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Müngersdorf

2:3-Pokalblamage in Saarbrücken: Die Schlafwandler des 1. FC Köln

Beim Regionalligisten 1. FC Saarbrücken scheidet der 1. FC Köln blamabel aus dem DFB-Pokal aus. Gegen den Außenseiter offenbaren sich bei den „Geißböcken“ große Schwächen.

SAARBRUECKEN, GERMANY - OCTOBER 29: Dominick Drexler of 1. FC Koeln is challenged by Fanol Perdedaj of 1 FC. Saarbruecken during the DFB Cup second round match between 1. FC Saarbruecken and 1. FC Koeln at Ludwigspark Stadion on October 29, 2019 in Saarbruecken, Germany. (Photo by Alex Grimm/Bongarts/Getty Images)
Foto: Alex Grimm/Bongarts/Getty Images

„Bye bye Colonia“ – so schallte es zur Melodie von „Viva Colonia“ aus den Boxen im Völklinger Hermann-Neuberger-Stadion, als die Sensation in der 2. Runde des DFB-Pokals perfekt war. Mit 3:2 hatte der 1. FC Saarbrücken, seines Zeichens Regionalligist, den vermeintlichen Favoriten 1. FC Köln niedergerungen – trotz verspieltem 2:0-Vorsprung schlug der Außenseiter kurz vor Abpfiff noch einmal zu und brachte die verdiente Blamage für den Bundesliga-Aufsteiger über die Ziellinie. „Maßlos enttäuscht“: Das war dagegen die Kernaussage, die Achim Beierlorzer nach der Partie vermittelte. Maßlos enttäuscht sei er von der Leistung seiner Mannschaft, für die er nach einem schauerlichen Auftritt im Völklinger Hermann-Neuberger-Stadion „kein Verständnis“ übrig hatte.

Das Verständnis, es ist allerdings auch allmählich für den glück- und ratlos wirkenden Coach aufgebraucht. Sechs Wechsel hatte Beierlorzer für den Pokalfight beim Tabellenführer der Regionalliga Südwest vollzogen. Benno Schmitz verteidigte hinten rechts, Jorge Meré bekam im Abwehrzentrum ebenso eine Bewährungschance wie Marcel Risse auf dem offensiven Flügel. Dominick Drexler rückte zudem zurück in die Startelf der Kölner, die im Angriff mit dem Doppelsturm bestehend aus Anthony Modeste und Jhon Cordoba begannen. Um es kurz zu machen: Keine dieser Personalien fruchtete an diesem aus effzeh-Sicht traurigen Dienstagabend, keiner der Spieler konnte Argumente für weitere Einsätze sammeln.

Ein beispiellos pomadiger Auftritt des 1. FC Köln

Dass die „Geißböcke“ es in Völklingen mit einem Außenseiter der aufmüpfigen Art zu tun bekommen würden, sollte den Kölnern bereits vor der Partie klar gewesen sein. Da das offensichtlich nicht der Fall gewesen ist, setzte Jurcher schon nach wenigen gespielten Sekunden ein erstes Warnsignal. Aufwachen sollten die Beierlorzer-Schützlinge davon allerdings nicht: In der Defensive alles andere als sattelfest, im Spiel nach vorne ohne Tempo, ohne Ideen, ohne Struktur. Ein beispiellos pomadiger Auftritt einer Mannschaft, die nach der Niederlage in Mainz geschworen hatte, Wiedergutmachung zu betreiben. Dass sie zur Pause nicht zurücklagen, hatten sie einer starken Parade von Schlussmann Timo Horn und der Abschlussschwäche der leidenschaftlich auftrumpfenden Saarbrücker zu verdanken.

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Das änderte sich jedoch prompt nach dem Seitenwechsel: Der effzeh wollte mit Louis Schaub (für Modeste) spielerische Akzente setzen, doch zunächst spielte weiterhin nur der Gastgeber – und das endlich erfolgreich. Saarbrückens Abwehrchef Christopher Schorch, wie FCS-Coach Dirk Lottner ein ehemaliger Kölner, köpfte einen Freistoß im Strafraum zur umjubelten Führung für den Außenseiter ein, der direkt nachlegen konnte. Mustergültig konterte der Regionalligist den Favoriten aus, Gillian Jurcher enteilte der effzeh-Defensive und umkurvte vor dem souveränen Abschluss zum 2:0 Horn mit Leichtigkeit. Ekstase bei den Heimfans im Hermann-Neuberger-Stadion, Schockstarre bei allen Kölnern. Gefahr vor dem gegnerischen Tor? Bis dato Fehlanzeige beim Bundesligisten, der an diesem Abend alles vermissen ließ.

Hector und Terodde bringen den FC nur kurz in die Spur

Wie einfach es hätte gehen können, zeigte die Phase ab der 70. Minute. Nach Katterbachs klugem Pass in den Strafraum vollendete effzeh-Kapitän Jonas Hector mit einem überlegtem Abschluss zum Anschlusstreffer. Die Beierlorzer-Schützlinge drückten den Außenseiter, dessen Kräfte nun sichtlich nachließen, in deren Hälfte und belohnte sich für mehr Offensivgeist: Simon Terodde, nach dem 1:2 eingewechselt, wurde nach einem Saarbrücker Ballverlust von Cordoba in Szene gesetzt und traf trocken zum aus Kölner Sicht unverdienten Ausgleich. Der Regionalligist wankte durch die Schlussminuten, setzte allerdings noch den Schlusspunkt eines von ihm packend geführten Pokalfights: Nach einem Ballgewinn in der effzeh-Hälfte schaltete der FCS schnell um und brachte Tobias Jänicke am rechten Strafraumeck in Stellung. Der Offensivmann fasste sich ein Herz und traf die Kölner ins selbige. 3:2 Saarbrücken – die Sensation war perfekt.

SAARBRUECKEN, GERMANY - OCTOBER 29: Tobias Janicke of 1 FC. Saarbruecken celebrates after scoring his team's third goal during the DFB Cup second round match between 1. FC Saarbruecken and 1. FC Koeln at Ludwigspark Stadion on October 29, 2019 in Saarbruecken, Germany. (Photo by Alex Grimm/Bongarts/Getty Images)

Foto: Alex Grimm/Bongarts/Getty Images

Es war der traurige Tiefpunkt einer über weite Strecken unterirdisch absolvierten Pokalpartie des 1. FC Köln. Die Chance auf das Erreichen des Achtelfinales, auf Zusatzeinnahmen und Zusatzprestige, die Hoffnung auf einen möglichen Lauf in diesem Wettbewerb: Zunichte gemacht durch eine lustlose, lethargische Leistung, die niemand verdient hat, dessen Herz für die „Geißböcke“ schlägt. Fußballerisch, taktisch, läuferisch, kämpferisch – alles, was die Beierlorzer-Elf an diesem trostlosen Dienstagabend auf den Rasen brachte, hatte mit Bundesliga-Anspruch nichts zu tun. Ungenügend – in allen Belangen. Es schmerzt, aber nach einer solchen Leistung ist klar, dass sich einiges verändern muss, will der Verein nicht dem siebten Abstieg seiner Geschichte entgegentaumeln. Die bisher in dieser Saison gezeigten Leistungen machen einem für das anstehende Derby in Düsseldorf am Wochenende wenig Hoffnung.

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