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Viele Fans des 1. FC Köln haben sich in ihrem verständlichen Ärger über den Abstieg auf Stürmer Jhon Cordoba eingeschossen. Der Kolumbianer fand zwar nie in die Spur, ihn auszupfeifen macht die Sache aber auch nicht besser.

Wäre das Leben doch nur so einfach wie in einer Computer-Simulation. Ich kann mich noch bestens daran erinnern, in unzähligen effzeh-Saisons bei Pro Evolution Soccer für eine völlig utopische Geldsumme einen Stürmer verpflichtet zu haben, der dann selbst im Schwierigkeitsgrad mittel mehr als 20 Tore pro Saison schoss. Lukas Podolski wurde natürlich nie abgegeben, durfte auf der Zehn schalten und walten wie er wollte. Mal wurde er von Adriano (dem Brasilianer mit dem linken Huf), später dann auch Diego Forlan oder Robin van Persie unterstützt, die natürlich mehr als bereitwillig den Weg in die Domstadt wählten und dort auch auf Anhieb funktionierten. Sie hatten natürlich alle Werte jenseits der 90 (auf einer Skala bis 100) und waren eigentlich viel zu gut für den 1. FC Köln, aber wir befanden uns nicht umsonst in einer Computer-Simulation. Was alle Neuverpflichtungen immer gemein hatten: Sie funktionierten auf Anhieb. Und schossen Tore.

Dinge wie Eingewöhnung an ein Leben in einer neuen Stadt, die Sprache, der Umgang mit neuen Mannschaftskollegen spielten keine Rolle – roboterartig erledigten die digitalen Abbilder der Profis im wahren Leben ihren Job. Es dürfte keine große Überraschung sein, dass es in der Realität dann doch nicht ganz so einfach funktionierte – dies lag zuerst daran, dass die oben genannten Stürmer wohl nicht einmal im Traum daran gedacht haben, nach Köln zu wechseln. Andererseits, und damit wären wir beim eigentlichen Thema dieses Textes, spielen nicht-sportliche Faktoren bei einem Transfer und dessen Bewertung eine gewichtige Rolle.

Jhon Cordoba: Die Bürde Modestes war wohl zu groß

Erinnern wir uns in diesem Zusammenhang mal an den Juli 2017: Damals bestimmte nach der Qualifikation für den internationalen Wettbewerb die Modeste-Transferposse das Geschehen am Geißbockheim. Die Millionen für den Franzosen waren schon fest eingeplant, die Verhandlungen mit Tianjin und Modestes Beratern zogen sich allerdings aus verschiedensten Gründen in die Länge. Jörg Schmadtke, damals noch sportlicher Geschäftsführer beim 1. FC Köln, hatte allerdings schon elf Tage (!) vor dem feststehenden Wechsel Modestes nach China einen Ersatz besorgt – aus Mainz kam Jhon Cordoba, die Ablösesumme betrug 17 Millionen Euro. In Zeiten der explodierenden Transfersummen zu diesem Zeitpunkt nicht ungewöhnlich, für den 1. FC Köln aber immer noch der teuerste Transfer der Vereinsgeschichte.

Foto: Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images

Jhon Cordoba als Anführer eines ungefährlichen Sturms

In der Nachbetrachtung mutet es fast schon bizarr an, dass Cordoba und Modeste sogar noch einige Tage gemeinsam trainierten, während der eine als Sinnbild der erfolgreichen letzten beiden Jahre mit den Gedanken eigentlich schon ganz woanders war und der andere sich in dieser Konstellation einfinden und eingewöhnen musste. Aufgabenstellung für den ehemaligen kolumbianischen U20-Nationalspieler war es dabei, mit dafür zu sorgen, dass nach dem Abgang von Vorgänger Modeste die Last der 40 Tore, die der Franzose in den beiden Jahren zuvor erzielt hatte, gleichmäßig auf mehrere Schultern zu verteilen. Mit Sehrou Guirassy, Simon Zoller, Yuya Osako. Artjoms Rudnevs und dem viel zitierten „Königstransfer“ Cordoba stand dafür nach Meinung der sportlich Verantwortlichen genügend Qualität und Quantität im Kader.

Fast eine gesamte Spielzeit später kann man konstatieren: Das Unternehmen ist gescheitert. Auch wenn man Cordoba bewusst nicht als „Modeste-Nachfolger“ sieht, kann man wohl kaum der Meinung sein, der Transfer hätte bisher irgendeinen positiven Effekt gehabt.

Auf der nächsten Seite: Warum Pfiffe gegen Cordoba Unsinn sind, er sich der Kritik aber stellen muss.

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5 Kommentare

  1. Der Autor missdeutet die Pfiffe.

    Da die meisten Fans kein spanisch können und er weder englisch noch deutsch versteht, haben die Fans ein Kommunikations System entwickelt, dem Spieler zu signalisieren, dass er Fußball spielen soll.

  2. Hennes 0815 am

    Der aufmerksame Leser und Betrachter von Spielen der laufenden Saison wird ebenso wie ich festgestellt haben, dass Cordoba keinen Ball festmachen kann, keine Laufwerke kennt und nur die nötigsten Wege zurücklegt. Er unterstützt kaum bei defensiven Aufgaben, sondern wartet stur auf Anspielen. Er hat auch kein Auge für besser positionierte Mitspieler. Es liegt dann am Spieler selbst, dies zum Beispiel durch Erlernen der Sprache zu ändern, um zum Teil eines Teams zu werden. Wenn man dies beharrlich nicht ändert, wird man ausgepfiffen. Das ist sicherlich nicht angenehm für den Spieler. Bei einem Einkommen, das pro Jahr höher ist als das Lebenseinkommen von zahlreichen Fans, muss man damit aber klarkommen. Man könnte ja den Grund als Spieler auch mal bei sich selbst suchen.

  3. Auspfeifen bei der Einwechslung geht gar nicht. Auch ich bin masslos enttaeuscht von Cordoba, aber mein Groll zielt mehr auf die Verantwortlichen des Transfers als auf den Spieler. Bin mal gespannt, ob man einen Abnehmer fuer ihn findet. Man wird wohl schon froh sein, wenn sich ein Club findet der sein Gehalt uebernimmt….von Abloese ganz zu schweigen.

  4. Ja. Danke dafür. Es ist einfach grausam, wie die Leute einzelne Spieler fertig machen. Ist das Spiel abgepfiffen, ist es durchaus legitim, zu pfeifen, wenn man mit der dargebotene Leistung unzufrieden ist. Während der laufenden Partie hat das aber höchstens den gegenteiligen Effekt – nämlich, dass es für den Ausgepfiffenen schlicht noch schwieriger wird, sich auf das Sportliche zu konzentrieren.