So war es dann auch kaum verwunderlich, dass die Schlussphase seiner Präsidentschaft keine Erfolgsgeschichte mehr wurde. Das Zerwürfnis zwischen den leitenden Angestellten Peter Stöger und Jörg Schmadtke entging dem Vorstand oder er ignorierte alle Anzeichen dafür sträflich, stattdessen standen zunehmend Luftschlösser wie ein Stadionaus- oder neubau sowie die, von Relativierungen zu Menschenrechtsverbrechen begleitete, Expansion nach China im Mittelpunkt. Der bittere Absturz vom Europapokal-Teilnehmer zur schlechtesten Bundesliga-Mannschaft der FC-Geschichte war trotz aller böser Mächte vor allem hausgemacht. Und lag damit auch in der Verantwortung des Präsidenten, der zuvor auch die Lobeshymnen genießen durfte.
Selbstkritik nach dem unnötigen Abstieg? Fehlanzeige!
Allzu sehr in die Schusslinie begab sich Spinner dabei zunächst nicht, tauchte auch aus gesundheitlichen Gründen in der kritischen Phase ab und überließ seinem Vorstandskollegen Toni Schumacher die Öffentlichkeitsarbeit. Das Zerwürfnis mit der aktiven Fanszene und dem Mitgliederrat, aber auch vielen anderen Anhängern war längst nicht mehr zu kitten, eine schwere Herzoperation setzte ihn zusätzlich außer Gefecht. Doch auch nach der Rückkehr auf die große Bühne war wenig Selbstkritik zu spüren: Die Schuld lag beim Duo Stöger/Schmadtke, letzterer dank eines Gentlemens Agreement mit Spinner mit über drei Millionen Euro abgefunden, außer den wenigen Ultras stünde der Verein noch geschlossen hinter dem Vorstand.
Dass dem bei weitem nicht mehr so ist, musste er spätestens bei der Mitgliederversammlung 2018 erfahren. Viel Kritik schlug nach dem Abstieg und der eher suboptimalen Aufarbeitung nicht nur ihm entgegen, schon im Jahr zuvor wurde er trotz Europapokal-Qualifikation von Teilen der Kölnarena ausgepfiffen. Der Abend in Deutz war der Höhepunkt einer Schlammschlacht, die sich durch den ganzen Verein gezogen hatte und dem einer Schmutzkampagne gegen Stefan Müller-Römer vorausging. Das einstige Credo „Verein vereinen“ verkümmerte zu einer Phrase. Am Ende obsiegten die Vorstandskritiker nahezu auf ganzer Linie – die Zeit des Präsidenten Werner Spinner schien spätestens im September abzulaufen. Ob er erst danach seinen Rückzug nach der Amtszeit beschlossen hatte, scheint fraglich: Im Sommer 2018 war das Abschiedsschreiben bereits verfasst. Spinner ließ sich von den Vizepräsidenten im letzten Moment zum Weitermachen überreden, weil beide nicht mit einem Nachrücker aus dem Mitgliederrat arbeiten wollten.
Vorzeitiger Rücktritt nach Machtkampf mit Veh
Nun ist allerdings doch vorzeitig Schluss: Nach einem abermaligen Zerwürfnis, diesmal mit Sportgeschäftsführer Armin Veh, warf Werner Spinner hin. Die öffentliche Kritik an seiner Person, die Veh lanciert hatte, gab letztlich ebenso den Ausschlag wie die Weigerung der kompletten Geschäftsführung, weiterhin mit dem Präsidenten zusammenarbeiten zu wollen. Dass ein Angestellter den obersten Vertreter des Clubs in den Medien derart ins Achtung stellt und die Gremien daraus keine entsprechenden Konsequenzen ziehen wollten, spricht dafür, wie sehr sich Spinner in der Schlussphase seiner Amtszeit isoliert hatte. Es spricht aber auch dafür, wie tief gespalten der Verein nach sieben Jahre unter dem nun Ex-Präsidenten daher kommt.

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Dennoch: Werner Spinner gebührt großer Respekt für seine ersten Jahre als Clubchef der „Geißböcke“. Er hat, nicht im Alleingang, den Club saniert und aufs richtige Gleis gesetzt. Die Früchte dieser Entscheidungen durfte er genießen, obwohl er in eben jenem Erfolg die größten Fehler machte. Im Gegensatz zu seinen Vizepräsidenten war Spinner zudem stets jemand, der in der Sache Positionen bezog und für sie stritt. Ihm gebührt allerdings ebenso Kritik für den beispiellosen Absturz des Vereins, an dem er einen gehörigen Anteil hat. Der 1. FC Köln steht zwar finanziell deutlich besser da als vor seinem Amtsantritt, doch sportlich ist er abermals um Lichtjahre hinter die Konkurrenz zurückgefallen.
Am Ende war der vorzeitige Abschied wohl eine Erlösung für alle Beteiligten – eine Schlammschlacht zum Schluss hätte den Eindruck der Präsidentschaft wohl endgültig getrübt. Trotz aller Kritik, die auch hier immer wieder lautstark geäußert wurde, hätte er einen anderen Abgang verdient gehabt. Thank you, Mister President!