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Meinung

Versöhnung erwünscht

Die angestrebte Aussöhnung des Präsidiums mit dem einstigen effzeh-Präsidenten Wolfgang Overath schlägt hohe Wellen. Uns liegt kein exklusiver Brief von ihm vor.

Photo by Lars Baron/Bongarts/Getty Images

Liebe Fans des 1.FC Köln, liebe von mir Enttäuschte der letzten Jahre,

lange hielt ich mich zurück, war viele Jahre nicht im Stadion. Ich war gekränkt über die Art und Weise, wie man meine Freunde Jürgen Glowacz, Fritz Neukirch und mich aus dem Amt gemobbt hat. Die persönlichen Angriffe, die eine Gruppe Unzufriedener damals gegen mich ritt, haben mich sehr belastet. Die verstanden nichts vom Fußball und haben selbst noch nie ein Länderspiel bestritten. Sie und die Mannschaft haben uns damals jedes Wochenende versaut. Nur die Bildzeitung hielt damals zu mir und unterstützte mich nach Kräften.

Der FC war immer mein Verein. Nachdem ich das Amt vom fachfremden Autohändler Albert Caspers 2004 übernahm, habe ich jeden Donnerstag, an dem ich am Geißbockheim war, immer nur das Beste für den Klub getan. Unter meiner Führung wurden Lukas Podolski, Michael Meier und Christoph Daum zurückgeholt, auch Volker Finke habe ich damals eingestellt. Mit dieser fußballerischen Kompetenz ging es schließlich bergauf. Als ich damals zurücktrat, standen wir im Mittelfeld der Tabelle. Wir hatten Spieler, die so wertvoll waren, dass wir mit Verkäufen sofort im Plus gewesen wären. Deswegen habe ich damals schon gesagt, dass der FC gut aufgestellt ist. Mit Franz-Josef Wernze und Karl-Heinz Thielen habe ich zudem schon sechs Monate nach meinem Rücktritt zwei Kandidaten instruiert, die finanziell und sportlich für den Verein sehr wertvoll gewesen wären. Die Mitglieder vertrauten aber lieber einem ehemaligen Bayer-Manager, der nichts vom Fußball verstand und damit auch noch Werbung machte. Ich hingegen war jahrelang FC-Spieler, Stammkraft in 81 Länderspielen der Nationalelf und Weltmeister.

Mich verletzte es sehr, wie der neue Vorstand über mich in den Medien sprach. Sie und ihre neue Geschäftsführung behaupteten jahrelang, der Verein habe nach unserem Rücktritt kurz vor der Insolvenz gestanden und sei faktisch pleite gewesen. Als „Beweise“ führten sie die Bilanzen an. Aber standen wir nicht im Mittelfeld der Liga? Hat nicht erst die von dem mit den Haaren initiierte Führungslosigkeit den Verein in den Abstieg geführt? Nachdem ich selbst jahrelang jeden Vorgang nur über meinen Schreibtisch abgesegnet habe und den Verein mit starker Hand führte? Waren es nicht die Fans, die Lukas Podolski haben wollten? Musste man dafür nicht Geld in die Hand nehmen? Ja, das musste man! Deswegen habe ich Claus Horstmann freie Hand gelassen. Und das soll jetzt auf einmal falsch gewesen sein?

Ich will ganz offen und ehrlich zu Euch sein: der neue Vorstand bemühte sich lange um mich, rang förmlich um mein Wohlwollen. Im Januar 2016, viereinhalb Jahre nach meinem Rücktritt, ließ ich über die Bildzeitung mitteilen, dass die Zeit alle Wunden heile, meine Wunden aber tiefe waren. Ich danke Toni Schumacher dafür, dass er sich monatelang so sehr für ein einziges Gespräch eingesetzt hat und beim Heilungsprozess helfen möchte. Aber ich vergesse nichts! Ich vergesse nicht, dass man mir unterstellt hat, ich hätte den Verein finanziell zugrunde gerichtet! Ich vergesse auch nicht, wie mir Inkompetenz unterstellt wurde! Und ich vergesse auch nicht, dass man sich jahrelang völlig erfolglos um meine Gunst bemüht hat! Ein aufrichtiger Vorstand hätte seine Fehler aus der Vergangenheit eingesehen und sich öffentlich für alles entschuldigt, was er mir und meinem Verein damit angetan hat.

Ich hoffe sehr, dass sich die Verantwortlichen bei mir gebührend für ihr Verhalten von damals entschuldigen. Vielleicht gehe ich dann auch wieder ins Stadion. Vielleicht gebe ich Herrn Spinner dann auch die Hand als Geste der Versöhnung. Es geht mir dabei nicht um mich, sondern um den Verein. Der Verein soll die Möglichkeit haben, sagen zu können, er habe sich mit mir versöhnt. Das würde mich sehr glücklich machen.

Euer Wolfgang Overath

 

Verwirrt? Dieser Beitrag ist Satire und stammt nicht von Wolfgang Overath.

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