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Mitgliederversammlung des 1. FC Köln: Ein emotionaler Sonntag mit einigen Turbulenzen

Der 1. FC Köln hat nach einer turbulenten Mitgliederversammlung einen neuen Präsidenten. Der Verein präsentierte sich allerdings in der Kölnarena abermals tief gespalten.

Foto (Archiv): Sebastian Bahr

Es war bereits nach 19 Uhr, als Werner Wolf die Mitgliederversammlung des 1. FC Köln beendete. Der neue Präsident der „Geißböcke“ war zusammen mit seinen Vorstandskollegen Jürgen Sieger und Eckhard Sauren bei einer emotional turbulenten Veranstaltung in der Kölnarena von den anwesenden Vereinsmitgliedern mit deutlicher Mehrheit ins Amt gewählt worden. 78,2 Prozent der Stimmen entfielen auf das Trio – das sich in einer hitzigen Aussprache den kritischen Anmerkungen und Fragen stellen musste – um den einstigen Bitburger-Manager, der nun als zehntes Vereinsoberhaupt die Geschicke des ersten Bundesliga-Meisters der Geschichte lenken wird.

„Wir sind sehr zufrieden – das ist mehr, als wir erwartet hatten. Mit fast 80 Prozent kann man gut leben. Wir haben um ein klares Votum gebeten, wir haben es bekommen“, betonte Wolf nach der Wahl sichtlich erleichtert. „Sie haben die Stimmung in der Halle mitbekommen. Jetzt liegt eine große Aufgabe vor uns, nämlich wieder beide Parteien an einen Tisch zu holen und ihnen das Gefühl zu geben, dass sie gehört und mitgenommen werden“, erklärte der neue effzeh-Präsident angesichts der hitzigen Atmosphäre, die in den mehr als sechs Stunden immer wieder aufflammte.

Es war einmal mehr eine denkwürdige Mitgliederversammlung. Eine Mitgliederversammlung, die zeigte, wie intensiv über eigentlich als dröge verschriene Vereinsthemen gestritten werden kann. Eine Mitgliederversammlung, die zeigte, wie leidenschaftlich sich die FC-Fans mit ihrem Verein identifizieren – manchmal sogar über die verbalen Schmerzgrenzen hinaus. Eine Mitgliederversammlung, die allerdings auch zeigte, wie tief gespalten der Club nach sieben Jahren Amtszeit des vorherigen Präsidiums ist. Immer wieder wurde deutlich, wie weit entfernt die beiden Lager voneinander doch sind, obwohl sie die Liebe zum 1. FC Köln eint. Zwischenrufe der unfeinen Art, Buh- und Schmährufe, Streitigkeiten verbaler Natur auf den Rängen: Es gab viel Unschönes zu bewundern auf der Mitgliederversammlung dieses „feinen Vereins“.

Spinner bittet um Vertrauen für neuen Vorstand

Foto: effzeh.com

Das begann schon recht früh an diesem Sonntagnachmittag: Nach den umfangreichen Ehrungen der erfolgreichen effzeh-Teams und langjähriger Vereinsmitglieder wie dem ehemaligen Spieler und Manager Karl-Heinz Thielen wurde es bei den Jahresberichten zunehmend ernst. Werner Spinner, der aufgrund beruflicher Verpflichtung nicht anwesend sein konnte, schickte eine Grußbotschaft und bat um Stimmen für den vom Mitgliederrat vorgeschlagenen Vorstand. „Schenken sie bitte der neuen Führung des 1. FC Köln das gleiche Vertrauen, das sie auch mir geschenkt haben“, ließ Spinner von Sitzungsleiter Karl-Ludwig Kley, dessen Zeit im Beirat des Vereins mit dieser Mitgliederversammlung endete, verkünden.

Danach wurde es erstmals richtig turbulent: Insbesondere die scheidenden Vorstände Markus Ritterbach und Toni Schumacher nutzten ihre Reden nicht nur zum Rückblick auf die vergangenen Jahre, sondern auch zum Verbalangriff auf Kritiker und Vereinsgremien. Entgegen ihrer Marschroute, sportlich bleiben zu wollen, suchten sie zahlreiche Gelegenheiten, nochmals mit den Beteiligten abzurechnen. Standing Ovations und Pfeifkonzerte wechselten sich in der Kölnarena bei den Reden des Duos fast sekündlich ab. Schumacher verkündete, er verspüre keinen Zorn. Es wirkte wahrlich anders. Ritterbach versprach nicht nachtreten zu wollen und, getreu seinem Motto, „lieber für den 1. FC Köln einen Treffer kassieren und hinnehmen“ zu wollen. Auch daran wurde sich leider seitens der Vizepräsidenten nicht gehalten – ein Affront gegenüber den Mitgliedern, gegenüber den Gremien und gegenüber dem Verein im Gesamten.

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Erfreulicher waren dagegen die Reden der Geschäftsführer: Alexander Wehrle verkündete in einem schwungvollen Vortrag einmal mehr einen Gewinn – trotz der Bemühungen, den Abstieg in die 2. Bundesliga sofort auszubügeln. „Unser großes Ziel war der sofortige Wiederaufstieg. Hätten Sie mich vor der Saison gefragt, wäre ich mit der Zielerreichung Aufstieg auch bereit gewesen, einen kleinen Verlust zu akzeptieren. Aufstieg und positives Ergebnis in Liga 2 sind eine fantastische Leistung auf allen Ebenen“, sagte der Finanzgeschäftsführer des 1. FC Köln, der für das kommende Geschäftsjahr allerdings aufgrund der Investitionen einen Verlust in Aussicht stellte. „Wir sind ein Fußballclub, keine Bank – es zählen in der Tabelle Punkte, keine Euros“, unterstreicht Wehrle die Anstrengungen, um den Klassenerhalt zu erreichen. Man gehe aber kein Risiko ein – es sei genügend Eigenkapital vorhanden, um ein Jahr mit Verlust zu verkraften.

Geißbockheim-Erweiterung mehrmals Thema

Immer wieder kamen die Verantwortlichen des 1. FC Köln auf die Erweiterung des Geißbockheims zu sprechen. Den Gegenwind seitens der Oberbürgermeisterin Henriette Reker konterten sowohl Wehrle als auch Armin Veh in ihren Reden. Von „machtpolitischen Spielchen“ (Wehrle) lasse sich der effzeh nicht aus seiner Heimat im Grüngürtel vertreiben. Das Vorhaben sei wichtig, um im Wettbewerb mit der Konkurrenz mithalten zu können. Veh schob dabei eine deutliche Spitze gegen die Oberbürgermeisterin hinterher: „Wenn sie keinen Spitzensport in Köln wollen, dann sollen sie es einfach sagen, Frau Reker“, erklärte der FC-Sportchef und erntete großen Applaus bei den FC-Mitgliedern. Auch ein möglicher Stadionausbau kam zur Sprache – Wehrle versprach, dass es mit ihm „kein Harakiri“ gäbe. „Wir werden durch kein Bauvorhaben dieser Welt die Existenz des Vereins aufs Spiel setzen“, so der Finanzgeschäftsführer: „Es ist unsere unternehmerische Pflicht, diese historische Chance für den Verein und die Stadt zu prüfen!“

Besonders emotional wurde es allerdings nach dem Jahresbericht des Mitgliederrats, denn die allgemeine Aussprache stand auf der Tagesordnung. Insbesondere von den Kritikern des bisherigen Vorstands gingen Wortmeldungen ein – immer wieder kam die Sprache auf Werner Spinners WhatsApp-Nachricht, deren Inhalt an Armin Veh durchgesteckt wurde. Eine glaubwürdige Antwort erhielten die FC-Mitglieder an diesem Sonntag allerdings nicht – auch das sprach eine deutliche Sprache. Häufiger musste der umsichtige und ruhige Sitzungsleiter Kley eingreifen, um die Gefühlswallungen des Publikums unter Kontrolle zu halten. Das lag auch daran, dass sich gerade Markus Ritterbach und Toni Schumacher bei der Beantwortung der Mitgliedermeldungen nicht sonderlich souverän zeigten. Mitunter spielte „Tünn“ demonstrativ mit seinem Smartphone – ob er dabei eine Sprachnachricht weiterleitete, war nicht zu erkennen.

Neuer Vorstand mit Motto: „Gemeinsam gewinnen wir alle“

Foto: effzeh.com

Wenig zielstrebig ging es nach der Aussprache und der Annahme eines Satzungsänderungsantrags und den Entlastungen in den Höhepunkt des Tages über: Die Wahl des neuen Präsidiums. In drei eher wenig überzeugenden Vorstellungsreden präsentierten sich die Kandidaten Werner Wolf, Jürgen Sieger und Eckhard Sauren. „Wir drei sind Dienende unseres Vereins. Wir sind kein Triumvirat und kein Dreigestirn, sondern wir wollen die Spitze eines Teams sein, das aus Mitarbeitern, Ehrenamtlern, Gremien und euch, den Mitgliedern, besteht“, betonte Wolf einmal mehr den Teamgedanken und unterstrich damit das Motto „Gemeinsam gewinnen alle“. Sieger stellte noch einmal klar, dass der Verein keine Anteile verkaufen werde – und dass die vor dem Club liegenden Aufgaben keine leichten sein werden. Sauren dagegen widmete sich vermehrt dem sportlichen Teil und schilderte nochmals, warum aus seiner Sicht Sportkompetenz im Vorstand keine Frage von Länderspielen sein muss.

Nach diesem eher langatmig daherkommenden Prozedere ging es über zum wohl hitzigsten Teil der Veranstaltung: Der Aussprache zur Vorstandswahl. Es ging heiß her: Vorwürfe an das zur Wahl stehenden Vorstandsteam, Vorwürfe an den Mitgliederrat, Vorwürfe an die Medien, Vorwürfe an einige FC-Fanclubs. Die Spaltung des Clubs war selten so deutlich zu erkennen, wie in diesen Momenten. In Ruhe versuchte das Trio die Fragen zu beantworten und stellte dabei zunehmend Dinge klar, die es entweder nicht gesagt hatte oder die aus dem Zusammenhang gerissen wurden. Die Wahl verlief derweil unspektakulär: Nach einer kurzen Auszählung wurde das deutliche Ergebnis verkündet. Mehr als drei Viertel der anwesenden Mitglieder hatten dem neuen Präsidium ihre Stimme gegeben – zwischenzeitlich hatte es durchaus nach anderen Mehrheitsverhältnissen ausgesehen.

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Nach einer über sechsstündigen Sitzung strahlte das „Wolf-Rudel“, wie es der „Express“ getauft hatte, über ein ordentliches Ergebnis. Doch die Mitgliederversammlung machte auch klar, dass in näherer Zukunft noch viel Überzeugungsarbeit geleistet werden muss, damit die aufgerissenen Gräben zugeschüttet werden können. „Du kannst solche Sachen wie wir sie heute erlebt haben, nur im Dialog lösen – und den Dialog müssen wir heute beginnen“, verkündete Wolf und versprach gleichzeitig, auch auf die scheidenden Vizepräsidenten Ritterbach und Schumacher zuzugehen. „Da bleibt nichts hängen. Ich bin dialogbereit, unsere Hand bleibt ausgestreckt. Es ist die Aufgabe eines neuen Präsidiums, großzügig an die Sache ranzugehen und zu sagen: Das ist Schnee von gestern. Wir müssen in der Lage sein, und sind das auch, zu sagen: Wir drücken auf einen Knopf, wir fangen neu an und geben jedem die Hand. Wenn sich der Staub gesetzt hat, dann werden wir den Dialog fortsetzen – das war immer mein Ziel.“

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