Folge uns
.

Stadion

Vorspiel zu #FCBKOE: Mit Stögerismo zum Erfolg

Als ungeschlagener Tabellendritter reist der effzeh nach München. Dass der dortige Gastgeber jedoch deswegen die weiße Fahne hisst, scheint mehr als fraglich. Unser Vorspiel!

(Foto: Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images

Der Fußballgott scheint es nicht gut mit dem Rekordmeister zu meinen, da der FC Bayern innerhalb von wenigen Tagen auf zwei der konterstärksten Mannschaften Europas trifft (puh!). Nach der ersten Saisonniederlage der Münchner gegen die fußballspielende Panzerknacker-Bande des Mensch gewordenen Kettenhundes Diego Simeone starten viele Bayern-Kritiker schon wieder den Abgesang auf Carlo Ancelotti und dessen Elf, die in der Post-Guardiola-Ära offenbar ein wenig an Souveränität eingebüßt hat. Dass das Starensemble von der Säbener Straße in der Bundesliga jedoch alle fünf Spiele mehr oder weniger problemlos gewinnen konnte, scheint eher zweitrangig zu sein. Gewiss, der FC Bayern hat das Spiel gegen Atletico in einigen Aspekten schon verdient verloren, allerdings waren die Münchner gegen eine absolute europäische Topmannschaft nicht absolut chancenlos, wie einige Nachbetrachtungen in diversen Medien es vielleicht vorgaukeln mögen.

Der Dirigent: Diego Simeone (Foto: Pierre-Philippe Marcou/AFP/Getty Images)

Der Dirigent: Diego Simeone
(Foto: Pierre-Philippe Marcou/AFP/Getty Images)

Es muss dazu gesagt werden, dass ein Spiel im Vicente Calderon wohl zu den schwierigsten Aufgaben im Weltfußball gehört, da Diego Simeone, sein bärbeißiges Team und die bedingungslos supportenden Zuschauer es den Gastmannschaften eigentlich nie leichtmachen. Die beiden diszipliniert arbeitenden Viererketten, eine außergewöhnlich gute Endverteidigung (warum hat Diego Godin eigentlich noch keinen Ballon d’Or?) und zielgerichtete Konterangriffe machten unter der Woche auch den Bayern das Leben schwer. Einen ähnlichen Matchplan dürfte für Samstag auch Peter Stöger wählen, der österreichische Diego Simeone, wenn man so will.

Parallelen zwischen El Cholo und Stöger

Dabei ist nicht bekannt, ob sich Peter Stöger und Diego Simeone bereits einmal begegnet sind. Die beiden Architekten des Erfolgs ihres jeweiligen Vereins scheint mehr zu verbinden, als man auf den ersten Blick glauben mag. Beide sind ehemalige Nationalspieler ihres Landes (Peter Stöger durfte 65mal für die österreichische Nationalmanschaft auflaufen, Simeone trug 106mal das Trikot der Albiceleste) und mittlerweile prägende Figuren der Vereine, die sie 2011 (Simeone) und 2013 (Stöger) übernommen haben. Sowohl Atletico als auch der effzeh befanden sich vor den Amtsantritten der beiden Trainer in sportlich schwierigen Situationen: während Atletico trotz des Gewinns der Europa League weit davon entfernt war, eine europäische Spitzenmannschaft zu sein, fand sich der effzeh am sportlichen Abgrund der zweiten Liga wieder. Seither haben es beide Trainer geschafft, die traditionsreichen Klubs mitsamt ihrer ambitionierten und leidenschaftlichen Fanbasis wieder zu vereinen und auch sportlich zu verbessern. Die Rot-Weißen aus Madrid standen immerhin in den letzten drei Jahren zweimal im Finale der Champions League (gar nicht mal so schlecht), die Rot-Weißen aus Köln sind wieder eine ernstzunehmende Bundesligamannschaft und mittlerweile seit zehn Bundesligaspielen ungeschlagen. Dabei waren es natürlich die sportlichen Maßnahmen, die in Form von taktischer Ausrichtung, Grundordnung und Mannschaftsgedanke den Erfolg zurückbrachten. Beide Trainer haben es aber mit ihren Mitarbeitern ebenfalls verstanden, in ihren Klubs eine Philosophie entstehen zu lassen, die Mannschaft und Fans zusammenschweißt, um zusätzliche Kraft zu generieren. Simeone, dessen Spitznamen El Cholo dieser Philosophie sogar einen Namen gab (El Cholismo) erwartet von seinen Spielern Hingabe, Leidenschaft und die absolute Unterordnung von persönlichen Interessen gegenüber dem Mannschaftserfolg. Die Schönheit des Spiels ist zweitrangig, Hauptbedeutung hat das 90minütige, teils schmerzhafte Malochen. Ganz so martialisch formuliert sein Kölner Pendant Peter Stöger seine Philosophie zwar nicht, aber auch für ihn stehen die konzentrierte Defensivarbeit und Mannschaftsgedanke im Vordergrund. Auch die ruhige Art und Weise des Österreichers, das Spiel aus seiner Coaching Zone, hat mit dem passionierten Tanz-Choreographen Simeone wenig gemein, der dabei schon gerne mal genauso viele Kilometer zurücklegt wie sein Mittelfeldchef Gabi.

Auch interessant
Fortschritt ohne Spektakel

Der effzeh fährt tatsächlich nicht als Favorit nach München

Aufgrund der jüngsten Auftritte ist nicht verwunderlich, dass der effzeh erst zwei Gegentore hat und mittlerweile seit April ungeschlagen ist. Die letzte Auswärtsniederlage datiert aus dem Februar, als man beim Derby in Mönchengladbach verlor. Angesichts des guten Saisonstarts und der bisher durchaus ansprechenden Leistung sollte man den Teufel tun und schon vor dem Anpfiff am Samstag die weiße Fahne schwenken. Dennoch, und das sollte bei aller Euphorie nicht vergessen werden, gehören die Bayern nach wie vor in ihre eigene Liga (damit ist nicht die Super-Liga gemeint, KHR!). Nach dem Ende der Guardiola-Ära befindet sich die Mannschaft immer noch in einer Findungsphase, deren Konsequenzen allerdings nicht so schwerwiegend ausfallen wie bei einer Mittelklasse-Mannschaft. Gewisse Dinge sind geblieben, andere haben sich verändert: die Bayern pressen nicht mehr ganz so extrem wie noch unter Pep, auch die Aufgabenverteilung im zentralen Mittelfeld ist leicht anders.

Stöger wird sich gegen den FCB etwas überlegen müssen (Foto: Dean Mouhtaropoulos/Bongarts/Getty Images)

Stöger wird sich gegen den FCB etwas überlegen müssen
(Foto: Dean Mouhtaropoulos/Bongarts/Getty Images)

Der Fokus auf eigenen Ballbesitz, dazu Überladungen auf rechter oder linker Seite sind nach wie vor wesentliche Elemente des Bayern-Spiels. Generell sorgt die schier unglaubliche Qualität in diesem Kader dafür, dass eine durchgängige Besetzung mit außergewöhnlich guten Spielern ermöglicht wird, weshalb die Bayern auch in dieser Saison wohl kaum einbrechen werden. Wenn man Transfers wie die von Renato Sanches oder Mats Hummels tätigt, falls es schwer, von einer schwächer gewordenen Mannschaft zu sprechen. Peter Stöger sagte auf der Pressekonferenz, dass er Bayerns Niederlage gegen Atletico durchaus einzuordnen wisse. „Atletico Madrid hat auch Qualitäten, insbesondere in der Defensivarbeit. Von daher haben wir dieses Spiel in die Bewertung miteinfließen lassen, um zu schauen, was wir selbst davon umsetzen können“, so der österreichische Übungsleiter. „Wir müssen natürlich unseren eigenen Ansatz finden, um die Bayern zu bekämpfen. Das wird schwer genug, fünf Mannschaften haben es versucht, fünf sind gescheitert.“

Auch interessant
Özcan verlängert bis 2020

Bezüglich der personellen Fragen muss der effzeh noch abwarten, ob Frederik Sörensen und Marco Höger bis Samstag fit werden. Bis dahin stehen noch zwei Trainingseinheiten an, auch die medizinische Abteilung wird mit Hochdruck daran arbeiten, die beiden fit zu bekommen. Beide wären natürlich ganz wichtige Elemente, um den FC Bayern in Zaum zu halten: Sörensen bringt mit seiner Physis und Zweikampfstärke ideale Voraussetzungen für eine solide Strafraumverteidigung mit, auch Marco Högers Fähigkeit, im Mittelfeld Räume zu schließen und Zweikämpfe zu gewinnen dürfte in diesem Spiel wichtig werden. Eine Möglichkeit wäre, das Zentrum zu stärken und Marcel Risse ein wenig zurück zu ziehen: damit würde eine Dreierkette aus Sörensen, Mavraj und Heintz entstehen, die von Rausch und Risse flankiert werden würde. Jonas Hector würde zur Stärkung des defensives Mittelfeld eine Position nach vorne gezogen werden. Sollte es der effzeh auf diese oder eine andere Weise tatsächlich schaffen, die Qualität des Gegners einzudämmen, wäre ein Punkt natürlich schon das höchste der Gefühle.

Vielleicht setzt sich ja dann nach den ersten Champions-League-Abenteuern unter Peter Stöger auch der Begriff des Stögerismo durch.

[do_widget id=text-28]

 

 

Hinweis: In einer vorherigen Version des Artikels beraubten wir Peter Stöger des Großteils seiner Länderspiele. Dies haben wir berichtigt. Sorry!

Mehr aus Stadion

.