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Ob bei Facebook, Twitter oder Instagram: Geht es um den 1. FC Köln, gibt es abwertende Fan-Kommentare in Richtung Konstantin Rausch. Das ist einfach nur peinlich. 

Egal, wo es derzeit um den 1. FC Köln geht: In den sozialen Netzwerken finden sich bei so gut wie allen Beiträgen, in denen man sich auch nur im Entferntesten mit den „Geißböcken“ beschäftigt, hämische, abwertende und beleidigende Kommentare gegenüber eines einzelnen Spielers des schwer abgestürzten kölschen Traditionsclubs: Konstantin Rausch. Gelegentlich wird auch FC-Kapitän Matthias Lehmann das Opfer der beißenden Social-Polemik. Doch im Fokus dieses in die Länge gezogenen Shitstorms steht der kölsche Linksverteidiger.

Der Grund dafür ist vermutlich profan: Während die restlichen Kölner Profis ihre Fehler und Schwächen großzügig auf alle Aspekte ihres Spiels verteilt haben, sticht bei dem deutsch-russischen Außenverteidiger ein Manko nahezu penetrant ins Auge. Und tatsächlich: Rauschs Flanken können bei geneigten Fußballliebhabern zu regelmäßigen Facepalm-Momenten führen. In verlässlicher Regelmäßigkeit zimmert Rausch das Spielgerät vom linken Flügel irgendwohin – nur zum Mitspieler halt so gut wie nie. Mal landet der Ball deutlich im Toraus, mal schwächlich in den Füßen der gegnerischen Verteidigung oder verkümmert als Fingerübung in den Händen des Torhüters.

Diese Beschreibung passt allerdings – traurig, aber wahr – zu so gut wie allen Kölner Flanken, nicht nur zu denen von Rausch. Klar ist aber natürlich auch: Der 27-Jährige bleibt in dieser Spielzeit, wie viele seiner Kollegen, unter seinen Möglichkeiten. Beim Statistik-Dienstleister „whoscored.com“ liegt Rausch mit seiner durchschnittlichen Bewertung von 6,58 Punkten dementsprechend auf dem zwölften Rang – und damit durchaus beträchtlich schlechter als die FC-internen Spitzenreiter Maroh (7,24) und Özcan (7,07).

Bessere Werte als Hector und Lehmann

Dennoch kommt der Linksverteidiger noch auf bessere Werte als zum Beispiel der zu Saisonbeginn formschwache Nationalspieler Jonas Hector (6,56) oder Kapitän Lehmann (6,44). Und auch der junge Konkurrent Tim Handwerker muss sich zumindest statistisch betrachtet mit einem Wert von 6,38 geschlagen geben. Schenkt man den Zahlen Glauben, gibt es also keinen guten Grund für das übermäßig schlechte Standing des Verteidigers. Aber ja: Ratings wie das von „whoscored.com“ sind immer so eine Sache – sie können hilfreiche Gradmesser sein, individuelle Fehler bilden sie aber meistens eben so schlecht ab wie die weicheren Faktoren Mentalität, Disziplin und Körpersprache. Auch wenn sich Rausch durchaus ein paar Patzer ankreiden lassen muss, steht der oft gescholtene Linksverteidiger im Vergleich mit manchem Kollegen bei den letztgenannten Faktoren aber recht gut da.

Foto: Dean Mouhtaropoulos/Bongarts/Getty Images

Der russische Nationalspieler ist ein Spieler vom Typ „Duracell-Häschen“ – der 27-Jährige rennt fleißig das komplette Spiel über seine linke Seite herauf und herunter, gibt dabei nie auf und wirft immer alles rein, was er hat. Das reicht an schwächeren Tagen zwar auch nicht für eine wesentlich bessere Leistung als bei anderen Spielern. Dennoch zeigt Rausch eine Arbeitsmoral, die phasenweise nicht unbedingt bei jedem Kölner Spieler ersichtlich war – diesen Aspekt vermisst man in den meisten Betrachtungen. Genau diese Spielweise ist es aber wahrscheinlich auch, die Rausch zum idealen Bashing-Opfer gemacht hat: Denn auch in Sachen Flanken lässt sich der Ex-Hannoveraner kaum beirren und probiert es auch nach schlechten Versuchen beharrlich immer wieder. Bleiben die Flanken dann aber trotzdem konstant schlecht, nervt das natürlich.

Rausch-Flanke als Sinnbild der Katastrophe

So wurde aus der misslungenen Rausch-Flanke schnell das Sinnbild des Kölner Absturzes. Dabei wird freilich genauso ignoriert, dass Flanken aus vollem Lauf, wie Rausch sie regelmäßig probiert, nicht zu den einfachsten Aufgaben im Fußball gehören und der Rest des Kölner Kaders ebenfalls so seine Probleme damit hat, wie positive Aktionen des Kölner Verteidigers – zum Beispiel die Rettungstat in letzter Minute gegen Bremen. Außerdem geht es eben auch darum, bei Flanken das Zentrum zu besetzen – als nachhaltiger Torjäger konnte sich beim 1. FC Köln in dieser Saison allerdings niemand ins Schaufenster stellen. Manchmal fehlen Rausch also auch einfach nur geeignete Anspielstationen.

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Der Fan-Frust ergießt sich trotzdem vor allen in sozialen Netzwerken über dem 27-Jährigen. Dass Inhalt und Ton der Kommentare meist einfach nur noch zum Weglaufen sind, wird erfahrene Internetnutzer an dieser Stelle nicht mehr überraschen. Weniger peinlich wird das erbärmliche Bashing des aktuellen Lieblingsopfers dadurch allerdings nicht.

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4 Kommentare

  1. Volle Zustimmung zum Kommentar! Was teilweise gegen Rausch geäußert wird, hat nichts mehr mit Kritik zu tun, sondern mit Hexenverfolgung. Da aber speziell die „sozialen Netzwerke“ angesprochen wurden, muss man fairerweise auch sagen, dass den Pöblern bereits dort durch viel Gegenwind die virtuelle Hasskappe vom leeren Kopf geblasen wird – insofern dies überhaupt möglich ist.

  2. Danke für diesen Beitrag.
    Ich verstehe bis heute nicht, wie man als „Fan“ so dermaßen auf einem Spieler des eigenen Clubs rumhacken kann.

  3. Ja, das wurde höchste Zeit! Es ist erbärmlich, auf welch widerwärtige Weise auf einen Spieler des FC „eingedroschen“ wird. Wenn man liest, dass FC-Fans ihm aus der Anonymität des Internets heraus schwere Verletzungen wünschen (!), kann einem nur schlecht werden.

  4. Danke für’s Geraderücken – war überfällig. Rausch wirkt oft unglücklich (: Flanken), aber der der Einsatz stimmt. Die Leistung insgesamt ist keinen Deut schlechter, als das, was der Rest abliefert, und der Mann RENNT und bleibt immer im Rahmen seiner Möglichkeiten (: ja, Kompliment!) … Ein Arbeiter, aber einer der Besseren, also bitte keine Anwürfe im Kontext dieses surrealen, grausamen, ausnahmslos alle betreffenden Alptraums …. gut kommentiert