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Meinung

Randale und leere Kassen

© effzeh.com

Heute wurden nach dem Spielplan die Ansetzungen der ersten acht Spieltage terminiert und bekanntgegeben. Als Fan den 1. FC Köln kann man diese Ansetzungen durchaus als Frechheit empfinden. Die DFL trägt damit nur zu Problemen bei, die man einzudämmen und gar zu lösen vorhatte. Aber fassen wir noch einmal kurz die Fakten zusammen, bevor wir uns an eine Wertung machen: Vier der ersten acht Spiele finden auswärts statt, drei dieser vier Spiele an einem Werktag.

Das für sich genommen ist mal noch gar kein so großes Problem, obwohl der effzeh bei sieben von acht Ansetzungen an einem Werktag spielt, obwohl generell die Mehrzahl der Spiele am Wochenende stattfindet. Problematisch wird es erst, wenn man sich die Details der Ansetzungen ansieht.

So ist beispielsweise das Topspiel des dritten Spieltags der Gastauftritt beim FC Erzgebirge aus Aue. Auf dem schnellsten Weg sind das gute 500 Kilometer Anreise, vom RheinEnergieStadion gemessen. Nicht einmal ein Flughafen ist dort in der Nähe, gut, das kann man kaum der DFL vorwerfen, dennoch bedeutet diese Ansetzung zwangsweise, dass ich mir einen Tag Urlaub nehmen müsste, um das Spiel vor Ort zu sehen. Und wenn man genauer darüber nachdenkt, sind es sogar zwei Tage Urlaub. Immerhin erwarteten mich nach dem Spiel noch mindestens vier Stunden Heimfahrt.

Das nächste Auswärtsspiel findet am 6. Spieltag in Berlin statt. An einem Freitag. Selbst wenn man freitags nur bis zum Mittag arbeiten muss, reicht das nicht. Mit dem Zug schafft man es nicht rechtzeitig zu Spielbeginn nach Berlin, die Flüge von Köln starten entweder am Vormittag oder Abend. Auch hier wird also wieder ein ganzer Tag Urlaub nötig, um den geliebten effzeh sehen zu können.

Am 8. Spieltag findet das vierte Auswärtsspiel der Saison in Paderborn statt. Mit nicht einmal 200 Kilometern Distanz ist das durchaus realistisch auch nach Feierabend zu schaffen. Zumindest, wenn man früh genug Feierabend machen kann.

Dennoch, bedenkt man, dass der 1. FC Köln eine üblicherweise große Gruppe Anhängerschaft zu jedem Spiel mitbringt, muss man sich zwangsläufig fragen, welche Zielgruppe sich um die Tickets bemühen wird. Als Antwort fallen mir Studenten, Hardcore-Fans aber im Wesentlichen diejenigen ein, die durch Arbeit nicht unbedingt eingeschränkt sind.
Schon oft wurde versucht den Zusammenhang zwischen mangelnder Erwerbstätigkeit und erhöhter Gewaltbereitschaft herzustellen, damit möchte ich persönlich nicht anfange, das steht mir nicht zu. Die Besorgnis in dieser Richtung kann ich mir persönlich aber auch nicht absprechen. Und falls es diesen Zusammenhang gibt, wird es wohl doch ein eher unruhiger Start in die Saison, mindestens auf der Tribüne.

Wie der Titel aber schon sagt, geht es mir hier nicht alleine um die möglichen Verfehlungen einzelner „Fans“ auf den Tribünen. Betrachtet man die Ansetzungen der ersten vier Heimspiele, findet man sofort ein weiteres Problem.

Alle vier bereits terminierten Heimspiele finden an einem Werktag statt.  Zuerst gilt es für die Sandhausener an einem Freitag die grob 260 Kilometer zu überbrücken, für Cottbuser gilt es gar die doppelte Strecke zurückzulegen, ebenfalls an einem Freitag, so man den das Spiel vor Ort verfolgen möchte. Die Hamburger haben ihren Auftritt an einem Montag, wesentlich näher ist es deswegen allerdings nicht mit 425 Kilometern. Zuletzt wären da noch die Anhänger des FSV Frankfurt, die nur 200 Kilometer zu fahren haben und dafür den schnellen ICE nutzen können. Allerdings an einem Dienstag. Okay, hier wäre Mittwoch die Alternative gewesen, kein Vorwurf also.

Mal abgesehen davon, dass das Spiel gegen Sandhausen ohnehin vor kleinerer Kulisse stattfinden soll, ist es auch nicht sonderlich wahrscheinlich, dass viele Energie-Fans am Freitag aus Cottbus nach Köln kommen. Und die Bedenken gegenüber den Fans, die kommen, habe ich gerade bereits angesprochen. Selbst wenn alle Tickets auf Kölner Seite verkauft werden, rechne ich realistisch mit 16.500 bzw. 46.000 Zuschauern in den ersten beiden Heimspielen. Ein verlängertes Wochenende in Köln mag durchaus attraktiv sein für den Hamburger als solches, ein paar Anhänger dürften sich auch hier finden lassen. Andererseits sind Montagsspiele nicht sonderlich beliebt, sagen wir also 45.000 Zuschauer. Wie viele Frankfurter sich an einem Dienstagnachmittag nach Köln verirren wage ich kaum zu schätzen, ich unterstelle auch einfach auch hier 45.000 zahlende Gäste.

Rechnen wir zusammen, wie viele leere Plätze den Ansetzungen geschuldet sind:
1.500 Sandhausener Fans für ein Spiel am Wochenende
2.000 Cottbuser bei der Distanz
Die anderen beiden Spiele ließen sich eher nicht vermeiden, Topspiel gegen St. Pauli war zu erwarten, in der Woche ist Frankfurt vielleicht noch eine sehr gute Wahl.

Dennoch sprechen wir hier von mindestens €100.000 Einnahmen aus Karten, Catering und Spontankäufen im Fanshop, die dem effzeh entgehen. Neben dem finanziellen Schaden, der den Verein durch den Teilausschluss des Publikums beim ersten Heimspiel erwartet, kann man problemlos sagen, dass die DFL den Club mehr Geld kostet als der Verkauf von Mitchell Weiser eingebracht hat.

Von der Außendarstellung mal ganz zu schweigen, wenn die Befürchtungen eintreffen.

Na dann, vielen Dank.

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