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Stefan Ruthenbeck bleibt Trainer des 1. FC Köln, Simon Terodde verstärkt das Team: Die „Geißböcke“ stellen damit die Weichen für mehr als nur eine Rückrunde.

Sechs Punkte nach der Hinrunde, den Abstieg aus der Bundesliga bereits eingeplant und Aussetzer außerhalb des Platzes: Viel Prügel musste die Vereinsführung des 1. FC Köln in der jüngsten Vergangenheit einstecken. So sehr das Gros der Kritik definitiv seine Berechtigung hatte, so sollen auch lobenswerte Worte ihren Weg finden: Mit den Entscheidungen, Stefan Ruthenbeck als Trainer in die Rückrunde zu schicken und das Team mit Simon Terodde zu verstärken, hat der Verein die Weichen für mehr als nur die Rückrunde gestellt. Die Baustellen für sechs beziehungsweise 18 Monate geschlossen zu haben, verschafft den Verantwortlichen am Geißbockheim Luft zum Atmen.

Die Verpflichtung des Stuttgarter Stürmers wirkt nicht nur auf den ersten Blick sinnvoll: Vor dem gegnerischen Tor fehlt es dem effzeh an der nötigen Durchschlagskraft, der fast 30-Jährige hat in der 2. Liga nachgewiesen, ein großartiger Abschlussstürmer zu sein. Dazu ist der bullige und kopfballstarke Angreifer ein Spielertyp, der den „Geißböcken“ abgeht.

Nahezu perfekte Ausgangslage

Die Ausgangslage ist nahezu perfekt: Terodde will in dem Halbjahr, das uns in der Bundesliga verbleibt, beweisen, dass er auch auf diesem Niveau erfolgreich sein kann. Und geht es dann herunter, dann hat der 1. FC Köln einen Stürmer in seinem Kader, der bewiesen hat, den entscheidenden Faktor für den Aufstieg darstellen zu können. Das gleicht in der aktuellen Situation, die sicherlich für Spieler nicht sonderlich attraktiv ist, einem Hauptgewinn!

STUTTGART, GERMANY - OCTOBER 29: Simon Terodde of Stuttgart #9 celebrates with his team-mates after scoring his team's third goal to make it 3-0 during the Bundesliga match between VfB Stuttgart and Sport-Club Freiburg at Mercedes-Benz Arena on October 29, 2017 in Stuttgart, Germany. (Photo by Alex Grimm/Bongarts/Getty Images)

Foto: Alex Grimm/Bongarts/Getty Images

Ob nach der Rückrunde Stefan Ruthenbeck noch die Fäden in der Hand hält, ist jetzt noch nicht abzusehen. Klar ist, dass der 45-Jährige seine Bewährungschance als Interimscoach genutzt hat und die Rückrunde zusammen mit seinem Trainerteam hauptverantwortlich angehen darf. Das ist gleich aus mehreren Gründen die richtige Entscheidung: Ruthenbeck hat sich nicht gescheut, in die großen Fußstapfen seines Vorgängers Peter Stöger zu treten – und konnte dabei durch seinen ureigenen Charakter Akzente setzen.

Den Mut, den er schon bei der Übernahme des Postens bewiesen hat, übertrug er auch auf die Mannschaft. Das „Trau dich“, das er Chris Führich in München zurief, gilt auch für ihn selbst: Die schier unlösbare Aufgabe, die der 1. FC Köln derzeit darstellt, traute sich Ruthenbeck zu – und überzeugte die Verantwortlichen.

Von der Interims- zur Dauerlösung

Dass er nun von der Interims- zur Dauerlösung bis Saisonende wird, ist daher nur folgerichtig. Ruthenbeck kennt das Team, identifiziert sich mit dem Verein und kommt bei den Fans gut an. Nun einen Trainer von außen zu holen, wäre ein unnötiges Risiko gewesen. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein neuer Verantwortlicher, der jetzt übernimmt, bis Sommer an der Aufgabe verbrennt und angeschlagen in die neue Saison geht, wäre hoch gewesen.

Dazu sind die Alternativen, die zur Verfügung standen, nicht überzeugend gewesen. Einen Trainer, der einen Draht zur Mannschaft gefunden und ordentlich Kredit bei den Fans gewonnen hat, durch einen Kandidaten vom Kaliber der gehandelten Bernd Storck oder Jos Luhukay zu ersetzen, wäre ein Vabanquespiel sondergleichen geworden, und wäre auch den Anhänger kaum zu verkaufen gewesen.

>>> Rückkehr perfekt: 1. FC Köln verpflichtet Simon Terodde

So aber hat der 1. FC Köln, der in der jüngsten Vergangenheit häufiger daneben gelangt hatte, sportlich die sinnvollste Lösung gefunden: Stefan Ruthenbeck führt das Team bis zum Ende der Saison an und verschafft den Verantwortlichen die nötige Zeit, die Planungen für die Mission Wiederaufstieg anzugehen. Die Verpflichtung von Simon Terodde sendet darüber hinaus ein Zeichen aus: Wir versuchen in der Bundesliga nochmals unser Bestes, doch wir schauen mit mehr als einem Auge auf die Zukunft nach dem kaum zu vermeidenden Abstieg.

Dass beides eher kurz- als mittelfristige Lösungen sind, dürfte in der aktuellen Situation des 1. FC Köln durchaus zu verschmerzen sein. Ein bitterer Nachgeschmack bleibt dennoch: Vor einem Jahr hießen die Protagonisten Schmadtke, Stöger und Modeste – nun Veh, Ruthenbeck und Terodde. Auch das zeigt, was in diesem Jahr alles geschehen ist.

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2 Kommentare

  1. Guter Kommentar Severin Richartz, dem ich zu 100% zustimme.

    Ein Teil der Fans hätte ja lieber Jens Keller etc. gehabt. Aber diese anderen freien Trainer kennen den FC in keinster Weise, kennen die Spieler gar nicht und die Vorbereitung ist so kurz in diesem Jahr.

    Und unser Kölner Trainer hat einen Plan, das merkte man schon an seinem Kommentar nach dem Schalke Spiel.

  2. Schmadtke, Stöger und Modeste: Alle drei waren sehr eigenwillige Alpha-Tiere, die sich zum Schluss gegenseitig ins Gehege gekommen sind. Mit ein bisschen Abstand kann man sich heute fragen, ob der Vorstand bei solch einem dreifach geballtem Selbstbewusstsein überhaupt eine Chance hatte, das Schiff auf Kurs zu halten.
    Veh, Ruthenbeck und Terodde: Im Vergleich zu den drei da oben kommt einem die Idee, dass das eher „Normalmenschen“ sind. Aber die aktuellen Drei müssen das deshalb nicht schlechter machen. Ich bin fast froh, dass der FC nicht mehr „spürbar andes“ ist, sondern ein ganz normaler Profi-Klub.