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Analyse

Kaderplanung beim 1. FC Köln: Die Angst vor der rosaroten Brille

Der Aufstieg des 1. FC Köln rückt immer näher – im Hintergrund dürfte eifrig am Kader für die Bundesliga gewerkelt werden. Auf welchen Positionen der effzeh Bedarf hat und wo nicht, erklärt unsere Kaderanalyse.

REGENSBURG, GERMANY - DECEMBER 07: Armin Veh looks on prior to the Second Bundesliga match between SSV Jahn Regensburg and 1. FC Koeln at Continental Arena on December 07, 2018 in Regensburg, Germany. (Photo by Sebastian Widmann/Bongarts/Getty Images)
Foto: Sebastian Widmann/Bongarts/Getty Images

Der effzeh ist auf Kurs und eilt (scheinbar) unaufhaltsam dem Wiederaufstieg entgegen. Und er zeigt in den letzten Wochen endlich jene Stabilität, die er in der Saison lange vermissen ließ – trotz der Unruhe, die im Verein rund um die Besetzung des Vorstands aktuell herrscht. Sportlich besteht also kaum noch ein Grund zur Sorge, dennoch sorgt der Schatten der jüngeren Vergangenheit dafür, dass die aktuellen Erfolge auch eine Befürchtung wecken. Denn die sportliche Leitung unter Jörg Schmadtke hatte die Tendenz, gerade in Zeiten des Erfolgs bekannte Lücken im Kader gerne länger als nötig zu ignorieren.

Da blieben die Position des rechten Verteidigers, des defensiven Mittelfeldspielers oder auch des linken offensiven Flügelspielers gerne mal mehrere Transferperioden un(ter)besetzt, während es ein Überangebot an Mittelstürmern und Innenverteidigern gab. Und meist gab es für die Transfers gefühlt auch oft nur einen Plan A wie bei Salif Sané, jedoch keine Alternativen, wenn dieser sich nicht realisieren ließ. Was das mit der aktuellen Situation zu tun hat? Erst einmal nichts, denn noch gibt es keine verlässlichen Einblicke dazu, wie sich Armin Veh die nächste Transferphase vorstellt. Und so bleibt die Hoffnung, dass der Kader nicht ähnlich unausgewogen wie 2017 ins Rennen um den Verbleib in der ersten Liga gehen muss.

Klarheit auf der Torhüterposition, Frage nach der Grundordnung

Im Tor ist die Situation klar. Allenfalls die Frage nach der Nummer 2 ist noch offen, Timo Horn ist hingegen auch der Bundesliga absolut unumstritten. Spannend wird ansonsten in erster Linie die Frage nach dem primären System, dass der effzeh für die erste Liga anstrebt. Während Markus Anfang zu Saisonbeginn und bis zum Dresden-Spiel sein vermeintlich favorisiertes 4-1-4-1 spielen ließ, ist seither in den meisten Fällen eine 3-5-2-Grundordnung zu sehen. Und mit Blick auf die Leistungsexplosion von Jhon Cordoba und dessen Stellenwert für das Kölner Spiel fällt es aktuell schwer, sich eine Rückkehr zum 4-1-4-1 mit nur einem zentralen Stürmer vorzustellen.

Foto: Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)

Ein wichtiger Unterschied in Bezug auf die benötigten Spielertypen sind die Außenbahnen. Im 4-1-4-1 von Markus Anfang sind die Flügel nicht immer, aber häufig doppelt besetzt und es werden unterschiedliche Spielertypen für beide Rollen benötigt: Der defensivere Spieler sollte zweikampf- und spielstark sein, aber nicht zwingend und ausschließlich an der Linie agieren, also einer wie beispielsweise Jonas Hector, der offensivere ein dribbelstarker und torgefährlicher Spieler wie beispielsweise Leo Bittencourt. Bei einem 3-5-2 ist nur ein reiner Außenspieler gefragt, der wie ein Filip Kostic schnell, laufstark, defensiv ordentlich und in erster Linie offensiv gefährlich ist.

Hinten rechts und vorne links: Nachbesserungen nötig

Anzahl und Typus der benötigten Spieler hängen also vom System ab, im Idealfall bekommt man Spieler, die für beide Systeme in Frage kommen können. Der bereits verpflichtete Kingsley Schindler hat seine Stärken bisher primär in der Offensive nachgewiesen. Ob er in der Lage wäre, den Flügel in Deutschlands höchster Spielklasse in einem 3-5-2 defensiv alleine zu sichern, ist fragwürdig. Und mit ihm ist die Perspektive des gesamten vorhandenen Personals für die rechte Seite mit einigen Fragezeichen versehen. Marcel Risse kam nach seiner Verletzung noch nicht wieder an sein maximales Leistungsniveau heran, Christian Clemens hatte nach dem starken Saisonstart wieder nachgelassen, ist aber mittlerweile wieder besser geworden.

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Benno Schmitz und Matthias Bader sind schon jetzt in Liga 2 nur noch Ersatz. Bedarf für die rechte Seite ist also vorhanden: Ein schneller und zweikampfstarker Defensivspieler, der idealerweise (wieder sei der Blick nach Frankfurt erlaubt) wie Danny da Costa sowohl als Außenverteidiger wie auch als Außenspieler im 3-5-2 agieren könnte. Links sieht es besser aus, hier sind mit Jonas Hector, Jannes Horn und Florian Kainz drei Spieler vorhanden, die auch schon auf Topniveau (wenn auch Kainz und Horn bisher nur streckenweise) bewiesen haben, dass sie mithalten können. Wenn es im 4-1-4-1 weitergehen soll, bräuchte der effzeh noch einen offensiven Mann für die linke Seite. Dass hier zu Saisonbeginn Serhou Guirassy spielen musste, zeigt leider, dass auch unter Armin Veh Mut zur Lücke bestand, denn optimal aufgehoben war der Franzose auf dieser Position nicht.

Jorge Meré als Fixpunkt in der Defensive – hoffentlich

In der Abwehr ist Jorge Meré inzwischen ein Fixpunkt, die zentrale Position in einer Dreierkette scheint ihm besonders gut zu liegen, auch Rafael Czichos spielt von wenigen Fehlern abgesehen eine starke Saison als ballsicherer und zweikampfstarker Innenverteidiger. Auch wenn der Tausch Heintz gegen Czichos vor der Saison von außen betrachtet seltsam anmutete, hat der ehemalige Kieler unter anderem durch seine präzisen Diagonal- und Flugbälle, aber auch durch flache Pässe nach vorne das Kölner Aufbauspiel bereichert und einige Tore eingeleitet. Lasse Sobiech ist hinter Meré der notenbeste Kölner Verteidiger (laut „kicker“), er hat die Erwartungen unabhängig von einer solchen am Ende auch immer ein Stück weit diskussionswürdigen Einordnung ebenfalls erfüllt und hatte zeitweise den talentierten Spanier sogar auf die Bank verdrängt.

Auf der nächsten Seite: Die Bedarfe auf den restlichen Positionen.

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