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Meinung

Wirbel um Stefan Engels beim 1. FC Köln: Aufstand der „Alt-Internationalen“

Stephan Engels wirft dem Mitgliederrat via Bild und kicker vor, bewusst die Mitglieder zu belügen. Er sät Zwietracht und attackiert Stefan Müller-Römer. Doch Engels offenbart sich als der Antidemokrat, den er woanders verortet – flankiert von einer Medienkampagne zu seinen Gunsten. Ein Kommentar.

Stephan Engels arbeitete lange für den 1. FC Köln | Ronald Wittek/Bongarts/Getty Images

Es ist erstaunlich: Ausgerechnet Stephan Engels wollte beim 1. FC Köln Vizepräsident werden. Das sagt der selbst ernannte Sprecher der „Alt-Internationalen“ rund um die „Geißböcke“ zumindest dieser Tage jedem, der es hören und berichten will. Und da sei ihm, der Club-Legende, übel mitgespielt geworden, weiß der ehemalige deutsche Nationalspieler zu erzählen. Der Tenor: Böser neuer Vorstand, böser Müller-Römer, böser Mitgliederrat. Engels bekommt sich vor lauter Bild– und kicker-Interviews kaum noch ein. Der Grund? Beim 1. FC Köln will offenbar niemand Stephan Engels als neuen Vize-Präsidenten haben – ein Umstand, der kaum überrascht.

Vor ungefähr einem Jahr polterten Engels und seine „Alt-Internationalen“ – ein nicht weiter definierter Verbund ehemaliger FC-Spieler mit gutem Draht zum Boulevard – noch mit viel Verve gegen die Nominierung von Werner Wolf, Eckhard Sauren und Jürgen Sieger. Denn sie bedeutete im Umkehrschluss das Aus für Toni Schumacher als Vizepräsident des 1. FC Köln. Dass einer der ihren nicht mehr benötigt wurde, scheint die „Altinternationalen“ nachhaltig getroffen zu haben. Nun wollte ausgerechnet Engels der neue Kollege von Wolf und Sauren werden, denn nach dem frühen Rückzug Jürgen Siegers gibt es ein Amt im Präsidium zu vergeben.

Engels proklamiert in der Bild einen “FC der Fairness”

In einem Bild-Interview, das Engels angesichts der devoten Fragen genauso gut als Gastbeitrag hätte veröffentlichen können, wirft er dem Mitgliederratsvorsitzenden vor, seine Kandidatur sabotiert zu haben, „damit ich nicht auf die Idee komme, mir genügend Unterschriften zu besorgen, um am Ende auch ohne Vorschlag des Mitgliederrats kandidieren zu können.” Er, Engels, kämpfe „mit großer Unterstützung von Freunden, ehemaligen Mitspielern, aber besonders mit einer Vielzahl von empörten Mitgliedern, für einen FC der Fairness und des Gemeinschaftsgeistes an Stelle der Machtspiele und Intrigen.”

1.FC Köln U19 vs. Borussia Dortmund A Junioren Bundesliga West unterden Zuschauern Vizepräsident Carsten Wettich 02.02.2020 *** Sport 1 FC Köln U19 vs Borussia Dortmund A Juniors Bundesliga West Unterden Spectators Vice President Carsten Wettich 02 02 2020

Carsten Wettich | Foto: imago images / Herbert Bucco

Und weiter: „An den Müller-Römer-Methoden geht unser Klub kaputt und sein von nur 5 Prozent aller Mitglieder gewähltes Gremium übernimmt den FC, indem jeder, der ihm nicht passt, eingeschüchtert oder – wie bei Medienchef Tobias Kaufmann – rausgeschmissen wird. Die Art und Weise, wie der neue Vorstand installiert und andere Bewerber ausgebootet wurden, war schon dreist.” Er schließt mit einer Drohung: „Jetzt soll der nächste Posten so vergeben werden. Das muss ein Ende haben. Jetzt ist Schluss.”

Die gleiche Platte legte Engels vor zwei Wochen im KSTA auf. Damals reagierte der Mitgliederrat spitzzüngig: „Herr Engels hat die Möglichkeit, sich wie jedes andere Mitglied beim Mitgliederrat für eine Nominierung zu melden. Leider hat er trotz mehrfacher Nachfrage Terminvorschläge nicht kommentiert und auch keinen eigenen Vorschlag geliefert. Die Tür steht weiterhin offen, es ist bisher keine (Vor-)Entscheidung gefallen.” Nun ist sie zu, am Mittwochabend gab der FC bekannt, dass Carsten Wettich als Nachrücker nominiert werde.

Wer ist der Antidemokrat?

Da Engels auf das Statement des Mitgliederrats nicht einging, bleiben zwei Optionen: Entweder scheiterte seine Kandidatur an Engels’ eigener Unzulänglichkeit oder er japst nur deshalb medial nach Luft, weil er jemanden absägen will, der sich mit seinen Kumpels Overath und Schumacher angelegt hat. Dass Engels ausgerechnet die Bild auswählt, um sein Gefecht „für einen FC der Fairness und des Gemeinschaftsgeistes an Stelle der Machtspiele und Intrigen” auszurufen, mag noch zum Schmunzeln anregen. Genau wie der Umstand, dass Engels jahrelang beim FC in Lohn und Brot stand und diese Anstellungen in erster Linie den Beziehungen zu seinen Weggefährten verdankte. Oder der Tatsache, dass es offenbar nicht zu den Müller-Römer-, sondern zu den Engels-Methoden zählt, sich nicht in den Vereinsgremien, sondern in diversen Zeitungen auszusprechen und auszuheulen.

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Doch Engels offenbart noch etwas anderes, nämlich, dass er zwar die Satzung nicht kennt, aber definitiv an ihr vorbei ins Amt gehievt werden wollte. Die Frist zur Sammlung von Unterstützungsunterschriften fiel ihm nämlich offensichtlich erst ein, als sie schon abgelaufen war. Spricht das für nachdrückliches Interesse am Amt? Wohl kaum, denn der für die Nominierung zuständige Mitgliederrat ist für Engels nur das Gremium Stefan Müller-Römers, das „von nur fünf Prozent aller Mitglieder gewählte Gremium”. Der Mitgliederrat wurde allerdings nicht von fünf Prozent der Mitglieder, sondern von der Mitgliederversammlung gewählt. Sie ist das höchste Organ des Vereins, das legt die Satzung fest – genau wie das Verfahren zur Nominierung und Nachnominierung eines Vorstands. Spricht so jemand, der einen Verein mit gültiger Satzung führen will? Oder die dort fixierten Abläufe respektiert?

Engels griff den Mitgliederrat schon 2019 an

Bereits 2019 griff Engels den Mitgliederrat an. Damals war es ihm unverständlich, dass Toni Schumacher und Markus Ritterbach nicht erneut nominiert werden sollten. Mit dem Klang eines abgehängten Politikveteranen tönte er: „Ich spreche hier nicht nur für mich, sondern auch für den größten Teil der Altinternationalen des FC. Uns gefällt es nicht, wie mit den Vizepräsidenten Toni Schumacher und Markus Ritterbach umgegangen wird.” Den damaligen Vizes attestierte Engels bar jeder schon damals verfügbaren Fakten: „Beide haben sehr gute Arbeit abgeliefert und mitgeholfen, dass der Verein so gesund dasteht. Ich finde das Quartett mit beiden und den Geschäftsführern Wehrle und Veh überzeugend.” Hätte Engels nicht damit rechnen müssen, dass seine Chancen auf die Nominierung nach diesen Aussagen gering sind? Und nicht umso leidenschaftlicher mit Unterstützungsunterschriften vorsorgen müssen, um Chancen auf das Amt haben zu können?

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