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Meinung

Interna in der „Bild“-Zeitung: Durchschaubare Dreistigkeiten beim 1. FC Köln

Die Bild-Zeitung zitiert eine E-Mail des Mitgliederratsvorsitzenden aus dem Dezember, in der die Verpflichtung Simon Teroddes thematisiert wird. Das ist, wie der Angriff Armin Vehs in der vergangenen Woche, kein Zufall. Die Führung des 1. FC Köln greift zu immer dreisteren Mitteln, um Stefan Müller-Römer zu diskreditieren – und betreibt damit eine niederträchtige Stimmungsmache vor einer demokratischen Wahl.

Foto: Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images

Die Einigkeit vom vergangenen Montag währte nur kurz. Da hatte der Mitgliederrat mit Armin Veh noch ein langes Gespräch geführt, um dessen Attacke auf das Gremium aufzuarbeiten. Mit Erfolg, wie es schien, schließlich wurde darüber eine Mitteilung veröffentlicht, die auf ein eher konstruktives Treffen schließen ließ. Der Mitgliederrat ließ sich anscheinend nicht auf das unterirdische Niveau ein, das die Vereins- und Klubführung seit Wochen vorleben. Nun wird die Zurückhaltung des Gremiums wieder auf die Probe gestellt.

Armin Veh sei, so „Bild“, ausgerastet, weil Stefan Müller-Römer im Winter angeblich gegen die Verpflichtung des Stürmers Simon Teroddes gewesen sei. Dabei hatte sich der Vorsitzende des Mitgliederrats bei der Abstimmung enthalten. Zahlen, die notwendig wären, um das Zitat Müller-Römers tatsächlich bewerten zu können, wurden im Artikel allerdings nicht genannt – warum auch, wenn das Ziel ohnehin nur in Stimmungsmache besteht? Die „Bild“-Redaktion kümmerte die Umstände natürlich nicht, sie fragte stattdessen: “Wo stünde der FC heute ohne seinen Super-Knipser, den Müller-Römer nicht wollte?” So weit, so dumpf, so falsch.

Populistische Methoden: Müller-Römer soll weg

Folgende Fragen könnte man schließlich ebenfalls stellen: “Wo stünde der FC heute, wenn die ‚Bild‘-Zeitung nicht jahrelang Wolfgang Overath in seiner Präsidentschaft die Stange gehalten hätte?” Oder: “Wo stünde der FC heute, wenn die Führungsriege des Klubs sich auf ihre Arbeit konzentrieren würde und nicht darauf, selbst im besten Licht zu stehen?” Möglich wäre auch: “Für wie blöd halten die Journalisten und die Klubführung eigentlich die FC-Mitglieder, wenn sie zu solch durchschaubaren Mitteln der Stimmungsmache greifen müssen?” Fragen über Fragen.

Offensichtlich gibt es Mitglieder der Vereinsführung, die vor nichts mehr zurückschrecken, wenn sie damit die Wiederwahl Stefan Müller-Römers bei der kommenden Mitgliederratswahl verhindern können. Die Attacke Armin Vehs war der Auftakt, nun folgte der Leak direkt aus der Führungsetage – der Schriftverkehr stammt aus dem „Gemeinsamen Ausschuss“. Die Vorstellungskraft, was als nächstes folgen könnte, ist unbegrenzt. Man wundert sich über nichts mehr – und das ist das Schlimme.

Pharisäertum beim 1. FC Köln

Wer im vergangenen Jahr dachte, der Umgang mit der ehrenamtlichen Mitgliederinitiative “100 % FC – Dein Verein” sei, angesichts des Vergleichs mit politischen Extremisten (der zu einer Klarstellung des Clubs führte), der mehrfachen öffentlichen Diffamierung und anderer Manöver schon unterirdisch gewesen, wird jetzt eines Besseren belehrt. Die FC-Charta wird somit zu einem Feigenblatt, das die obersten Herren nur dann zücken, wenn sie selbst im Zentrum von Angriffen stehen. Die dahingehenden Äußerungen Alexander Wehrles im „Express“ vor nicht allzu langer Zeit zeigen, welch selbstgerechtes Pharisäertum beim FC Einzug gehalten hat. Dass beim 1. FC Köln auf Anfrage niemand zu den Vorgängen Stellung nehmen wollte unterstreicht diesen Gesamteindruck.

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Die Manöver der Clubführung sind dabei so dreist wie durchschaubar: Sie will einen Mitgliederrat, der weniger nachfragt als der aktuelle. Nachdem Kritiker aus dem Bei- und Aufsichtsrat bereits entfernt und durch vermeintlich harmlosere Vertreter ersetzt wurden, soll nun offensichtlich auch das letzte Aufsichtsgremium des Clubs mit Leuten besetzt werden, die im Zweifel alles durchwinken. Nur liegt das am Ende in der Hand der Vereinsmitglieder. Deswegen müssen nun wohl Durchstechereien, persönliche Angriffe und populistische Wahlkampfmittel her – umgesetzt von einer Presse, die dieses Spiel anscheinend bewusst mitspielt, um bessere Drähte zu den Protagonisten zu erhalten. Einhalt gebieten können diesem Treiben nur noch die Mitglieder. Hoffen wir, dass sie es tun.

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