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Analyse

1. FC Köln verliert in Southampton: Mit Arbeitsschwerpunkten in die letzte Woche

Gegen den Premier-League-Klub aus Southampton verliert der 1. FC Köln sein letztes Vorbereitungsspiel mit 0:2. Die Niederlage war verdient und zeigt auf, woran Beierlorzer mit seinem Team noch feilen muss.

Foto: Dan Istitene/Getty Images

Der 1. FC Köln verliert den abschließenden Test der Saisonvorbereitung mit 0:2 beim Premier-League-Vertreter aus Southampton. Einen Tag vor der Saisoneröffnung in Köln und etwa eine Woche vor dem Pflichtspiel-Auftakt im Pokal gegen Wehen-Wiesbaden kam das Team von Trainer Achim Beierlorzer zwar durchaus zu Chancen, die „Saints“ zeigten aber insgesamt eine reifere Spielanlage und gewannen verdient. Das erste Tor fiel dabei bereits sehr früh, Danny Ings verwandelte einen Foulelfmeter nach drei Minuten. In die bis dato beste Phase der Kölner traf dann der ehemalige Bundesliga-Spieler Pierre-Emile Höjbjerg zum 2:0 nach 53 Minuten.

Kölns Coach hatte sich für den letzten Test der Vorbereitung überlegt, erst ab der 70. Minute mehrere Wechsel zu vollziehen und damit einigen Spielern mehr Spielpraxis zu verschaffen. In der Viererkette gab es aufstellungstechnisch keine Überraschung, im Mittelfeld agierten Dominick Drexler und Louis Schaub als „schwimmende Zehner“ in den Halbräumen auf den Außenseiten. Das Sturmduo bestand aus dem offensichtlich gesetzten Jhon Cordoba und Anthony Modeste. Durch den verletzungsbedingten Ausfall von Florian Kainz, der in Köln geblieben war, musste die linke Seite ohnehin neu besetzt werden – bis dato hatte der Österreicher in der Vorbereitung einen guten Eindruck hinterlassen. Kingsley Schindler, der in den bisherigen Spielen auf der rechten Seite Tiefe und Dynamik brachte, nahm zuerst auf der Bank Platz.

Frühe Führung für Southampton

Die Besetzung dieser beiden Positionen hat für die Ausrichtung des 1. FC Köln natürlich Konsequenzen: Schaub und Drexler sind Spieler, die etwas kombinationsorientierter agieren und im Normalfall invers nach innen dribbeln und auf diese Weise Aktionen einleiten. Gegen Southampton war deshalb mehrfach zu sehen, dass die Außenverteidiger Hector und Ehizibue entweder direkt den Weg in die Tiefe oder in den Halbraum suchten, um den Passweg der Innenverteidiger auf den äußeren Mittelfeldspieler (eben Drexler oder Schaub) zu ermöglichen. Das ging allerdings direkt in der Anfangsphase schief, als Czichos einen unsauberen Pass auf Drexler spielte, woraus ein Einwurf resultierte. Der Kölner Abwehrspieler verpasste es, den langen Einwurf auf Adams zu unterbinden und musste mit dem ehemaligen Birmingham-Stürmer ins Laufduell gehen. Das Halten und Ziehen endete erst im Strafraum und dort mit einem Strafstoß, den Danny Ings zur frühen Führung für die Gastgeber nutzte.

Foto: Dan Istitene/Getty Images

Im Anschluss hatte der FC Schwierigkeiten, gegen das hohe Anlaufen der Engländer Lösungen zu finden. Southampton agierte ganz im Sinne des Coaches Ralph Hasenhüttl, der aufgrund einer Verletzung selbst nicht seiner Tätigkeit nachkommen konnte. Seine Mannschaft attackierte den Gast aus Deutschland im 5-2-3, was sowohl in der ersten als auch in der letzten Linie für Schwierigkeiten bei den „Geißböcken“ sorgte. Der zweite Strafstoß für Southampton resultierte aus einer Szene, in der sich der FC nicht aus dem Gegenpressing der Gastgeber befreien konnte – Höjbjerg drang in den Strafraum ein und wurde von Ehizibue zu Boden gebracht.

Probleme beim 1. FC Köln offensiv wie defensiv

Aber auch Schaub und Drexler positionierten sich meistens zu hoch, weswegen gerade vor den beiden Außenverteidigern Hector und Ehizibue zu große Räume entstanden. Durch einen einfachen hohen Ball in die Tiefe entstand dann in der zweiten Halbzeit das zweite Tor, danach kamen die „Saints“ durch einen Doppelpass in den Rücken der Kölner Abwehr und so zum zweiten Tor. Zuvor fand Hector nicht in den Zweikampf. Gerade in der Anfangsphase des Spiels hatte auf dieser Seite speziell Rafael Czichos Probleme, zusammen mit seinem Nebenmann Jonas Hector die Angriffe in diesem Raum abzuwehren.

Es gab allerdings auch gute Phasen im Spiel der Geißböcke: Der ersten langen Ballbesitz-Passage inklusive Aufbauspiel durch die Innenverteidiger entsprang die erste Torchance durch Cordoba nach sieben Minuten. In der Folge hatte der Bundesliga-Aufsteiger viel Ballbesitz, allerdings in ungefährlichen Zonen. Pässe durch die Mitte funktionierten selten, die Linien der Engländer konnten nur ganz selten einmal so überspielt werden, dass ein Kölner mit Gesicht zum gegnerischen Tor aufdrehen konnte. Besser wurde es erst nach der Pause, als Drexler (mittlerweile für den ausgewechselten Höger auf der Doppelsechs neben Verstraete) den Ball eroberte und Schindlers Flanke über Schaub Modeste fand. Der Franzose verzog allerdings. Zuvor hatte Schindler bereits nach einer Schaub-Flanke aus guter Position vergeben.

Nach Wechselarie ein ruhigeres Spiel

Nach etwa einer Stunde begann dann die Phase der Wechsel: Matthias Bader scheint sich langsam aber sicher zu einer echten Überraschungslösung zu entwickeln, gegen Southampton wurde der ehemalige Karlsruher vor seinem Konkurrenten Benno Schmitz eingewechselt. Zudem kam Terodde für den ansonsten unauffälligen Modeste. Das Spiel wurde auch durch einige Wechsel auf Seiten der Gastgeber danach etwas ruhiger, größere Torgelegenheiten gab es nur noch nach ruhenden Bällen. Gegen Ende der Partie ließ der FC in einigen Situationen die nötige Zielstrebigkeit vermissen, was den Trainer auch merklich störte.

Foto: effzeh.com

Beierlorzer analysierte nach dem Spiel im Gespräch mit dem „Geissblog.Köln“: „Natürlich müssen wir uns auch Situationen anschauen wie jene ganz zum Schluss, als wir zentral aufs Tor zulaufen, den Ball aber noch mal nach außen spielen anstatt den Abschluss zu suchen. Das war eigentlich wunderbar gemacht, wir hatten den Ball in der Mitte, die Außen machen es breit – und dann darf man den Ball auch einfach mal aus 18 Metern ins Tor schießen. Solche Dinge zeigen uns: Wir müssen noch effektiver werden. Das brauchen wir.“

Es war ein Test auf absolut höchstem Niveau. Ich bin mir sicher, dass fast jede Bundesliga-Mannschaft mit diesem Gegner seine liebe Mühe gehabt hätte.

Dennoch zeigte sich der ehemalige Regensburger durchaus zufrieden: „Es war ein Test auf absolut höchstem Niveau. Ich bin mir sicher, dass fast jede Bundesliga-Mannschaft mit diesem Gegner seine liebe Mühe gehabt hätte.“ Er ergänzte: „Die Balance zwischen Attackieren und dem Sichern der Tiefe ist aber noch eine unserer Hauptaufgaben.“ Daran dürfte dann auch in der kommenden Trainingswoche gearbeitet werden, schließlich ist auch für den neuen Trainer „die Vorbereitung noch nicht abgeschlossen“. Vor dem Pflichtspielauftakt gegen Wehen-Wiesbaden sind die Arbeitsschwerpunkte für den 1. FC Köln also erkennbar – die daraus entstehenden Probleme zu minimieren ist eine Aufgabe, die zum berühmten „Feinschliff“ gehört.

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