohne so manche Schramme im Lack, nicht ohne Erhöhung der Versicherungsprämie. Aber zum Abschluss des 32. Spieltags die Rückkehr in die höchste deutsche Spielklasse perfekt zu machen und gleichzeitig auch die „Radkappe“ für die Zweitliga-Meisterschaft bereits einzufahren: Das war der Anspruch, den der Verein vor der Saison selbstbewusst nach außen trug – und den löste er ein. Über das Wie muss allerdings gesprochen werden.

Platte Reifen, Zylinderkopfdichtung kaputt: Der Rennwagen 1. FC Köln

Nicht immer wirkte es, als sei der hochgezüchtete Formel-1-Bolide 1. FC Köln gegen all die Ford Fiestas der 2. Bundesliga auch tatsächlich das schnellere Gefährt. Die durchaus vorhandenen PS, sie wollten mitunter nicht so auf die Straße, wie sich das alle Beteiligten vorgestellt hatten. Manchmal schien es, als sei der Fahrer zwischendurch einfach eingeschlafen. Manchmal, als wäre statt Super E10 eher Capri Sonne getankt worden. Und manchmal beschlich einen das Gefühl, die Reifen wären platt und die Zylinderkopfdichtung hinüber.

Dennoch: Der 1. FC Köln fuhr frühzeitig vor den Konkurrenten ins Ziel. Mehr war nicht verlangt worden. Oder doch? Denn es ging, das war zumindest die Ankündigung, um mehr als lediglich den Unfallschaden mühselig und oberflächlich zu reparieren, um unter anderem den Verdacht der Fahrerflucht auszuräumen. Es ging vor allem darum, ein nachhaltig funktionierendes Gefährt auf die Straße zu bringen, das im nächsten Jahr auch durch den TÜV kommt.

Foto: Sebastian Widmann/Bongarts/Getty Images

Den Eindruck erweckte der 1. FC Köln in dieser Saison nun wahrlich nicht. In der Werkstatt legten die Verantwortlichen offensichtlich mehr Wert darauf, dass der Unfallwagen nach außen wieder tiptop aussieht. Neuer Fahrer, ein paar schicke Felgen: Das sollte doch reichen, um gerüstet zu sein für die holprigen Straßen in der Provinz. Tat es aber nicht, weil die Elektronik weiter herumspinnt, die Lenkung immer noch hakt und die Bremsbeläge komplett heruntergefahren sind.

Die nächste Aufgabe: Arbeiten, um den TÜV 2020 zu schaffen

Und die Unfallbeteiligten, die keine Fahrerflucht begehen wollten – sie waren sich nicht immer eins, wohin es denn jetzt gehen soll, wer nun welche Reparaturen vornehmen soll und ob sie überhaupt eine entsprechende Schuld an dem Unheil der Vergangenheit trifft. Wichtig war: Unfall ausbügeln und weiter am Steuer bleiben. Und wenn man um die MPU irgendwie herumkommen könnte, wäre das auch nicht so schlecht.

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Genau deshalb ist vielen Fans nach dem Aufstieg auch nicht zu feiern zumute: Die Sorge, der nächste Unfall könnte um die Ecke folgen, ist entsprechend groß. Das Gefährt namens 1. FC Köln ist nämlich nur einer kurzen Inspektion unterzogen worden, die anstehenden Arbeiten müssen allerdings noch erledigt werden. Es muss jemand gesucht werden, der das Ding in der näheren Zukunft halbwegs unfallfrei durch die Straßen mänovriert. Und Kräfte, die den Wagen wieder flottmachen. Die das richtige Werkzeug ihr Eigen nennen. Und die richtigen Personen und die richtigen Ersatzteile besorgen können.

Denn es heißt rund um das Geißbockheim, dass das Geld knapp sei, um sich im Sommer zugleich um neue Bremsbeläge, die Reparatur der Lenkung und dem Wiederauffrischen des Innenraums zu kümmern. Vielleicht sollte deshalb die Party doch auf den Zeitpunkt verschoben werden, wenn der 1. FC Köln im kommenden Jahr durch den TÜV gekommen ist.

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