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Meinung

Sägen am eigenen Ast

Bundesliga am Montagabend? Die DFL wagt einen bemerkenswerten Vorstoß, der allerdings nicht sonderlich durchdacht wirkt. Der effzeh.com-Kommentar!

Foto: Dirk Unschuld

Bundesliga am Montagabend? Die DFL wagt einen bemerkenswerten Vorstoß, der allerdings nicht sonderlich durchdacht wirkt. Der effzeh.com-Kommentar.

Brüllend heiß ist es derzeit in Deutschland. Dank des Hochs „Annelie“ steht sogar ein neuer „Hitze-Rekord“ zur Debatte. Während die Bundesliga-Profis trotz des Hochsommers für die anstehende Spielzeit schwitzen und sich jeder normale Mensch entweder in die Kühltruhe des anliegenden Supermarkts oder aber an den Badesee des Vertrauens begibt, wagt die Deutsche Fußball-Liga (DFL) einen bemerkenswerten Vorstoß. In der Ausschreibung für die TV-Rechte ab der Saison 2017/18 bringt der Verband zwei neue Anstoßzeiten ins Gespräch: Demnächst sollen Bundesliga-Spiele auch am Sonntag Mittag (13.30 Uhr) und am Montagabend (20.15 Uhr) ausgetragen werden. Das ist kein behutsames Vorfühlen, ein Ausstrecken des kleinen Zehs in das kalte Wasser – nein, das ist eine Arschbombe in den prall gefüllten Pool.

Die Signale, die spätestens seit dem Monster-Deal der englischen Premier League aus der Frankfurter DFL-Zentrale kommen, sind mittlerweile eindeutig: Um im europäischen Wettbewerb vermeintlich konkurrenzfähig zu bleiben, müssen „heilige Kühe“ geschlachtet werden. Und diesmal soll dem von den Fans favorisierte Termin am Samstagnachmittag endgültig der Gar ausgemacht werden. Immer wieder unternahmen Vereine und Verbände Anstrengungen, die Anzahl der parallel um 15.30 Uhr angepfiffenen Partien zu reduzieren. Diversifizierung der Anstoßzeiten bedeutet höhere Exklusivität für die Pay-TV-Partner. Höhere Exklusivität für die Pay-TV-Partner bedeutet höhere Einnahmen aus den Fernsehgeldern, die längst die Ticketverkäufe als wichtigste Geldquelle abgelöst haben. Kaum verwunderlich also, dass auf dem heiligen Pay-TV-Altar auch solch Opfer wie fanfreundliche Anstoßzeiten gebracht werden müssen. Höher, schneller, weiter – die Liga der Weltmeister darf doch im Wettrüsten nicht hinten anstehen.

Dass die DFL nicht nur mit solchen Vorstößen am Ast sägt, auf dem sie recht erfolgreich und bequem sitzt, scheint ihr nicht bewusst zu sein. Oder sie ignoriert es gepflegt. Das Pfund, mit dem die Bundesliga bei der Vermarktung wuchern kann, liegt in den Händen, Kehlen und Füßen der Fans. Es spielen nicht die größten Stars der Welt in Deutschland, auch wird nicht der beste Fußball bei uns geboten. Die Attraktivität der Bundesliga speist sich international vor allem aus einem Punkt: Den Zuschauerboom in den Stadien. Klasse Stimmung, volle Hütten, moderate Preise – die Liga gilt als Vorzeigedestination für Anhänger aus aller Welt. Und trotz dieses „Unique Selling Points“, wie es die Marketing-Fachleute zu sagen pflegen, ist dieses Paradies, das schon längst keines mehr ist oder je war, gefährdet: Die sich häufig immer schneller drehende Preisspirale bei den Eintrittskarten ist ebenso mit Sorge zu betrachten wie das zunehmende Aufkommen von „Werksvereinen“, die zum „Event Bundesliga“ außerhalb des grünen Rasens nahezu nichts beitragen. Genauso darf die DFL daran erinnert werden, dass es für das Spätspiel am Sonntag in der 1. Liga und für das Montagsspiel eine Klasse darunter, Versprechungen bezüglich der Ansetzungen gab. Eingehalten wurde das leider nie.

Deswegen sind Spiele am Sonntagmittag und Montagabend, um sich im In- und Ausland exklusiver verkaufen zu können, nur ein weiteres Sägeblatt. Die Verantwortlichen müssen verstehen: Die Premier League um jeden Preis kopieren zu wollen kann kein Erfolgsrezept werden. Ein anderer TV-Markt, ein anderes Fan-Verständnis, schlichtweg andere (und größtenteils bessere) Voraussetzungen, gerade in der Vermarktung. Es gilt, eigene Wege zu gehen. Fanfreundlichere Wege. Den „Volkssport Fußball“ als Feigenblatt und Qualität des deutschen Marktes anzuführen, ihn aber dort zu beschädigen, wo der schnelle Euro winkt, wirkt nicht sonderlich durchdacht. Irgendwann ist urplötzlich der Ast durch. Und Ankleben geht dann nicht mehr.

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