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Lebenswege beim 1. FC Köln: Massimo Cannizzaro – „Der, der den Ball duzte“

Wie ergeht es ehemaligen Jugendspielern des 1. FC Köln, die den Sprung zu den Profis nicht geschafft haben? Autor Kurt Ludwigs traf Massimo Cannizzaro, der, einst ein großes Talent, auch die negativen Seiten des Geschäfts kennenlernte.

Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images

Seine erste Saison als Profi will Massimo Cannizzaro unbedingt im bestmöglichen körperlichen Zustand beginnen und hält sich auch im Urlaub in Italien mit ausgedehnten Strandläufen fit. Am vorletzten Tag seines Urlaubs knickt er bei seinem Strandlauf um und zieht sich eine schwere Meniskusverletzung zu, die ihn ausgerechnet in der wichtigen Saisonvorbereitung für mehrere Wochen außer Gefecht setzt.

Nicht nur wegen dieser Verletzung tut sich der Profi schwer als bei weitem jüngster Spieler in einem Kader, der vornehmlich aus deutlich älteren Spielern besteht. Auch das Verhältnis zu Trainer Ewald Lienen ist nicht einfach. „Natürlich habe ich auch den ein oder anderen Fehler gemacht. Aber ich war jung, erst 18. Ich hätte mir einfach gewünscht, dass man die Fehler anspricht und dann mit mir zusammen versucht hätte, sie abzustellen.“

Zu Beginn der Profikarriere mehr verletzt als auf dem Feld

Weil er die Saisonvorbereitung bei den Profis wegen seiner Blessur verpasst hat, trainiert und spielt er bei der zweiten Mannschaft des FC. Bei einem Spiel in Duisburg zieht er sich eine Verletzung zu, die zunächst als Pferdekuss diagnostiziert wird, sich aber als wesentlich schwerwiegender herausstellt, da Gefäße geplatzt sind und es zu Kalkablagerungen im Oberschenkel kommt. Massimo Cannizzaro fällt über ein Jahr aus.

Das hat mich natürlich enorm in meiner fußballerischen Entwicklung zurückgeworfen.

Er kommt zurück, zieht sich aber eine Verletzung nach der anderen zu: Muskelfaserriss, Bänderriss, doppelter Bänderriss. „In den zwei wichtigsten Jahren nach der U19 war ich fast nur verletzt“, erinnert sich mein Gesprächspartner. „Das hat mich natürlich enorm in meiner fußballerischen Entwicklung zurückgeworfen.“

2002 läuft sein Vertrag in Köln aus. Der damalige Manager Andreas Rettig bietet ihm eine Verlängerung um ein Jahr an, was Cannizzaro jedoch ablehnt. „Ich wollte mich anderen Verantwortlichen präsentieren, einen neuen Anfang machen“, sagt er. Sein damaliger Berater, Thomas Kroth, arbeitet mit Pierre Littbarski zusammen, damals Trainer des MSV Duisburg. Littbarski setzt Cannizzaro in einem Freundschaftsspiel der MSV-Profis in Lüttich ein, das Spiel wird 1:0 gewonnen, der italienische Probespieler erzielt das Tor. Er bekommt einen Vertrag beim MSV, Cannizzaro soll zunächst bei den Amateuren spielen mit der Perspektive, zu den Profis aufzusteigen.

Den Teufelskreis verlassen – Cannizzaro geht nach Italien zurück

Unter Trainer Bernhard Dietz spielt er gut und erzielt bis zum Dezember neun Tore. Norbert Meier, der mittlerweile Littbarski als Trainer abgelöst hat, ist sehr angetan von Cannizzaro und bedeutet ihm, dass er ihn für die Vorbereitung auf die zweite Saisonhälfte zu den Profis hochziehen wolle. Motiviert durch diese Ansage seines Trainers trainiert er auch in der Winterpause täglich, absolviert Laufeinheiten, stemmt Gewichte. Doch dann schlägt wieder das Verletzungspech zu. „Schon nach den ersten Trainingseinheiten mit der Mannschaft spürte ich ein Ziehen im Schambeinbereich“, sagt er. „Ich habe dann einige Wochen versucht, die Schmerzen zu ignorieren und habe weitertrainiert. Schließlich wurde dann eine Schambeinentzündung diagnostiziert.“

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Cannizzaro sucht einen Arzt nach dem anderen auf, eine wirkliche Besserung stellt sich jedoch nicht ein. „Eine Schambeinentzündung ist die fieseste Verletzung, die ein Fußballer haben kann“, befindet er. „Du kannst geradeaus laufen, aber keine Drehungen machen. An einem Tag geht es Dir blendend, am nächsten Tag kannst Du Dich vor Schmerzen kaum bewegen.“ Wieder sollte er für mehr als ein Jahr ausfallen.

Der vom Verletzungspech geplagte Stürmer muss raus, raus aus diesem Teufelskreis von Verletzungen, raus aus Deutschland. Er geht nach Italien, konsultiert auch dort mehrere Ärzte und schließt sich der Equipe Romagna in Milano Marittima an, einer Einrichtung für vertragslose Fußballprofis, ähnlich der, die in Deutschland vom VdV organisiert wird. Dort trifft er unter anderem auf Gigi Orlandini, ehemals Profi bei AC und Inter Mailand und Siegtorschütze für Italien im U21-Europameisterschaftsfinale gegen Portugal 1994.

Auf der nächsten Seite: Die Rückkehr nach Deutschland – und die beste Phase der Karriere.

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