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Meinung

St. Öger: Der Star ist der Trainer

Zwei Spieltage vor Schluss ist der effzeh souverän gerettet und kann beruhigt die letzten 180 Minuten angehen. Es ist das Verdienst des oft kritisierten Trainers, der angesichts der Leistungen mittlerweile zum kölschen Schutzheiligen erklärt werden sollte.

Foto: Dirk Unschuld
Foto: Dirk Unschuld

Foto: Dirk Unschuld

Erleichtert, ja erlöst wirkte Peter Stöger nach dem Abpfiff, denn sein effzeh hatte gerade mit einem sehenswerten 2:0 gegen erschreckend schwache Schalker den Klassenerhalt gesichert. „Ich bin einfach stolz auf meine Mannschaft“, ließ der Österreicher verlauten und gab seiner Mannschaft auch außerhalb des Feldes die Taktik vor: „Kölsch ist frei, Kölsch bis zum Abwinken“ betonte Stöger und schob schelmisch hinterher: „Ohne Auto.“

Was seine Elf gegen Schalke verkörperte, ist größtenteils sein Werk. Taktisch diszipliniert bis zum Erbrechen, läuferisch und kämpferisch tadellos und mit gehörigem Zug nach vorne. Aus dem souveränen Zweitliga-Meister ist ein veritabler Bundesliga-Gegner geworden. Der den Gegnern durch brillante Defensivarbeit den Nerv raubt, aber auch spielerisch vor allem im eigenen Stadion mittlerweile durchaus vor Probleme stellt. Das war so nicht abzusehen, hatte doch besonders die „Abteilung Attacke“ noch zu Beginn des Jahres Sorgen gemacht. Doch das Team, größtenteils bestehend aus der letztjährigen Zweitliga-Truppe, entwickelte sich in dieser Saison stetig weiter, viele Akteure machten einen nicht zu erwartenden Leistungssprung. „Die Mannschaft ist in den letzten Monaten in sich gewachsen“, erläutert Stöger, der als erster Trainer seit Ewald Lienen 2001 beim FC in eine dritte komplette Saison starten darf.

Zwei Partien vor Saisonende gerettet, an keinem Spieltag schlechter als Platz 14, die Abstiegsplätze damit stets nur aus der Ferne gesehen, 13 Spiele zu Null (Bundesliga-Rekord für einen Aufsteiger!) und stabil auf Kurs gehalten: Aus dem „Aufstöger“ ist spätestens am Sonntagabend St. Öger, der heilige Pitter geworden. Ob es Yuya Osako ist, den viele schon als Fehleinkauf abgestempelt hatten, oder Kazuki Nagasawa, der verletzungsbedingt lange Zeit weg vom Fenster war: Stöger schaffte es, sie (wieder) in Form zu bringen, ohne sie dabei zu sehr unter Druck zu setzen. Das nötige Fingerspitzengefühl in der Mannschaftsführung ist dem Österreicher nicht zu abzusprechen. Dass selbst ein Thomas Bröker durch harte Arbeit im Training zu seinen Einsatzzeiten kam, zeigt: Niemand wird abgeschrieben, jeder kann sich ins Team kämpfen! Eine Botschaft, die ankommt – selten hat es eine Mannschaft mit dem Geißbock auf der Brust gegeben, die den Titel derart verdient wie dieses. „Das Erfolgsgeheimnis sind die Spieler. Sie sind so strukturiert, dass sie alle an dem Ziel Klassenerhalt mitarbeiten. Die Jungs wollen in der Bundesliga bleiben. Wir wissen um unsere Stärken – und dazu zählt der Teamgeist“, erklärte Stöger schon gegenüber Köln.Sport.

Foto: Dirk Unschuld

Foto: Dirk Unschuld

Ein Spirit, der seine Schützlinge und ihn auch durch schwierige Zeiten getragen hat. Was wurde in dieser Saison nicht alles kritisiert? Anti-Fußball sei das, was die Kölner dort hinlegten, hieß es von Stögers Kollegen. Aus Richtung der eigenen Fans wurde mangelnde Weiterentwicklung, furchtbarer Fußball und fehlender Mut vorgebracht. „Nicht bundesligatauglich“ war vermutlich das Unwort der Spielzeit. Beeindrucken ließ sich Stöger von derlei Kritik nicht – er wusste, was das Ziel war und wie er es erreichen kann. „Wir wollten das Wort ‚Abstieg‘ in unserer Zielsetzung nicht dabei haben, also war die Entscheidung, Platz 15 als Ziel auszugeben. Ich habe mich jedoch daran gewöhnt, dass es in dieser Stadt Fans gibt, die Fantasten sind. Ich bin aber Realist genug und weiß, was wir umsetzen können“, rechtfertigte sich der Österreicher. „Meine Aufgabe ist es, zusammen mit den handelnden Personen den Verein zu konsolidieren. Ich kann immer nur wieder sagen: Es waren hier Weltmeister und Millionenstars am Werk – und man war trotzdem nie besser als Platz zehn in den letzten 20 Jahren.“

Nun hat der pragmatische Peter, wie er vermutlich bei „Bauer sucht Frau“ untertitelt würde, die Chance, den effzeh in den letzten beiden Spielen erstmals seit 1992 (!!!) auf einen einstelligen Tabellenrang zum Abschluss einer Saison zu führen, rechnerisch ist sogar noch der Europapokal machbar. St. Öger, den kölschen Schutzheiligen, scheint das aber nicht zu tangieren. Er wird sein Team auch in den verbleibenden 180 Minuten dieser Spielzeit wieder so spielen lassen, wie er es für erfolgsversprechend hält. Unangenehm zu bespielen, lauf- und kampfstark, taktisch diszipliniert und charakterlich einwandfrei. Wer hätte das im Mai 2012 für möglich gehalten? Danke dafür – an die Jungs auf dem Rasen und an die Männer drumherum!

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