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Meinung

“ Toni und Bodo sind Riesenvorbilder“

Timo Horn gehört zur neuen, jungen, deutschen Torwartgeneration. In Köln wurde selten ein Torwartwechsel so geräuschlos vollzogen wie dieser.

© effzeh.com

Er wirkt wie Mamas Liebling. Wie einer, den man damals in der Schule gern sah – als Vorbild. Irgendwie reif, irgendwie unnahbar, irgendwie anders. Rauchen würde der nie! Und wenn, dann würde man sehen, dass das nichts gibt. Dieses Inhalieren wäre nicht sein Ding. Wegdrehen würde er sich und röcheln – mit Hand vor dem Mund. Wahrscheinlich würde er sich sogar entschuldigen ohne rot zu werden – und wahrscheinlich hätten wir damals nicht darüber gelacht.
Was er wohl mal werden würde? Bankier? Rechtsanwalt , irgendwas BWLiges, oder doch Tennisspieler?

Timo Horn wirkt auf Außenstehende nicht wie der Prototyp eines Fußball-Torwarts. Erst Recht nicht wie der, eines herausragenden Talents auf dieser Position. Man kann sich kaum vorstellen, dass dieser Schlacks Reflexe zeigt, wenn ein Schuss von Matze Lehman, im Training, auf ihn zu rauscht. Man kann sich auch nicht vorstellen, dass er schneller unten ist, als der damalige Stammkeeper Faryd Mondragon. Und das würde ja was heißen – im negativen Sinne.
Das ist aber so!

Dieser unscheinbare Zeitgenosse soll die Fritz-Walter-Medaille in Gold verliehen bekommen haben? Die Medaille für den besten Nachwuchsspieler des Landes? 2010! Niemals hat das ein Torwart erreicht in der U17, in der er bereits mit 14 Jahren debütierte. Nein auch nicht ein Ter Stegen, den viele schon auf dem Weg nach Kiew sahen.
Gebracht habe ihm das Ganze nichts, meint Timo, schließlich könne man sich nichts dafür kaufen, auch wenn es eine tolle Auszeichnung sei. „Man bekommt halt seine Leistung bestätigt.“
So ist er – der neue Stammkeeper unseres FC, unspektakulär, sachlich und einfach ruhig!

Die Saison steht vor der Tür und rund um Köln scheint es, dass es noch nie einen so geräuschlosen Torwartwechsel gab, wie in dieser Saison. Dabei hat sich Michael Rensing gar nichts zu Schulden kommen lassen. Im Gegenteil, er wurde FC Spieler des Monats, war beliebt und zeigte herausragende Leistungen. Man erinnere nur an die Vorstellung in Dortmund. Damals, zur Rückrunde, als man noch dachte, man steige nie wieder ab.
Rensing musste weichen auf Grund der finanziellen Situation beim FC. Er ist nicht dem „Umbruch“ zum Opfer gefallen, weder vom Alter her, noch vom Charakter. Rensing war damals zur Richtigen Zeit am richtigen Ort , eben in Köln, um seine Karriere voranzutreiben. Nun ist genau das Gegenteil der Fall.
Er hatte Horn im Rücken und der Verein muss sparen.

Köln hat nur darauf gewartet endlich wieder ein Eigengewächs zwischen den Pfosten zu haben (mit 9 Jahren kam Horn vom SC Rondorf zum effzeh). So einen wie Toni Schumacher (1977) oder Bodo Illgner (1987). Horns Vorbild, von seiner Art her, ist Edwin van der Sar. Dennoch kennt er natürlich die Kölner Torwarttradition und macht Toni Schumacher und Bodo Illgner kurzer Hand auch zu seinen Vorbildern. Ebenso wie Jens Lehmann, der so die Vorreiterrolle des modernen Torwarts verkörpert: Strafraumbeherrschend und fußballerisch ganz oberes Niveau.

Dumm ist er wahrlich nicht – Der Timo.
Vergleichbar eher mit Bodo Illgner als mit dem emotionalen Vulkan Toni Schumacher. Nicht umsonst würde sich der „Tünn“ wünschen, dass Timo noch mehr aus sich herauskäme. Doch lieber Toni, den Zahn kann man gleich ziehen. Timo Horn ist charakterstark genug, um sich nicht wesentlich zu verändern. Das betont er auch immer wieder. Im emotionalen Bereich hätte er zwar Schwächen, dennoch würde er seinen Grundtypus ja nicht verändern wollen, auch wenn er für jegliche Hilfe dankbar sei um „lauter“ zu werden.
Ist ein Neuer denn laut?
Die Frage muss erlaubt sein, ohne Vergleiche ziehen zu wollen.
Fußballerisch ist Timo Horn wohl der beste FC Keeper seit sehr langer Zeit, wenn nicht gar der Beste. Seine Abschläge kommen meist punktgenau und auch bei Rückgaben behält er die Ruhe, die er auch vor den Medienvertretern zeigt.

Vielleicht doch zu ruhig?
Denn genau dann, wenn Timo Horn Rede und Antwort steht, wirkt es nicht so als ob nun ein außerordentlich charismatischer Charakter vor einem sitze. Eher unscheinbar beantwortet Timo Fragen, meist mit Gedankenpause und Blick nach unten gerichtet. In diesen Momenten kann man bezweifeln, ob er der Situation gewachsen ist. Wie soll so ein netter Kerl von Nebenan, seine Abwehr anraunzen und sortieren? Einen Maroh, oder McKenna? Niemals(!) – sollte man denken. Andererseits wirkt dieser junge Mann so in sich gefestigt, dass man ihm alles zutrauen kann. Sätze wie, dass er sich immer weiterentwickeln will und nie genug bekommt, oder dass er einfach das Vertrauen, was er bekommen hat, zurückgeben will, – all das kauft man ihm sofort ab. Er wirkt so geerdet. Das sieht man nicht mehr sehr oft. Nicht im heutigen Profifußball. Nicht ohne irgendwelche Berater im Hintergrund.
Er hatte nie Versagensängste. Er vertraut nur seinen Stärken. „Selbst wenn was daneben geht, weiß ich woran es gelegen hat und versuch es im nächsten Spiel zu ändern.“ Hört sich an wie Buffon. Ist aber die neue, junge Nummer Eins vom FC.

Niemals hätte Horn damals mit uns eine geraucht. Da bin ich mir sehr sicher!
Dieser Mann weiß was er will. Fast schon stoisch geht er den Gang des Erfolgs und es fällt wirklich schwer zu glauben, dass er im Haifischbecken Bundesliga versagen könnte!
Ein paar Autogramme mehr sind es bestimmt schon geworden, seit seiner Beförderung. Ein bisschen mehr Publicity auch. Einfach mehr Trubel alles im Allen.
So wollte er es. So hat er es sich erträumt.
Jetzt ist es soweit:
Am Sonntag wird Timo Horn im Profifußball, als Nummer Eins des 1.FC Köln, sein Torwartdebut geben, und es hat nicht den Anschein, als ob ihn das sonderlich aufregen würde. Er weiß ganz genau um seine Stärken und seine Schwächen und mit seiner besonnenen, ruhigen Art, wird er – davon ist auszugehen – ein starker Rückhalt seiner Mannschaft sein.

Selten hab ich einem FC Profi so fest die Daumen gedrückt, wie ich es derzeit bei Timo Horn mache. Warum? Weil es ihm zu wünschen ist. Weil man ihm anmerkt welch Bedeutung das Ganze für ihn hat. Aber auch, weil man merkt wie bescheiden er den ganzen Rummel auf sich nimmt. Weil er sich immer weiter verbessern will. Weil er für alles offen ist und schließlich, weil er einfach 19 ist! Einfach auch mal wieder Kölner!
Bodo war 18!
Ob Schumacher, Illgner, Lehmann oder Van der Sar, im Endeffekt will und wird Horn immer seinem Stil treu bleiben.
Noch nicht sehr viele kennen diesen Stil.
Es wird Zeit, dass sich das ändert.
Also Timo – Viel Glück.

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