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Personalsituation beim 1. FC Köln: Verschärfte Konkurrenz am Geißbockheim

Der Aufschwung beim 1. FC Köln geht einher mit der Rückkehr von mehreren Leistungsträgern – Startelfplätze sind aktuell jedoch nicht so einfach zu haben.

Foto: INA FASSBENDER/AFP via Getty Images

Es sind stressige Tage am Geißbockheim: Nach dem trainingsfreien Dienstag startete die Mannschaft von Trainer Achim Beierlorzer am heutigen Mittwoch in die Vorbereitung auf das Auswärtsspiel in Mainz. Mit dem Unentschieden auf Schalke und dem souveränen Heimerfolg gegen Paderborn im Rücken kann der 1. FC Köln daher ein wenig befreiter an die nächsten Aufgaben herangehen – kommenden Dienstag steht dann bereits das nächste Spiel an. Die vielen Wechsel in der Trainingssteuerung zuletzt sollten dabei allerdings kein Hindernis sein: Zuletzt gab es mit der Länderspielpause und dem Testspiel gegen Viktoria Köln eine eher lange Zeit ohne Pflichtspiel, darauf folgten drei Spiele in neun Tagen – allesamt auswärts. Es wird daher höchstwahrscheinlich dazu kommen, dass Beierlorzer seine Startelf verändert, weil mit Jorge Meré, Dominick Drexler und Birger Verstraete drei Rückkehrer wieder in den Kader aufgenommen werden können.

Für den Trainer ist es, wie er auf der Pressekonferenz bestätigte, natürlich eine komfortable Situation: Die erste Elf lieferte zuletzt gute Leistungen ab, zudem drängen mit den drei eben genannten Spielern wichtige Kräfte zurück ins Team. „Am besten ist immer: Man liefert hundert Prozent Leistung ab und der Trainer hat dann die Qual der Wahl“, konstatierte der Fußballlehrer. Er zeigte sich auch zufrieden mit der Mentalität seiner Spieler:  „Wir haben in der Mannschaft keine Befindlichkeiten. Jeder zieht voll mit. Es geht nicht um den Einzelnen, es geht um die gesamte Mannschaft und um den Verein.“ Die Leistungsfähigkeit der Mannschaft wird mit Sicherheit nicht darunter leiden, dass die letzten beiden Spiele gut verliefen und jetzt drei potenzielle Stammkräfte mit aller Macht ihren Platz zurückerobern wollen. Für den Trainer hat das Vorteile, weil auch die Qualität im Training in solchen Phasen, wenn alle Spieler fit sind und viele Wettbewerbsspiele anstehen vielleicht ein wenig höher ausfällt als sonst.

Verletzungen und Sperren ergeben eine neue Startelf

Ist Drexler wieder eine Option für die Startelf? | Foto: Matthias Hangst/Collection Bongarts

Durch die zwischenzeitlichen Ausfälle von Meré, Drexler und Verstraete war Beierlorzer zu Änderungen gezwungen, die mehr oder weniger unverhofft neue Spieler in die Startelf brachten: Sebastiaan Bornauw steigerte sich nach der Lehrstunde gegen Vedad Ibisevic und Hertha BSC enorm in der Innenverteidigung. Noah Katterbach, der den im Mittelfeld aufgebotenen Jonas Hector vertritt, überzeugte in den letzten beiden Spielen als Linksverteidiger. Und mit Louis Schaub durfte sich ein Kreativer auf der Zehnerposition zeigen – gerade an ihm lässt sich der Aufschwung im Kölner Spiel vielleicht ganz gut erklären. Zu Saisonbeginn agierte der FC häufig mit zwei Spitzen, worunter allerdings die spielerische Komponente ein wenig litt, weil die Versorgung nach vorne und das Kombinationsspiel stockten. Drexler, dessen Verletzung aus dem Hertha-Spiel mittlerweile ausgeheilt ist, hatte bis dato die Rolle inne, die Offensivabteilung des FC zu führen. Durch die guten Auftritte von Schaub dürfte es Beierlorzer nun allerdings  schwerfallen, den Österreicher aus der Startelf zu nehmen.

Für Birger Verstraete dürfte ein Einsatz gegen Mainz unterdessen eventuell noch etwas zu früh kommen, ansonsten dürfte der Belgier aber in den nächsten Wochen wieder zu mehr Einsatzzeiten kommen: Zu Saisonbeginn galt er neben Ellyes Skhiri im zentralen Mittelfeld als gesetzt und überzeugte mit seiner aggressiven Spielweise, aber auch mit seinen strategischen Fähigkeiten. Die Knieprobleme des Belgiers verhinderten, dass er Leistungen auf diesem Niveau dauerhaft zeigen konnte, weswegen eine Operation unumgänglich war – und wegen der ein Platz im zentralen Mittelfeld frei wurde. Diesen übernahm mit Jonas Hector ein Spieler, der eigentlich als Stammkraft auf einer anderen Position eingeplant war. Der Nationalspieler zeigte aber, dass er immer noch in der Lage ist, zwei anspruchsvolle Positionen im modernen Fußball zu vollster Zufriedenheit auszufüllen. Hector, dessen Leistungen auch in der zweiten Liga durchaus kritisch gesehen wurden, scheint sich mittlerweile wieder bestens an die Bundesliga gewöhnt zu haben. In jedem Falle konnte er Verstraete bis dato ohne Probleme ersetzen.

Noah Katterbach nutzt seine Chance

Chance genutzt: Noah Katterbach | Foto: Dean Mouhtaropoulos/Bongarts/Getty Images

Das entstandene Loch auf der linken Seite nutzte ein talentierter 18-Jähriger: Noah Katterbach profitierte wie so viele andere Profis vor ihm davon, dass etablierte Stammkräfte ausfielen und er deswegen seine Startelfchancen bekam – der Linksverteidiger nutzte sie, so viel geben seine bisherigen 180 Minuten im Profifußball her. Katterbach ist dabei ein anderer Spielertyp als Hector, etwas vertikaler und dynamischer, aber gleichermaßen sicher am Ball und pressingresistent. Aggressivität und Physis, in der Bundesliga generell wichtig und im Anpassungsprozess von Jugend- zu Profifußball noch einmal in verstärkter Form, sind nach den ersten Eindrücken auch Faktoren, die beim Gewinner der Fritz-Walter-Medaille zu stimmen scheinen.

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Von daher wird es interessant zu beobachten sein, wie Beierlorzer in den kommenden Partien aufstellt. „Überlegungen machen wir uns permanent. Es ist aber schon gut, dass wir auf dasselbe Personal zurückgreifen können“, sagte er auf der Pressekonferenz. Die guten Eindrücke aus den letzten Spielen bestätigte er und prognostizierte: „Wenn vieles passt und stimmig ist, liegt es nahe, zum dritten Mal mit derselben Elf aufzulaufen. Das ist möglich.“ Er schränkte gleichzeitig aber auch ein, dass noch zwei Trainingstage vor der Mannschaft lägen – da könne schließlich viel passieren. Wichtig ist aber: Der 1. FC Köln könnte mittlerweile die richtige Balance gefunden haben. Schaubs Einsatz auf der Zehn als Verbindungsspieler ergibt Sinn, das Duo Skhiri und Hector im zentralen Mittelfeld ergänzt sich gut – der Tunesier agiert beim Anlaufen nicht mehr als vorgezogener Achter. Auch das Zusammenspiel zwischen Kainz und Katterbach auf der linken Seite funktionierte zuletzt ganz ordentlich, beide bringen wie ihre Pendants auf der rechten Außenbahn viel Tempo mit.

Für die anstehenden drei Auswärtsaufgaben in Mainz, beim Regionalliga-Vertreter aus Saarbrücken im Pokal und gegen Fortuna Düsseldorf in der Liga scheinen die „Geißböcke“ daher gerüstet – und selbst wenn rotiert werden sollte, muss einem nicht zwingend Angst und Bange werden.

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