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Meinung

Von Mönchen, Genies und anderen Sympathen

Im ersten Teil unseres Rückblicks schauen wir auf die Vereine, die in dieser grenzenlos spannenden Saison aus mehr oder weniger vernünftigen Gründen vor dem effzeh landeten.

Foto: NORBERT SCHMIDT/AFP/Getty Images

Nachdem am Samstag in der Bundesliga der Vorhang fiel und ein paar Vereine in die Relegation dürfen bzw. müssen, finden wir, dass es an der Zeit ist, mal auf die anderen Bundesligavereine zu schauen und deren Leistungen zu beurteilen. Dabei haben wir natürlich die effzeh-Brille auf und die sonst so strengen Zensurvorgaben unserer Chefredaktion dürfen wir geflissentlich missachten. Zuerst schauen wir auf die Vereine, die es irgendwie geschafft haben, vor dem effzeh über die Ziellinie zu kommen.

FC Bayern München

Die Lederhosenfraktion mit Trainer Pep Gähndiola wurde zum vierten Mal in Folge deutscher Meister. Hurra und Applaus. Abgesehen vom unfassbar langweiligen Gekicke seiner Übermannschaft vollbrachte der katalanische Mönch das Kunststück, mediale Omnipräsenz ohne laute Töne zu ergattern. Was unter Kaiser Franz noch der FC Hollywood war, fühlte sich nun an wie eine dreijährige La Sardana, während der die gegnerischen Stürmer in den Champions-League Halbfinalspielen von der Weißwürstchenkette stets so laufen gelassen wurden wie ein Stier vom Torero. Sonst noch was? Ach ja, das ehemals größte deutsche Talent Götze besitzt auch in München nur noch den Status einer anfälligen Pummelfee mit gevierteltem Marktwert. Ob Pastaliebhaber Ancelotti ihn wieder zu fußballerischen Leckerbissen treiben kann? Wird Mats Hummels im einzig moralisch korrekten Bundesligaverein so stark spielen wie im Ruhrpott? Wird Uli Köhler wieder mit Zuhälterbrille die ersten Trainingseinheiten Carlettos begleiten? Und wie viele Bayernspieler werden die nächste Meisterfeier verpassen? Der FC Bayern verspricht auch in der nächsten Saison wieder grenzenlose Spannung.

Borussia Dortmund

Photo by Sascha Steinbach/Bongarts/Getty Images

Tschüss, Mats!
Photo by Sascha Steinbach/Bongarts/Getty Images

Mit 78 Punkten und 82:34 Toren hat der BVB eigentlich mal gar keine so schlechte Saison gespielt, schaffte es sogar bisweilen, selbst neutralen Fans ein kleines „Oha!“ zu entlocken. Spieler wie Mhkitaryan (55 Torbeteiligungen in 51 Spielen), Aubameyang (39 Pflichtspieltore) und Senkrechtstarter Julian Weigl, der in jedem Spiel auf ca. 2000 Ballkontakte kam, halfen dem BVB dabei, das Meisterschaftsrennen überraschend lange offen zu halten, das DFB-Pokalfinale zu erreichen und in der Europa-League immerhin bis ins Viertelfinale vorzustoßen. Der beste Zweite aller Zeiten. Dass es aber für die ganz großen europäischen Weihen noch fehlt, zeigte der BVB im Hinspiel gegen die Bayern (1:5), in Liverpool (bitter) und zweimal gegen den effzeh, gegen den wie gewohnt die Punkte zuverlässig abgegeben wurden. Abgegeben werden auch Mats Hummels und wohl auch Ilkay Gündogan, weswegen des schwarz-gelben Volkes Seele mal wieder kocht. Hinten raus wäre es dann gar keine so gute Saison, wenn man auch noch das DFB-Pokalfinale verliert. Vielleicht sollte man in Dortmund doch mal wieder Getreideprodukte zu sich nehmen.

Bayer 04 Leverkusen

Der vom Mutterkonzern finanziell ausdrücklich KAUM unterstützte unfeine Verein vom Autobahnkreuz am Rhein spielte in der Rückrunde zwar guten Fußball, blieb sonst aber gewöhnlich ekelerregend. Den Zenit der Abscheulichkeit erreichte das Duo des Grauens aus Roger und Rudi beim Spiel gegen Dortmund, als der außergewöhnlich unsympathische Trainer sich mehrfach weigerte, den Platz zu verlassen und hinterher kaum einsichtig war. Flankiert wurde das von abstrusen Verschwörungstheorien, die sein gelockter Pudel vor laufender Kamera verbreitete. Ansonsten haben sie mit dem Zwiebackgesicht leider ein Riesentalent in ihren Reihen, das die gesamte Rückrunde dominierte. Das einzige wirklich Positive, das die stets rumflennende, kreischende und freistoßschindende Mannschaft zustande brachte, war die Ermöglichung des ersten Bundesliga-Doppelpacks von Dominic Maroh, der zum Auswärtssieg des einzig wahren Vereins vom Rhein beitrug.

Borussia Mönchengladbach

Die Fohlen erwischten aus effzeh-Sicht einen Start nach Maß, verloren die ersten fünf Spiele der Saison und auch endlich mal wieder ein Derby, nachdem Lucien Favre geschasst wurde. André Schubert (auch bekannt aus der tollen Serie Wallace & Gromit) übernahm mit seiner bis dato besten Rolle als grüner Kapuzenpulli das Zepter. Die Gladbacher fingen sich anschließend und holten in 29 Spielen immerhin 55 Punkte, damit dürfen sie in ein paar Wochen in der CL-Quali ran. Herzlichen Glückwunsch!

Photo by Patrik Stollarz/AFP/Getty Images

Auf Wiedersehen, Granit!
Photo by Patrik Stollarz/AFP/Getty Images

Dass man international mittlerweile einigermaßen konkurrenzfähig ist, zeigte man in der Gruppenphase der diesjährigen Champions-League-Saison: in der Todesgruppe mit Manchester City, Juventus Turin und dem Abonnement-Sieger der Europa League scheiterte man nur knapp an Platz drei. Ärgerlich. Schade wäre es auch, wenn Mönchengladbach in dieser Transferperiode sein sympathisches Aushängeschild Granit Xhaka an die Premier League verlieren würde. Nicht.

FC Schalke 04

Nachdem in der gerade abgelaufenen Saison nur alle drei Monate ein neuer Umbruch in der Gelsenkirchener Turnhalle angekündigt wurde, kamen die Verantwortungsträger mal wieder auf die glorreiche Idee, mit Sportdirektor Horst Heldt und Trainer André Breitenreiter zwei der handelnden Personen die vorzeitigen Arbeitszeugnisse auszustellen. In der kommenden Saison dürfen sich der Ex-Mainzer Christian Heidel und wohl auch Markus Weinzierl auf Schalke versuchen. Bevor es irgendeinem auf Schalke dämmert, dass der Fisch in Person von Clemens Tönnies wohl eher vom Kopf her stinkt, wird es wohl noch die ein oder andere Personalrochade geben. Immerhin hat es dann doch noch für die direkte Qualifikation zur Europa League gereicht und mit dem Brasilianer Naldo konnte ein vielversprechendes brasilianisches Talent für die Zukunft verpflichtet werden. Überdies konnte mit dem League of Legends-Team „Elements“ eine weitere Schlüsselposition im e-Sport besetzt werden. Die neue Saison verspricht also Großes.

1. FSV Mainz 05

Der ach so lustige und ach so andere Verein vom Rhein-Main ist das schon längst nicht mehr, sportlich allerdings überaus erfolgreich. Der schweiß- und adrenalinliebende schweizerische Schmidt ist dabei längst nicht so schmierig wie sein Bayerpendant und der ehemals mit Autos handelnde Manager hatte auch schon scheußlichere Phasen. Auch dank kölscher Gene von Christian Clemens schloss der Verein die Saison auf Platz 6 ab. Uninteressant und langweilig bleibt der Klub aber trotzdem. In der Bauhausarena läuft ein größtenteils naives Operettenpublikum umher, das schreckliche Tormusik beklatscht wie ein Affe im Kopf von Homer Simpson und einem der schrecklichsten Stadionsprecher der Welt zuhören muss. Würden sie nächste Saison absteigen, hätte man sie wahrscheinlich schon nach einigen Monaten wieder vergessen. Vielleicht trägt ja der Wechsel des Ablösegenies in den Ruhrpott einen Teil dazu bei – dramatisch wär’s jedenfalls nicht.

Hertha BSC Berlin

Patrik Stollarz/AFP/Getty Images

Pal Dardai über die Rückrunde der Hertha
Patrik Stollarz/AFP/Getty Images

Der Hauptstadtclub ist eine der erstaunlichsten Erscheinungen dieser Saison. Der mittlerweile 27. Kader von Nichtgenie Michael Preetz spielte unter Nochwenigergenie Dardai einen furchtbaren Fußball, der eher dadaistische Elemente aufwies als spielerisches Topniveau, wie es zumindest der Tabellenplatz suggeriert. Während der letzten Spiele brach die Hertha kolossal ein und verspielte zur Freude der niederrheinischen Bauernlümmel noch die Champions League. Trotz des Status’ (nicht zu verwechseln mit „Star-Tusse“) als Hauptstadtverein kann Berlin nicht einmal dort nennenswerte Zuschauerzahlen verzeichnen – welch Neuigkeit. Nun soll jedoch künftig statt vier Millionen eine schockierende Stadionmiete von siebeneinhalb Millionen pro Jahr für ein Stadion mit 75000 Plätzen gezahlt werden! Da kann man schonmal rot vor Wut werden – als Steuerzahler. Und Oberst Preetz ruft gleich mal den Neubau aus, die Mannschaft interessiert’s schließlich sowieso nicht, an welcher Stelle sie vor 30000 Leuten spielt. Wo die Truppe im nächsten Jahr landet? Schwer einzuschätzen. Und eigentlich auch egal, weil völlig bedeutungslos. Nächster Verein.

VfL Wolfsburg

Wenn der Greenkeeper im Stadion mehr verdient als einer der Schlüsselspieler bei einem direkten Konkurrenten, kann man dem VfL Wolfsburg nur dazu gratulieren, in einer bis dato nicht gekannten Form Aufwand und Ertrag in einem absoluten Missverhältnis zu betreiben. Wohl an keinem anderen Bundesligastandort werden dermaßen geschickt hohe Millionenbeträge dafür verbrannt, sich nicht für das internationale Geschäft zu qualifizieren und nebenbei den eigenen Profis genug Zeit für das ein oder andere anstößige Video zu lassen. Zu den Sympathen im grün-weißen Betriebsoutfit wird sich ab der kommenden dann wohl auch Yannick Gerhardt gesellen. Keine Pointe.

In unserem zweiten Teil lest ihr etwas über die darbende Konkurrenz des effzeh in der unteren Tabellenhälfte. Mit dabei: der allseits beliebte HSV, die Romantiker aus Darmstadt und der schlechteste Trainer der Bundesligageschichte.

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