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Analyse

Vorrundenaus für drei Spieler des 1. FC Köln: Veränderte Dynamiken im Kader

Mit Sobiech, Koziello und Clemens fehlen dem 1. FC Köln drei Spieler bis zum Jahresende. Was das für den Kader bedeutet, erklären wir hier.

Foto: Lars Baron/Bongarts/Getty Images

Die vergangene Woche war durchaus turbulent beim 1. FC Köln: am Montag verlor man das Heimspiel gegen den MSV Duisburg, am Mittwoch debattierte man sich auf der Mitgliederversammlung die Köpfe heiß und dann wurden zwischendurch noch drei Verletzungen bekanntgegeben. Wie Markus Anfang heute bestätigte, werden Christian Clemens, Lasse Sobiech und Vincent Koziello bis zur Winterpause ausfallen und daher in diesem Jahr keine Einsatzzeiten mehr haben können. Innenverteidiger Sobiech startete bisher in sechs Spielen in der zweiten Liga, sein Teamkollege Clemens stand außer in Bielefeld immer in der Startelf des 1. FC Köln und konnte dabei zwei Tore selbst erzielen und vier vorbereiten. Der Franzose Koziello feierte gerade zwei Startelfeinsätze in Folge und war dabei, sich durch Spielpraxis Sicherheit zu holen – nun wirft ihn eine Schulterverletzung erst einmal aus der Bahn.

Und bevor es wieder zu panischen Theorien über Trainingsmethoden kommt: Alle drei Verletzungen sind traumatischer Natur und damit nicht auf die Intensität und Trainingsgestaltung zurückzuführen. Sobiech brach sich einen Zeh im Vorfeld des Spiels gegen den MSV, Clemens verletzte sich im Training und Koziello fiel beim Testspiel in Belgien unglücklich auf die Schulter.

Meré für Sobiech: Kein wirklicher Qualitätsabfall

Sobiech wurde bereits operiert und beginnt nun mit der Reha, Clemens‘ Sprunggelenksverletzung wird konservativ behandelt und bei Koziello entscheidet man sich zeitnah über die weitere Behandlung. Bis dato war der 1. FC Köln einigermaßen von Verletzungen verschont geblieben, wenn man von den Problemen auf der rechten Verteidigerposition absieht: Dort fielen Schmitz und Bader gleichzeitig über einen längeren Zeitraum aus. Jetzt verändert sich die Ausgangslage für einige Spieler im Kader natürlich auch. Zuletzt waren Sörensen, Lehmann und Zoller (neben den Perspektivspielern Bisseck, Nartey und Führich) für die Pflichtspiele außen vor, das wird sich in Hinblick auf die kommenden Wochen allerdings ändern.

Foto: Juergen Schwarz/Bongarts/Getty Images

In der Innenverteidigung dürfte Jorge Meré den Platz von Lasse Sobiech übernehmen. Der Spanier gilt nach wie vor als hoch veranlagt, kam in dieser Saison allerdings erst zu drei Einsätzen in der Startelf, darunter das wilde 3:5 gegen Paderborn. In der Folge hatte Sobiech aufgrund guter Leistungen in Bezug auf Zweikampf- und Kopfballbilanz die Nase vorn. Die Stärken des Spaniers liegen im Vergleich zum ehemaligen St. Paili-Akteur ein wenig anders: Meré wirkt gestalterischer im Aufbauspiel des effzeh, darüber hinaus löst er enge Situationen eher unkonventionell und meistens spielerisch. Wenn es ihm gelingt, an der Seite von Abwehrchef Rafael Czichos ein paar solide Leistungen aneinanderzureihen, dürften wir sein volles Potenzial zu sehen bekommen. Den Kapitän der spanischen U21-Nationalmannschaft in der Hinterhand zu haben, wenn sich ein Spieler verletzt, ist auch aus neutraler Sicht nicht die schlechteste Alternative. Für den Reservisten Frederik Sörensen bedeutet dies, dass er in Zukunft wohl häufiger als dritter Innenverteidiger zumindest auf der Bank Platz nehmen darf – möglich ist aber auch, dass Yann-Aurel Bisseck langsam an die Herausforderungen des Profifußballs herangeführt wird.

Auswirkungen der Ausfälle im Mittelfeld

Der Ausfall von Christian Clemens wird die Situation auf der rechten Seite maßgeblich beeinflussen. Da mittlerweile Bader und auch Benno Schmitz wieder fit sind, ist um den Posten als Rechtsverteidiger so etwas wie ein Konkurrenzkampf entbrannt. Der hoch veranlagte Bader hat das Pech, dass mögliche Defizite im Stellungsspiel und Zweikampfverhalten meistens zu Gegentoren führen, während sein Kollege Benno Schmitz bis dato nur 90 Minuten in der Regionalliga-Mannschaft des 1. FC Köln auf dem Konto hat. Marcel Risses Selbstverständnis ist das eines Mittelfeldspielers und auf dieser Position wurde er zuletzt auch gegen Bielefeld eingewechselt, bevor ihn gegen Duisburg seine körperliche Situation zu schaffen machte. Bei ihm ist grundsätzlich auch nicht davon auszugehen, dass er bis zum Winter alle zehn verbleibenden Spiele von der ersten bis zur neunzigsten Minute spielen wird – für das Spiel gegen Kiel fällt er am Samstag erneut aus.

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Markus Anfang wird sich daher überlegen müssen, wie er in den kommenden Partien die Mittelfeldreihe vor Marco Höger und die Bankplätze besetzt. Während Dominick Drexler auf der halblinken und Louis Schaub auf der halbrechten ihre Gestaltungsräume sicher haben, bleibt insbesondere die Besetzung im Zentrum und auf der linken Seite fraglich: Serhou Guirassy dürfte dort von den Ausfallzeiten Koziellos und Clemens‘ profitieren. Aber auch andere Profiteure könnte es geben: Simon Zoller könnte wieder ein Kandidat für den Kader werden – der Rechtsfuß wurde bislang nur einmal eingewechselt und stand ansonsten meist gar nicht im Kader. Auch der verdiente ehemalige Kapitän Matthias Lehmann hat noch keine Einsatzminuten aufzuweisen, könnte aber ebenfalls wieder perspektivisch in die Spieltagsmannschaft rücken.

Auf dem Weg zur Stabilität braucht es weiterhin Geduld

Fest steht, dass Jonas Hector, Salih Özcan und Niklas Hauptmann als aussichtsreichste Kandidaten dafür gelten, einen Platz als Achter zu beanspruchen. Die Variabilität Hectors spricht für ihn, Özcan und Hauptmann haben ihre Eignung auf der Position ebenfalls bereits nachgewiesen. Daraus folgt allerdings, dass sich die Dynamik in der Mannschaft zwangsläufig verändern wird, wenn von einem Spiel auf das andere drei Akteure ausfallen. Es wird wieder etwas Zeit brauchen, bis auch unter den Anforderungen eines Spiels die Abläufe automatisiert werden. Da der 1. FC Köln zuletzt gegen Duisburg wieder einen Rückschlag auf dem Weg zu größerer Stabilität erlitten hat, kann man das Mantra, Geduld zu üben, eigentlich nur wiederholen – Verletzungen sind Teil des Spiels, die jeweilige Reaktion und Veränderung durch den Trainer muss folgen.

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