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Meinung

Pfiffe gegen Jhon Cordoba: Ein Mensch, keine Maschine

Viele Fans des 1. FC Köln haben sich in ihrem verständlichen Ärger über den Abstieg auf Stürmer Jhon Cordoba eingeschossen. Der Kolumbianer fand zwar nie in die Spur, ihn auszupfeifen macht die Sache aber auch nicht besser.

COLOGNE, GERMANY - OCTOBER 01: Jhon Cordoba of FC Koeln reacts to a missed chance on goal during the Bundesliga match between 1. FC Koeln and RB Leipzig at RheinEnergieStadion on October 1, 2017 in Cologne, Germany. (Photo by Dean Mouhtaropoulos/Bongarts/Getty Images)
Foto: Dean Mouhtaropoulos/Bongarts/Getty Images

Viele Fans des 1. FC Köln haben sich in ihrem verständlichen Ärger über den Abstieg auf Stürmer Jhon Cordoba eingeschossen. Der Kolumbianer fand zwar nie in die Spur, ihn auszupfeifen macht die Sache aber auch nicht besser.

Wäre das Leben doch nur so einfach wie in einer Computer-Simulation. Ich kann mich noch bestens daran erinnern, in unzähligen effzeh-Saisons bei Pro Evolution Soccer für eine völlig utopische Geldsumme einen Stürmer verpflichtet zu haben, der dann selbst im Schwierigkeitsgrad mittel mehr als 20 Tore pro Saison schoss. Lukas Podolski wurde natürlich nie abgegeben, durfte auf der Zehn schalten und walten wie er wollte. Mal wurde er von Adriano (dem Brasilianer mit dem linken Huf), später dann auch Diego Forlan oder Robin van Persie unterstützt, die natürlich mehr als bereitwillig den Weg in die Domstadt wählten und dort auch auf Anhieb funktionierten. Sie hatten natürlich alle Werte jenseits der 90 (auf einer Skala bis 100) und waren eigentlich viel zu gut für den 1. FC Köln, aber wir befanden uns nicht umsonst in einer Computer-Simulation. Was alle Neuverpflichtungen immer gemein hatten: Sie funktionierten auf Anhieb. Und schossen Tore.

Dinge wie Eingewöhnung an ein Leben in einer neuen Stadt, die Sprache, der Umgang mit neuen Mannschaftskollegen spielten keine Rolle – roboterartig erledigten die digitalen Abbilder der Profis im wahren Leben ihren Job. Es dürfte keine große Überraschung sein, dass es in der Realität dann doch nicht ganz so einfach funktionierte – dies lag zuerst daran, dass die oben genannten Stürmer wohl nicht einmal im Traum daran gedacht haben, nach Köln zu wechseln. Andererseits, und damit wären wir beim eigentlichen Thema dieses Textes, spielen nicht-sportliche Faktoren bei einem Transfer und dessen Bewertung eine gewichtige Rolle.

Jhon Cordoba: Die Bürde Modestes war wohl zu groß

Erinnern wir uns in diesem Zusammenhang mal an den Juli 2017: Damals bestimmte nach der Qualifikation für den internationalen Wettbewerb die Modeste-Transferposse das Geschehen am Geißbockheim. Die Millionen für den Franzosen waren schon fest eingeplant, die Verhandlungen mit Tianjin und Modestes Beratern zogen sich allerdings aus verschiedensten Gründen in die Länge. Jörg Schmadtke, damals noch sportlicher Geschäftsführer beim 1. FC Köln, hatte allerdings schon elf Tage (!) vor dem feststehenden Wechsel Modestes nach China einen Ersatz besorgt – aus Mainz kam Jhon Cordoba, die Ablösesumme betrug 17 Millionen Euro. In Zeiten der explodierenden Transfersummen zu diesem Zeitpunkt nicht ungewöhnlich, für den 1. FC Köln aber immer noch der teuerste Transfer der Vereinsgeschichte.

Foto: Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images

Jhon Cordoba als Anführer eines ungefährlichen Sturms

In der Nachbetrachtung mutet es fast schon bizarr an, dass Cordoba und Modeste sogar noch einige Tage gemeinsam trainierten, während der eine als Sinnbild der erfolgreichen letzten beiden Jahre mit den Gedanken eigentlich schon ganz woanders war und der andere sich in dieser Konstellation einfinden und eingewöhnen musste. Aufgabenstellung für den ehemaligen kolumbianischen U20-Nationalspieler war es dabei, mit dafür zu sorgen, dass nach dem Abgang von Vorgänger Modeste die Last der 40 Tore, die der Franzose in den beiden Jahren zuvor erzielt hatte, gleichmäßig auf mehrere Schultern zu verteilen. Mit Sehrou Guirassy, Simon Zoller, Yuya Osako. Artjoms Rudnevs und dem viel zitierten „Königstransfer“ Cordoba stand dafür nach Meinung der sportlich Verantwortlichen genügend Qualität und Quantität im Kader.

Fast eine gesamte Spielzeit später kann man konstatieren: Das Unternehmen ist gescheitert. Auch wenn man Cordoba bewusst nicht als „Modeste-Nachfolger“ sieht, kann man wohl kaum der Meinung sein, der Transfer hätte bisher irgendeinen positiven Effekt gehabt.

Auf der nächsten Seite: Warum Pfiffe gegen Cordoba Unsinn sind, er sich der Kritik aber stellen muss.

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