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Meinung

Neues Duo beim 1. FC Köln: Heldt und Gisdol sind eine Bankrotterklärung des Vorstands

Mit dem Duo aus Gisdol und Heldt fügt sich der Vorstand dem Wunsch der Geschäftsführung. Ein Konzept ist nicht erkennbar. Ein Kommentar.

Das Team Sauren, Wolf, Sieger | Foto: effzeh.com

Als Werner Wolf gestern sein neues Leitungsduo im Sportbereich vorstellte, wirkte er zufrieden: „Wir haben uns Zeit genommen, eine neue sportliche Führung zu finden. Das systematische Vorgehen ist belohnt worden.“ Das hätte wohl jeder FC-Fan gerne unterschrieben. Doch die „Belohnung“ bestand nicht aus einem Duo, das für nachhaltige Entwicklung, Innovation oder Aufbruchsstimmung steht. Denn der Präsident stellte Markus Gisdol und Horst Heldt vor.

Beide starten ohne jeden Bonus. Die Erwartungen sind gering, beide wissen, dass sie nicht die Wunschlösungen waren. Während sich für Gisdol aber wenigstens Wörter wie „Feuerwehrmann“ als Rechtfertigung für seine Einstellung abrufen lassen, übertrifft die Entscheidung für Horst Heldt als Sportchef schlimmste Befürchtungen. Erst wenige Tage zuvor lehnte der Gemeinsame Ausschuss ihn mehrheitlich ab, kurz darauf fiel er mehrheitlich um. Der Druck, den Alexander Wehrle, Frank Aehlig und Jörg Jakobs ausübten, wurde für einige Mitglieder offenbar zu groß. Sie wollten ihre Wunschkandidaten – und bekamen ihren Willen. Werner Wolf, der noch am Samstag in Interviews betont hatte, Qualität und nicht Tempo seien bei der Personalsuche maßgeblich, schwenkte in recht beachtlichem Tempo wieder um.

Chance ja, Glaube nein

Fotos: Friedemann Vogel/Maja Hitij/Bongarts/Getty Images

Im Express fordert Alexander Haubrichs nun, das Umfeld solle beiden Zeit geben, sie hätten „eine Chance verdient“. Darum muss sich niemand sorgen, es bleibt ja ohnehin nichts anderes übrig. Angesichts der bisherigen Karrieren von Heldt und Gisdol erstickt allerdings der Glaube auf eine langfristig positive Entwicklung im Keim. Immerhin: Beide können im Grunde nur positiv überraschen, denn auch angesichts eines Berichts aus Hannover rechnet man mit dem Schlimmsten.

Markus Gisdol rettete Hoffenheim und Hamburg vor dem Abstieg. Dabei halfen beide Male viel Glück in den letzten Saisonspielen. In Hamburg hinterließ er so viel verbrannte Erde, dass viele Hanseaten glaubten, Gisdol habe sich langfristig für weitere Anstellungen disqualifiziert. Immerhin wirkte er auf der Kölner Pressekonferenz reflektiert und schien sich bereits intensiv mit dem Kader befasst zu haben. Er erweckte einen aufgeräumten Eindruck, der Optimisten an eine Widerlegung seines Rufs glauben lässt.

Für Heldt spricht wenig

Für Horst Heldt als neuen Geschäftsführer Sport spricht dagegen nur wenig. Auch wenn einige Medien und Fans nun versuchen, seinen Bezug zu Köln als überragende Qualifikation für das Amt zu verkaufen. Schon das zeigt, zu welchen Argumenten man derzeit greifen muss, um Heldt als gute Verpflichtung zu verkaufen. Der 49-jährige hinterließ jeden Verein in einem schlechteren Zustand, als er ihn vorgefunden hat. Und bei allen heißt es, sie seien froh gewesen, als er weg war.

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In Stuttgart verschlechterte er den Kader für viel Geld durch Spieler wie Pavel Pogrebnyak, auf Schalke kaschierten einzig Nachwuchsspieler wie Neuer, Matip oder Draxler Heldts Missmanagement, Hannover 96 bugsierte Heldt mit einer verfehlten Personalpolitik innerhalb von zwei Jahren in die zweite Liga. Nirgendwo etablierte er Strukturen, die über das Ende seiner Amtszeit hinaus reichten. Angesichts dessen wirkt seine Verpflichtung grotesk, findet er doch beim effzeh eine wesentlich schlechtere Ausgangsbasis als auf seinen vorherigen Stationen vor. Auch der Auswahlprozess muss daher grundlegend in Frage gestellt werden.

Kotau vor Wehrle

Mit Horst Heldt wählte Werner Wolf nicht nur die zu den Problemen des Vereins unpassendste Lösung, sondern auch die für ihn bequemste. Zugleich erfüllte er Alexander Wehrle einen großen Wunsch. Der Finanzchef wollte seinen alten Bekannten schon 2017 nach Köln holen. Als das scheiterte, fädelte Wehrle die Verpflichtung Armin Vehs ein – mit bekanntem Ende. Dass Präsident Wolf nun Heldt als Nachfolger Vehs präsentiert, gleicht einem Kotau vor seinem Geschäftsführer.

Foto: Jörg Schüler/Bongarts/Getty Images

Sichtlich zufrieden lobte Wehrle auch auf der Pressekonferenz die Entscheidung für Heldt. Eingeschüchtert von einer Presse, die die Strukturen des 1. FC Köln verfälscht darstellte, „Interna“ streute und Gerüchte über einen vorzeitigen Abschied Wehrles veröffentlichte, hatte der Vorstand sich zunächst mit einer Mitteilung ohne große Not hinter Wehrle gestellt, mit Heldts Berufung ist man nun sogar bei wichtigen Personalentscheidungen der vermeintlichen Expertise des Schwaben gefolgt. Wehrles Taktik funktionierte perfekt. Er geht aus dem Prozess als starker Mann des Klubs hervor.

Unterstützt wurde Wehrle dabei von Frank Aehlig und Jörg Jakobs. Aehlig plauderte zunächst die Absage Bruno Labbadias aus und schürte so unnötig die Diskussion darüber, ob die Kölner Strukturen oder der FC an sich gutes Personal abschrecken würden. Danach durfte der von Armin Veh nach Köln geholte Kaderplaner seinen neuen Chef mitaussuchen und kehrt nun in seine alte Funktion zurück. Auch Jakobs legte sich im Hintergrund als Vorstandsberater massiv für Heldt ins Zeug. Sein Einfluss wird nun ebenfalls ausgeweitet. Dabei lässt seine Fürsprache für Heldt aus genannten Gründen durchaus Zweifel an seiner Fachkompetenz aufkommen. Mehrfach hätte Jakobs selbst den Job haben können, doch stets zog er die Rolle im Hintergrund vor. Zumindest die scheint er aber erfolgreich zu spielen, wie die jüngsten Entscheidungen beweisen.

Der Vorschlag des Mitgliederrats: Eine Fehleinschätzung

Horst Heldts Verpflichtung enttäuscht alle, die auf die Etablierung nachhaltiger Strukturen im Sportbereich hofften. Sie fällt auch auf den Mitgliederrat zurück, der sich bei der Auswahl seines Vorschlags für ein Präsidium offensichtlich blenden ließ. Nicht nur Werner Wolf wirkt zunehmend wie ein Getriebener, auch der für Sport zuständige Vizepräsident Eckhard Sauren kann mit Heldts Verpflichtung nicht punkten. Das verantwortet auch der Mitgliederrat. Sein Vorstandsvorschlag beruhte offensichtlich an einigen Stellen auf deutlichen Fehleinschätzungen.

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Selbst in dem vom Express skizzierten Fall, dass der Vertrag mit Heldt beidseitige Kündigungsoptionen zum Saisonende vorsieht und der effzeh davon Gebrauch machen sollte, verliert der Club viel Zeit und Geld. Von Heldt ist angesichts seiner Biografie als Manager wenig Substanzielles zu erwarten, dafür aber viel Schwärmerei über Köln und den Verein. Das begann bereits bei seiner Vorstellung. Der Ex-Profi verlor wenig Worte darüber, was er beim effzeh eigentlich konkret verändern möchte, lediglich die Stichpunkte „erfolgreicher Fußball spielen“ und „die Gemeinschaft stärken“ lieferte der neue Sportchef ab.

Markus Gisdol gab derweil etwas mehr Einblicke in seine Pläne. Kurzfristig kommt dem neuen Trainer ohnehin eine größere Bedeutung zu. Bei ihm besteht immerhin die geringe Hoffnung auf eine Wende zum Positiven. Bei Heldt spricht derweil nichts dafür. Seine Verpflichtung ist für einen Vorstand, der Strukturen schaffen und so eine gute Zukunft des Clubs sicher stellen soll, eine Bankrotterklärung.

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