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Meinung

Offener Brief an die Verantwortlichen des 1. FC Köln: „Ich bitte um Entschuldigung“

Nachdem FC-Sportchef Horst Heldt die überzogene Erwartungshaltung der Anhängerschaft kritisierte, zieht FC-Fan Daniel Gäbler Konsequenzen und entschuldigt sich in einem offenen Brief bei der Vereinsführung.

Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Images

Im Vorfeld der Auswärtsniederlage gegen den 1. FC Union Berlin wurde von Kölner Verantwortlichen erneut die sogenannte Erwartungshaltung in Köln thematisiert. In Köln könne man nicht einfach nur auf Klassenerhalt spielen, wie in Paderborn, erklärte Neu-Geschäftsführer Horst Heldt und auch der neue Trainer, Markus Gisdol, schlug in die gleiche Kerbe. Alles nicht so einfach mit diesem Kölner Umfeld – so lautete – mal wieder – die Botschaft. Einen langjährigen Fan des 1. FC Köln hat das nun nachdenklich gestimmt. Daniel Gäbler richtete  im effzeh-forum bereits vor einigen Tagen offene Worte an die Verantwortlichen im Geißbockheim. effzeh.com dokumentiert den Beitrag mit Genehmigung des Autors hier in voller Länge.

Offener Brief an die FC-Verantwortlichen

Lieber Mitgliederrat, lieber Vorstand, liebe Geschäftsführung und wer auch immer sich angesprochen fühlt.

Ich möchte mich hiermit aufrichtig für meine überhöhte Erwartungshaltung entschuldigen. Wie es auch unserem neuen Geschäftsführer, Horst Heldt, und unserem neuen Trainer, Markus Gisdol, sofort aufgefallen ist, hat die Erwartungshaltung des Umfeldes des 1.FC Köln eine Atmosphäre geschaffen, in der ein professionelles Arbeiten nicht möglich ist.

Mein Anspruch an leitende bzw. geschäftsführende Angestellte der 1. FC Köln GmbH & Co. KG und den Vorstand des 1. Fußball Club Köln 01/07 e.V. ist deutlich zu hoch. Das muss ich nun einsehen. Der Fußball im Allgemeinen und der 1.FC Köln im Besonderen entziehen sich offenkundig jedem Mindestanspruch an Professionalität und Motivation, die für jedes Mitglied und jeden Fan im eigenen beruflichen Umfeld selbstverständlich sind.

Ich muss akzeptieren, dass Ambitionslosigkeit, Faulheit, Selbstgefälligkeit, Kritikunfähigkeit sowie unverschämte Arroganz Teil der FC-DNA sind.

SAARBRUECKEN, GERMANY - OCTOBER 29: Fans wave flags prior to the DFB Cup second round match between 1. FC Saarbruecken and 1. FC Koeln at Ludwigspark Stadion on October 29, 2019 in Saarbruecken, Germany. (Photo by Alex Grimm/Bongarts/Getty Images)

Foto: Alex Grimm/Bongarts/Getty Images

Ich glaubte, bescheiden geworden zu sein, was meinen Club betrifft. Ich erwartete keine Titel und ruhmreichen Europapokalschlachten mehr. Harte Arbeit, Courage und Ehrgeiz wollte ich nur noch sehen. Mithin nur das, was auch von jedem anderen erwartet wird. Stattdessen muss ich mit den Ausreden und Schuldzuweisungen leben, die mir als Fan und Teil des Umfeldes eine Mitschuld geben. Aber nun gut, die Anhänger des 1. FC Köln hatten schon immer die breiteren Schultern als die bezahlten Verantwortlichen. Wenn es dem Erfolg zuträglich ist, werde ich selbstverständlich meinen Teil der Verantwortung tragen.

Ich muss auch nicht Teil der FC-Wagenburg sein, die die zarten Seelchen von der Geschäftsführung bis zur Mannschaft mit Selbstzufriedenheit wärmt. Auch wenn ich manchmal gerne etwas von dieser Teflonbeschichtung hätte, die jede Übernahme von Verantwortung abperlen lässt.

Dass sich diese Arroganz und Selbstzufriedenheit auch an der Mentalität der Mannschaft ablesen lässt, muss ich ebenfalls hinnehmen. Es ist eben keine leistungsfördernde Atmosphäre möglich, wenn Selbstkritik, Motivation und Ambitionen nirgendwo vorgelebt werden. Wobei das ja auch nicht ganz richtig ist. Es gibt schon ein paar Leute beim FC, die Ambitionen haben. Die müssen sich zwar nicht mit den Zielen des Clubs decken, aber wer sich selbst für eine große Persönlichkeit hält, der will auch große Räder drehen. Welcher Dauergast der zweiten Liga hat schon eine Arena für 75.000 Zuschauer und ist eine große Nummer in China?

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Ich gebe auch zu, dass man es als Verantwortlicher beim FC nicht leicht hat. Es erscheint zwar den meisten Leuten paradox, aber beim FC kann man so gute Arbeit leisten, dass man damit schon wieder erfolglos ist. So sei der Kader laut Horst Heldt wirklich gut, aber leider nicht für den Abstiegskampf zusammengestellt. Ein größeres Kompliment kann man dem Vorgänger gar nicht machen. Und die Mannschaft hat gleich auch wieder die Bestätigung, dass es nicht an ihr liegen kann. Es liegt eben am Umfeld! Ohne mich, ohne uns wäre der FC schon lange Dauergast in der Champions League. Vielleicht sollte ich mal eine gewisse Zeit nicht mehr hingucken und die Profis einfach machen lassen. Es behagt nicht jedem, wenn über die Schulter geschaut wird.

Bis dahin bitte ich um Verzeihung für meine überzogenen Erwartungen.

Herzliche Grüße,

Daniel Gäbler
(Fan, Vereinsmitglied, Unruhestifter)

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