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Zum Rücktritt von Werner Spinner: Thank you, Mister President!

Der Präsident, der den 1. FC Köln in den Europapokal zurückführte, tritt vorzeitig zurück. Dass es keinen glanzvolleren Abschied gibt, hat Werner Spinner auch sich selbst zuzuschreiben.

COLOGNE, GERMANY - AUGUST 02: Werner Spinner, president of Koeln looks on prior to the Colonia Cup 2015 match between 1. FC Koeln and FC Valencia at RheinEnergieStadion on August 2, 2015 in Cologne, Germany. (Photo by Christof Koepsel/Getty Images)
Foto: Christof Koepsel/Getty Images

Da half neben allem wirtschaftlichem Geschick der Vereinsverantwortlichen auch der Schulterschluss mit den eigenen Anhängern. Eine Fan-Anleihe über 12,5 Millionen Euro retteten den dreimaligen Deutschen Meister vor dem Bankrott. „Das war für mich schon sehr bewegend, dass die Liebe der Fans zum FC so groß ist, um kurzfristig so viel Geld zusammenzubekommen. Die 5.500 Menschen, die Anleihen zeichneten, haben den FC gerettet“, betonte Spinner. Auch die Stadt half im Laufe der Zeit mit, unterschrieb nach einigen Verhandlungsrunden einen neuen Pachtvertrag für das Müngersdorfer Stadion, der den Verein zunächst in der 2. Bundesliga finanziell deutlich entlastete.

Spinner mit glücklichem Händchen in Personalfragen

Die wirtschaftliche Konsolidierung gelang zunehmend, doch sportlich hatten die „Geißböcke“ zunächst große Sorgen. Der Neustart nach dem Abstieg schien zunächst mit einer jungen Mannschaft unter Trainer Holger Stanislawski fehlzuschlagen, doch das Vertrauen in den Club war bei den Fans zurück – auch dank Spinners unermüdlichem Dialogbestreben. „Wenn wir als Repräsentanten des Vereins das Vertrauen der Fans und Mitglieder gewinnen und rechtfertigen, dann verzeihen sie auch Fehler“, erklärte er einst. Und diese Ruhe im Umfeld nutzte der FC unter der Führung des einstigen Wirtschaftsbosses, der mit seinem mangelnden Fachwissen („Ich habe keine Ahnung von Fußball“) stets kokettierte, zur sichtlichen Erholung.

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Das lag auch am glücklichen Händchen, was Personalentscheidungen anbetraf. Spinner eiste den neuen Finanzchef Alexander Wehrle vom VfB Stuttgart los, holte nach Schmadtkes rechter Hand Jörg Jakobs sogar den umworbenen Sportchef aus Hannover ans Geißbockheim. Auf Empfehlung von Uli Hoeneß übrigens, den der FC-Präsident unverblümt auf das Thema angesprochen hatte. „Ich nutzte beim letzten Saisonspiel 2011/12 gegen den FC Bayern München die Gelegenheit und sagte beim Essen zu Uli Hoeneß: ‚Ich bin ein Grundschüler in Sachen Fußball. Geben Sie mir einen Rat, wen soll ich als Geschäftsführer Sport einstellen?’“, schilderte Spinner dem „11Freunde“-Magazin. Die Antwort des Bayern-Machers: Es gebe nur drei oder vier gute Manager – einer davon hieße Jörg Schmadtke.

Spinner macht den 1. FC Köln zum Vorzeigeverein

„Erstklassigkeit zieht Erstklassigkeit nach sich, Zweitklassigkeit zieht dagegen Drittklassigkeit nach sich“, säuselte der FC-Präsident bei der Schmadtke-Verpflichtung. Kurz zuvor holte der Club auf dringende Empfehlung von Sportdirektor Jakobs noch Peter Stöger als neuen Trainer. Es war der Auftakt einer rasanten Erfolgsphase, die erst den Aufstieg, dann die Etablierung in der Bundesliga und schlussendlich das Erreichen des Europapokals nach 25 Jahre langem Warten brachte. Der FC war wieder wer – und galt deutschlandweit als Musterbeispiel für einen seriösen Traditionsclub, der als „schlafender Riese“ zum Leben erwacht wer. Finanziell brachen die „Geißböcke“ einen Rekord nach dem anderen, sportlich waren sie endlich dort angekommen, wo sich die Fans immer hingeträumt hatten. „Den Verantwortlichen sollten sie ein Denkmal bauen“, hörte man des öfteren.

Erstklassigkeit zieht Erstklassigkeit nach sich, Zweitklassigkeit zieht dagegen Drittklassigkeit nach sich!

Doch schon während dieses Erfolgsrauschs knirschte es am Geißbockheim mitunter gewaltig im Gebälk. Jürgen Sieger, der zunächst in der Satzungskommission auf Vermittlung von Werner Spinner aktiv war und später im Aufsichtsrat über die Tätigkeiten der KGaA des 1. FC Köln wachte, wurde im Frühjahr 2016 quasi über Nacht abgelöst. Intern hatte der international renommierte Unternehmensanwalt mehrfach Alleingänge des Präsidiums angemahnt. Insgesamt kühlte sich das Verhältnis zu den Vereinsgremien merklich ab, die Beziehung zur aktiven Fanszene war nach beidseitigen Fehlverhalten ebenso nicht mehr ungetrübt. Die zur Schau gestellte Einigkeit des Vorstands bestand mittlerweile auch nur noch als Fassade.

Spinner Schumacher

Toni Schumacher und Werner Spinner | Foto: Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images

Und wenn sich im Nachgang gefragt wird, wann Werner Spinners Präsidentschaft, die einst so hervorragend begann und zwischenzeitlich nahe am Optimum verlief, zu kippen begann, dann wird es keinen konkreten Moment geben. Es waren vielmehr eine Vielzahl an Faktoren: Zunehmend beratungsresistent verschanzte sich der Vorstand in seiner eigenen Wagenburg. Mitgliederinitiativen wie 100% FC wurden öffentlich abgekanzelt und als Nestbeschmutzer empfunden, auf in- wie externe Kritik reagierte besonders Werner Spinner immer wieder allergisch. Besonders einigen Verantwortlichen der Stadt Köln missfielen seine ständigen Attacken in der Presse – nur wenige Jahre, nachdem die Kommune dem Verein bei der Stadionmiete stark entgegenkam. Der einstige Vereinsvereiner, der Menschenfänger, der Überzeuger Werner Spinner: Er eckte im Verlauf der Zeit mehr und mehr an.

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