Folge uns
.

Analyse

1:3-Niederlage in Leverkusen: Völlig chancenlos gegen Havertz und Co.

Der 1. FC Köln taumelt dem Saisonende entgegen. Auch in Leverkusen unterliegt die Gisdol-Elf verdient. Warum? Das erklärt unsere Analyse.

Foto: Sascha Steinbach/Pool via Getty Images

Auch im siebten Spiel nach der Wiederaufnahme des Spielbetriebs in der Bundesliga gibt es für den 1. FC Köln nichts zu holen: Gegen Champions-League-Aspirant Bayer Leverkusen unterliegt das Team von Markus Gisdol verdient mit 1:3. Einer schwachen ersten Halbzeit folgte eine ordentliche Phase von etwa 20 Minuten, in der die „Geißböcke“ verkürzen konnten – danach übernahmen aber wieder die Gastgeber die Kontrolle, erhöhten auf 3:1 und sicherten sich damit den Sieg im Nachbarschaftsduell.

Vor Beginn der Partie hatte die Aufstellung des 1. FC Köln bei einigen Beobachtenden für Überraschung, bei anderen für Kopfschütteln gesorgt. Gisdol schickte mit Jhon Cordoba und Anthony Modeste zwei Stürmer ins Rennen, dafür nahmen unter anderem Mark Uth und Kapitän Jonas Hector auf der Bank Platz. Defensiv gestaltete sich die Herangehensweise des FC so, dass in einem 4-4-2 verteidigt wurde, die beiden Sechser Rexhbecaj und Skhiri traten zum Pressing immer wieder aus der zweiten Linie heraus. Auch an der grundsätzlichen Spielidee änderte sich wenig: Nach Ballgewinn möglichst schnell nach vorne in die Spitze spielen und, nun ja, viel Hoffnung mitschicken. Eine kleine Veränderung gab es noch: Anstelle des Tunesiers besetzte die Leihgabe des VfL Wolfsburg die tiefe Position im Kölner Spielaufbau.

Leverkusen setzt gleich am Anfang die Zeichen

Gegen die überaus talentierte und offensivstarke Leverkusener Mannschaft sollte es an diesem Tag nicht reichen. Bei den Gastgebern spielen mit Kai Havertz, Moussa Diaby und Charles Aranguiz drei auf ihrer Position jeweils überdurchschnittlich gute Fußballer in der Bundesliga. Während die Spielintelligenz und Torgefahr von Havertz bereits hinlänglich bekannt sind, waren es im Spiel gegen die Kölner auch die Dribbelstärke von Diaby und die Pressingresistenz von Aranguiz, die bereits in kleinen Szenen den Unterschied ausmachten. Bereits nach drei Minuten setzte Havertz den Rechtsaußen Diaby in Szene, doch Katterbach konnte gerade noch retten. Bereits früh zeichnete sich ab, dass die Leverkusener Außenspieler im direkten Duell mit den Kölner Verteidigern überlegen waren.

Foto: Sascha Steinbach/Pool via Getty Images

Bailey auf links und Diaby auf rechts zwangen Ehizibue (und Drexler) bzw. Katterbach (und Thielmann) immer wieder in Laufduelle, die meistens die Leverkusener für sich entscheiden konnten. Daher rührten dann auch einige Eckbälle zu Beginn der Partie, von der die fünfte die Leverkusener Führung nach gerade einmal sieben Minuten brachte. Auch in den Minuten danach sorgte Diaby durch Dribblings und Hereingaben immer wieder für Gefahr. Am Ende der Partie standen sechs erfolgreiche Dribblings für den bei PSG ausgebildeten Linksfuß zu Buche. Insgesamt ging die Anfangsviertelstunde deutlich an die Werkself, die zwei Drittel des Ballbesitz für sich verbuchen konnte.

Der 1. FC Köln wird erst nach der Pause besser

Beim FC gab es durchaus Gelegenheiten, aus eigenem Ballbesitz schnell nach vorne zu spielen, das Problem war allerdings wie so oft in den letzten Wochen die Qualität der Pässe. Zu häufig misslangen den Akteuren aus der Domstadt der letzte Steilpass oder die Hereingabe von der Grundlinie, sodass im ersten Durchgang nur ein hoffnungslos schlecht getretener Freistoß von Rexhbecaj der einzige Torschussversuch blieb. Die Leverkusener ihrerseits zogen gegen Ende der ersten Halbzeit Tempo und Zielstrebigkeit wieder ein wenig an, erst scheiterte Havertz mit einem Abschluss, danach fiel aber doch das 2:0: Aranguiz hatte clever mit einer Hackenablage das große Talent des deutschen Fußballs freigespielt, das dann auf Wendell die Seite wechselte. Den Steilpass des Brasilianers verarbeitete Bailey mit einem Pass von der Grundlinie in den Rücken der Abwehr, wo Havertz mittlerweile durchgelaufen und völlig unbedrängt (seinen Laufweg hatte gar kein Kölner Verteidiger auf dem Schirm) einschießen konnte.

Nach der Pause agierte der FC etwas mutiger, zeigte sich präsenter im Gegenpressing und gewann daher früher die Bälle zurück. Daraus resultierten erste Torannäherungen von Thielmann und Rexhbecaj, die größte Chance vergab aber Cordoba, der per Flugkopfball und nach Flanke von Bornauw das Ziel verfehlte. Zuvor hatte der Belgier als Innenverteidiger hoch im Feld das Spielgerät gewonnen – eine Szene, die sinnbildlich für die kurzfristige Steigerung der Kölner stand. Kurz darauf traf der Blondschopf zum 1:2, vorausgegangen war ein Eckball von Rexhbecaj. Die Kölner waren also plötzlich wieder einigermaßen im Spiel, mit Leistner und Höger waren zudem zwei neue Spieler gekommen. In der Folge verpuffte die Kölner Leistungssteigerung aber wieder, weil Leverkusen seinen Elan verstärkte und Ball und Gegner wieder mehr kontrollierte. Der FC blieb ohne Abschluss, sodass Diaby nach 83 Minuten das Spiel entschied.

Nur noch zwei Spiele, dann ist es vorbei

Der Franzose bekam im Mittelfeld den Ball von Havertz, zog das Tempo an und an Leistner vorbei, bevor er aus spitzem Winkel Horn überwand. Mit dem 3:1 war das Spiel gegessen, den Kölnern fehlte nach den ordentlichen Minuten nach der Pause der Hebel, um das Spiel gänzlich zum Kippen zu bringen. Verdient wäre es sowieso nicht gewesen, weil Bayer in allen individuellen und mannschaftlichen Aspekten an diesem Tag deutlich überlegen war. Der 1. FC Köln spielte in 90 Minuten gerade mal etwas mehr als 200 erfolgreiche Pässe, was nicht wirklich für attraktiven Fußball steht. Die Laufleistung, die komischerweise manchmal als einziges relevantes Leistungskriterium herangezogen wird, steigerte sich beim FC, doch was nützt das, wenn man nur hinterherläuft?

Mit dem Heimspiel gegen Frankfurt besteht am Samstag die nächste Möglichkeit für das Team von Markus Gisdol, die negativen Eindrücke aus den letzten Wochen verschwinden zu lassen. Die Hoffnung auf Besserung, gerade wegen der kurzen Regenerationszeit, ist allerdings klein.

Mehr aus Analyse

.