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Meinung

Wöchentlich im Boulevard: Warum Bosbach und Co. jetzt schon unwählbar sind

Seit Wochen biedert sich Wolfgang Bosbach dem Mitgliederrat als Präsidenten-Kandidat an – das Mittel der Wahl? Die „BILD“-Zeitung. Mit diesem Verhalten ist der CDU-Mann jetzt schon aus dem Rennen – genau wie die Vizepräsidenten.

Foto: Sascha Steinbach/Getty Images

Es ist schon verblüffend, mit welcher Penetranz man in den letzten Wochen von einem CDU-Politiker in der Presse liest und hört, der offenbar gerne der nächste Präsident des 1. FC Köln werden möchte. Während der für die Nominierung eines Vorstandsteams zuständige Mitgliederrat noch eisern schweigt, zeigt Wolfgang Bosbach mit seinem Verhalten bereits, bevor klar ist, ob er überhaupt auf konventionellem Wege antreten darf, warum er nicht antreten sollte.

Der 1. FC Köln befindet sich trotz Tabellenführung in der 2. Bundesliga in unruhigen Gewässern. Nicht nur, dass man sich am Wochenende kurzerhand von Cheftrainer Markus Anfang getrennt hat, sondern auch die eher bescheidene Stimmung der Anhänger des traditionsgemäß eigentlich überaus euphorisch begleiteten Vereins belegt das eindrucksvoll. Der katastrophale Niedergang in der Vorsaison steckt Fans wie Club noch spürbar in den Knochen. Und der Sommer droht trotz wahrscheinlichem Aufstieg in die Bundesliga durchaus brisant zu werden.

Wahlkampf beim 1. FC Köln schon eröffnet

Bei den „Geißböcken“ stehen die nächsten Vorstandswahlen auf dem Programm. Der Wahlkampf bis dahin könnte es durchaus in sich haben. Hier kommt Wolfgang Bosbach ins Spiel: Der erfahrene Talkshowgast, nebenberuflich als CDU-Politiker unterwegs, sorgt in den letzten Wochen schon früh für Diskussionen um die Wahl, die erst im September stattfinden soll. Dass die Kölner noch nicht aufgestiegen sind, scheint für Bosbach dabei ebenso nachrangig zu sein, wie erst einmal die Nominierung des Mitgliederrates abzuwarten und sich bis dahin öffentlich bedeckt zu halten. Die Presseanfragen scheinen, ganz der Politiker, doch zu verlockend zu sein.

Wolfgang Bosbach mit Tochter | Foto: Juergen Schwarz/Bongarts/Getty Images

Der 66-Jährige kann sich dabei auf jeden Fall der Unterstützung der „BILD“-Zeitung sicher sein: Das Springer-Blatt gibt sich in letzter Zeit große Mühe, mindestens einmal pro Woche einen Artikel zu verfassen, der Bosbach als die Antwort auf alle Probleme beim 1. FC Köln verkauft und den Eindruck erweckt, als käme der Mitgliederrat bei der Vorstandssuche gar nicht um diese Lichtgestalt aus dem Bergischen Land herum.

Der Politiker selbst bedient sich dabei eines billigen Tricks: Bosbach liefert der „BILD“ zuverlässig Informationen und ein paar harmlose, natürlich „demütige“ Zitate. Das Boulevardblatt erzählt dafür im Gegenzug weiter die Geschichte der bei den Kölner Fans angeblich so wahnsinnig beliebten Optimallösung, die Bosbach als Präsident darstellen könnte. Da stört offenbar auch ein Trainer-Rauswurf nicht den Ablauf des Programms.

Prominente Unterstützer für die Vizepräsidenten

Noch am Montag konnte man im einschlägigen Boulevardblatt nachlesen, dass Bosbach sich am Samstagmorgen mit der Findungskommission des Mitgliederrats getroffen habe. Natürlich warte er nun „demütig“ ab, wie das Gremium sich entscheide, erklärte der mediale Hansdampf in allen Gassen da. Die „BILD“-Autoren sorgen erneut für die nötige Einbettung: Der Mitgliederrat präferiere ein Vorstandsteam ohne Bosbach – und auch ohne Ex-Fußballer. Und es klingt fast, als wäre das per Grundgesetz verboten.

Während der Bergisch Gladbacher also ziemlich unverhohlen gemeinsame Sache mit der „BILD“-Zeitung macht, lassen es die beiden amtierenden Vizepräsidenten derzeit noch diskreter angehen. Zitate von Markus Ritterbach oder Toni Schumacher hat man seit Wochen nicht gelesen. Dennoch scheint vor allem die Torwart-Legende überhaupt nicht gewillt zu sein, eine drohende Nicht-Nominierung durch den Mitgliederrat einfach so zu akzeptieren. Die Kampfkandidatur droht – und will vorbereitet sein. Dabei setzen die Vizepräsidenten allerdings nicht nur auf das Selbstdarstellungstalent Bosbach als Präsidenten-Kandidat, sondern auch auf prominente Fürsprecher.

Ritterbach Schumacher

Toni Schumacher und Markus Ritterbach | Foto: Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images

Da kommt plötzlich der langjährige Leverkusen-Manager Reiner Calmund aus dem Busch gesprungen und fordert vom Kölner Anhang mehr Sachlichkeit – und vor allem weniger „Vorstand raus!“ Der 70-Jährige soll sich, so hört man es aus dem Umfeld des Vereins, in den letzten Wochen im Hintergrund intensiv für Schumacher und Ritterbach ins Zeug legen – warum, ist ungewiss.

Auch Geschäftsführer Veh mischt sich ein

Die plötzliche Fürsprache für den „Tünn“ von „Alt-Internationalen“ des Vereins, die Stephan Engels offenbar anführen darf, sei hier aber ebenfalls nicht unterschlagen. Und dann ist da ja auch noch ein Armin Veh, der im Interview mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ erklärt: „Die kennen sich aus, man würde nicht bei null anfangen. Toni Schumacher ist ein Idol hier, in einem Fußballverein ist es nicht schlecht, einen Fußballer im Vorstand zu haben.“ Dass der Geschäftsführer die Antwort auf just die Frage davor mit dem Verweis, sich nicht in die Vereinspolitik einmischen zu wollen, verweigert hatte – egal.

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Der Wahlkampf um die Vorstandsposten wurde von Bosbach, Schumacher und Ritterbach und ihren Buddies einseitig vor dem offiziellen Startschuss eröffnet – und dem unvollendeten Aufstieg zum Trotz. Während der potenzielle Präsidenten-Kandidat sich stets öffentlich – aber natürlich mit viel „Demut“ – beim Mitgliederrat anbiedert, hatten seine potenziellen Vizepräsidenten lange Zeit nicht einmal die Muße für ein Gespräch mit dem Gremium: Die sportlichen Ziele des Vereins seien erst einmal wichtiger, hieß es damals. Heute erscheint diese Begründung angesichts der medialen Strampelei von Bosbach und den Unterstützern von Schumacher und Ritterbach mitten in der mittlerweile wieder etwas brisanten Schlussphase der Saison wie blanker Hohn.

Die Ziele des Vereins scheinen diesem Trio dann doch nicht ganz so wichtig gewesen zu sein. Im Gegenteil: Bosbach mit seinen ständigen Indiskretionen gegenüber der „BILD“, aber auch Schumacher und Ritterbach mit ihren „Alt-Internationalen“ und „Manager-Schwergewichten“ im Schlepptau haben somit bereits vor der Rückkehr in die Bundesliga eindrucksvoll aufgezeigt, warum der Mitgliederrat alle drei besser nicht nominieren – und auch kein Mitglied sie bei einer Kampfkandidatur wählen sollte. Die persönlichen Ziele im September scheinen Bosbach, Schumacher und Ritterbach schließlich doch deutlich wichtiger zu sein als die kurzfristigen des Vereins. Gut, dass diese Einstellung bereits, bevor der Wahlkampf richtig in Fahrt kommt,  offenkundig geworden ist.

Anmerkung von Wolfgang Bosbach auf der nächsten Seite

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