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Meinung

Stadionverbot ohne Fußballbezug

Es ist ja in der Vergangenheit bereits das eine oder andere Mal vorgekommen, dass der eine oder andere Fan nicht ganz verstanden hat, was die Herren in den Anzügen in ihren Besprechungen so beschlossen haben. Und dabei ist es völlig egal, ob es um Vorfälle auf dem Spielfeld geht, um das, was auf der Tribüne so alles passieren mag oder all das, was man im Stadionumfeld erleben kann. In diesem Falle geht es gar noch etwas weiter weg vom eigentlichen Geschehen, es geht auf Tour. Zumindest ging es das für die Fans des 1. FSV Mainz 05 in der vergangenen Saison am 13. Spieltag. Wie sich die meisten noch erinnern werden, fand dieses Spiel an besagtem Tag im November nicht statt, darum soll es aber hier nicht gehen.

Vielmehr möchte ich auf die Dinge hinweisen, die sich für die Mainzer Fans auf dem Weg nach Köln ereigneten. Am 19. November 2011 fuhren ca. 150 Mainzer, unter ihnen auch ein Mitarbeiter beim Mainzer Fanprojekt, im Zug in Richtung Köln. Beim planmäßigen Halt in Remagen trafen diese Fußballfans auf eine Gruppe vermeintlicher Rechtsradikaler, die ihrerseits aus Köln zu einer Neonazi-Kundgebung anreisten. Unglücklicherweise, muss man sagen, waren doch die Ankunftszeiten der beiden Züge mit einigem Abstand geplant, der Zug aus Köln jedoch hatte Verspätung.

Es kam also, wie es kommen musste. Die Mainzer Fans stürmten aus dem Zug und gingen lautstark auf die Demonstranten los. Nur mit Mühe konnte die Polizei das Aufeinandertreffen der beiden Gruppen verhindern.

Jetzt kann man die Ereignisse ohne großes Zutun so werten, wie der Mitarbeiter des Mainzer Fanprojekts es tat und zwar als „ein deutliches Zeichen unserer Fans, wie man zu so einer Gesinnung steht“. Er räumte allerdings ebenfalls ein, dass das Ausmaß der Eskalation „nicht abzusehen war“, so die Polizei nicht eingegriffen hätte.

Das wirklich Erstaunliche im Nachgang zu diesen Ereignissen ist allerdings das kürzlich vom DFB verhängte langjährige Stadionverbot gegen einige der Mainzer Fans.

Als ich diese Nachricht gestern las überkamen mich eine Reihe Fragen. Zuerst einmal muss ich aber feststellen, dass ich bei den geschilderten Ereignissen nicht zugegen war. Ich kann also lediglich über das urteilen, was die Medien mir an Informationen zur Verfügung stellen. Auf der Suche nach Bild- oder Videomaterial wurde ich lediglich bei Aufnahmen der Kundgebung fündig, die zwar unter starker polizeilicher Bewachung stand, jedoch sehr ruhig und friedlich wirkte. An dieser Stelle sei gesagt, dass ich unter keinen Umständen ein Freund solcher oder ähnlicher Veranstaltungen bin, war oder werde. Ich gebe hier lediglich meine Eindrücke wieder.

Fußballfans auf dem Weg zum Auswärtsspiel kann ich mir jedoch sehr gut vorstellen. Selbst bei einer recht kurzen Anreise, wie der von Mainz nach Köln,  dürfte bereits das eine oder andere Bier geflossen sein, die Stimmung war wahrscheinlich ausgelassen bis angespannt, ging es doch zum Fußball. Auch kann ich mir sehr gut vorstellen, wie schnell, laut und viel von den Mainzern in Richtung der Demonstranten kam. Das sind schließlich Szenen, wie man sie bei nahezu jedem Fußballspiel sieht, wenn organisierte Fangruppen aufeinandertreffen.

Demnach fällt es mir auch nicht schwer nachzuvollziehen, dass die Polizei mindestens einen der Mainzer Fans kurzzeitig festhielt und Personalien aufnahm. Die Datei „Gewalttäter Sport“ will ja ordnungsgemäß geführt sein. Das ist prinzipiell alles nichts Neues. Wie gesagt, das kann man prinzipiell bei beinahe jedem Spiel zweier rivalisierender Fußballvereine sehen, dabei ist die Ligazugehörigkeit reine Nebensache.

Meiner persönlichen Erfahrung nach, kenne ich die Mainzer Fans eher als friedliche Zeitgenossen, gerade bei Aufeinandertreffen mit Köln. Klar wurde gegeneinander gesungen, gestikuliert und alles, was dazugehört. Ausschreitungen habe allerdings ich nie welche erlebt.

Wie kann es also sein, dass die vermeintlich friedlichen Demonstranten unbehelligt ihre geplante (mindestens verdeckt verfassungsfeindliche) Kundgebung antreten können, Fußballfans, die (vielleicht eine Spur zu offensiv) ihrer Meinung dazu Luft machen, aber bestraft werden? Was wäre passiert, hätte das Zusammentreffen der beiden Gruppen nicht einerseits im Kontext eines Fußballspiels stattgefunden? In Köln gab es in jüngerer Vergangenheit ebenfalls einige Kundgebungen, Märsche und Demonstrationen von rechten Gruppierungen, jedes Mal mit einigem Gegenwind. Auch diese Aufeinandertreffen wären wahrscheinlich jedes Mal eskaliert, wäre die Polizei nicht in ausreichender Stärke zugegen gewesen um ebendies zu verhindern.

An dieser Stelle möchte ich auch noch deutlich darauf hinweisen, dass ich Gewalt in jeder Art und Weise, sowohl beim Sport als auch abseits davon, verurteile. Auch wenn mir die Mainzer Fans bisher eher positiv als negativ auffielen, werde ich hier niemanden in Schutz nehmen, der hochgradig gewaltbereit oder gar gewaltsuchend ist.

Laut der Pressemeldung von BAFF ist dies auch kein Einzelfall gewesen, Stadionverbote wurden auch gegen Fans des SV Werder Bremen sowie des FC Carl Zeiss Jena verhängt, beim Versuch gegen die Zurschaustellung rechter Inhalte vorzugehen. Angeblich auch gegen völlig unbeteiligte Fußballfans.

Muss man also als Fußballfan, in Trikot und Schal im öffentlichen Raum unterwegs, jetzt Strafen fürchten wenn meine seine Meinung kundtut? Warum gibt es in den Augen des DFB keine Verhältnismäßigkeit? Und warum wird an einem Bahnhof in Remagen so grundsätzlich anders gehandelt und entschieden als vor jedem Stadion in diesem Land? Wird man gar vom DFB bestraft, weil man nicht nicht nichts getan hat? Und was hat das alles mit Fußball zu tun?

 

Als Quellen dienten:
Bericht der Rhein Zeitung vom 19. November 2011 über die Geschehnisse in Remagen
Pressemitteilung des BAFF vom 10. Juli 2012 über die Maßnahmen des DFB
Persönliche Erfahrung, Einschätzung sowie Gespräche mit Mainzer Fans und dem Fanprojekt

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