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Ehrentribüne

Lebenswege beim 1. FC Köln: Massimo Cannizzaro – „Der, der den Ball duzte“

Wie ergeht es ehemaligen Jugendspielern des 1. FC Köln, die den Sprung zu den Profis nicht geschafft haben? Autor Kurt Ludwigs traf Massimo Cannizzaro, der, einst ein großes Talent, auch die negativen Seiten des Geschäfts kennenlernte.

Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images

Massimo Cannizzaro kommt drei Minuten vor dem vereinbarten Zeitpunkt zu unserem Interview in das kleine Café in Köln-Widdersdorf. Er hat sich äußerlich kaum verändert gegenüber seiner Zeit beim FC vor 20 Jahren, nur die Haare trägt er etwas kürzer. „Ich bin gerne pünktlich“, erläutert er später in unserem Gespräch und ergänzt mit einem verschmitzten Lächeln: „Typisch deutsch, eigentlich!“

Seine Wurzeln sind allerdings italienisch, genau genommen liegen sie in der sizilianischen Kleinstadt Modica, aus der seine Eltern nach Köln kamen und dort einen Gastronomiebetrieb betrieben. Als der siebenjährige Massimo seinen Eltern mitteilt, dass er fortan nicht mehr nur auf dem Bolzplatz Fußball spielen wolle, sondern den Wunsch äußert, sich dem TSV Rodenkirchen anzuschließen, sind diese zunächst wenig angetan von dem Vorhaben ihres Sohnes und willigen erst nach wiederholtem Insistieren des Filius ein.

„Ich war immer schon stur“, sagt er. „Wenn ich mir etwas in den Kopf setze, dann tue ich alles, um es auch durchzusetzen.“ Ein ehemaliger Spieler des TSV Rodenkirchen sollte später einmal einer seiner ersten Berater werden – Karl-Heinz Thielen, FC-Legende als Spieler, Manager und Vizepräsident. Die vielen Tore, die Massimo Cannizzaro für den Verein erzielt, wecken das Interesse von Fortuna Köln an dem inzwischen 10-jährigen Stürmer.

Das große Vorbild: Roberto Baggio

Da seine Eltern durch die Arbeit im familieneigenen Restaurant sehr eingespannt sind, muss er selber seine Fahrten zum Training in der Südstadt organisieren. In den Duellen der Fortuna gegen Bayer Leverkusen und den 1. FC Köln fällt er den Spähern auf und nach 39 Toren in der letzten Saison beim Südstadt-Club holt ihn Frank Schaefer zum FC. „Das war ein schönes Gefühl, für den größten Verein Kölns und einen der bedeutendsten Clubs Deutschland zu spielen“, erinnert sich Cannizzaro. „Vor allem aber war ich unheimlich stolz darauf, dies alles alleine ohne große Unterstützung erreicht zu haben.“

BOSTON, : Italian forward Roberto Baggio (R) dribbles past Spanish goalkeeper Andoni Zubizarreta to score his team's first goal 09 July 1994 at Foxboro stadium in Boston during their Soccer World Cup quarterfinal game. Italy won 2-1 as Baggio scored twice. AFP PHOTO/TIM CLARY (Photo credit should read TIM CLARY/AFP/Getty Images)

Foto: TIM CLARY/AFP/Getty Images

Aber er will mehr, möchte es seinem Vorbild, dem 56-fachen italienischen Nationalspieler, Weltfußballer 1993 und im gleichen Jahr Europas Fußballer des Jahres,  Roberto Baggio, gleichtun, an dem er sich nicht nur fußballerisch orientiert. „Natürlich war er ein genialer Fußballer, der aber sein Feuerwerk nur auf dem Spielfeld abbrannte. Er war ein vollkommen seriöser Sportler, privat führte er ein Leben ohne Skandale und ohne Glamour“, sagt der ehemalige Fußballer über sein Idol. „Er ist immer noch mit der Frau verheiratet, die er schon seit Jugendtagen kennt. Außerdem hat mir imponiert, wie er nach seinen vielen schweren Verletzungen immer wieder zurückgekommen ist.“

Viele Tore, aber kein Einsatz in einer Jugend-Nationalmannschaft

Baggios Spitzname „„Il Divin Codino“ (zu deutsch: das göttliche Zöpfchen) und die damit verbundene Haartracht ahmt Cannizzaro ab Mitte der 90er Jahre nach. Als er dann in einer Zeit, als die Jugendspieler des FC noch einheitlich schwarze Fußballschuhe tragen, sich auch beim Schuhwerk an den blauen Diadora-Fußballschlappen seines Vorbilds orientieren will, zieht er sich den Zorn seines Trainers zu.

Die U18-Nationalelf hätte mir die Möglichkeit gegeben, international zu spielen. Wer weiß, wie meine Karriere dann verlaufen wäre.

Seinem eigenen Motto „Der Ball muss hinter die Linie“ eifert er aber mindestens ebenso strebsam nach und erzielt für die Jugendteams des FC Tore, viele Tore. So gerät er auch in das Blickfeld von DFB-Trainer Uli Stielike, der ihn für die U18-Nationalmannschaft nominieren möchte. „Das Problem war, dass ich keinen deutschen Pass hatte“, erinnert sich Cannizzaro.

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„Ich wollte auch nicht wirklich die deutsche Staatsbürgerschaft nur wegen einer Berufung zur Jugendnationalmannschaft annehmen. Meine Überlegung war auch, dass, wenn sich der DFB um mich bemüht, eine Einladung des italienischen Fußballverbands in die U18 Italiens nicht lange auf sich warten lassen würde. Dazu ist es aber nie gekommen.“ Der Italiener zuckt bedauernd mit den Schultern. „Das war ein Riesenfehler. Die U18-Nationalelf hätte mir die Möglichkeit gegeben, international zu spielen. Wer weiß, wie meine Karriere dann verlaufen wäre.“

Dank Toren wie am Fließband zum Profivertrag

Tore schießt er weiter wie am Fließband. Die 21 Treffer, die er im zweiten A-Jugendjahr erzielt, bringen ihm den Pokal des besten Torschützen der A-Jugend-Regionalliga West ein. Er ist noch keine 18, als er im Büro des damaligen FC-Managers Hannes Linßen einen Zwei-Jahres-Vertrag beim Geißblockclub unterschreibt und Profi wird. „Ich war auf Wolke sieben“, erinnert sich der ehemalige Vollblutstürmer. „Ein Traum war Wirklichkeit geworden.“

Auf der nächsten Seite: Die Anfänge im Profifußball – und das Verletzungspech.

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