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Meinung

Immer diese Experten!

Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge, die Bayern-Bosse, mögen sich offenbar nicht. Claus Horstmann versteht das.

© effzeh.com

Karl-Heinz Rummenigge mag offenbar keine Experten. Zumindest keine Experten, die ihren Senf zum großen FC Bayern München abgeben. Und erst recht keine, die früher auch noch für den Verein gespielt haben. Das Syndrom als ehemaliger Irgendwas sich zu den aktuellen Geschehnissen beim Ex-Verein zu äußern, das kennen wir auch in Köln.

Im Vorwort der bayrischen Vereinszeitung findet Rummenigge daher auch eindeutige Worte. Die Experten sollen ihre Expertise doch bitte mal auf sich selbst anwenden, statt auf Dinge von denen sie scheinbar keine Ahnung haben. „Wie beurteilt Berthold den Transfer von Matthäus zu Sky? Glaubt Olaf Thon, dass Helmer mit seiner spitzfindigen Art optimal zu Sport 1 passt?“, fragt sich Rummenigge mit deutlichem Zynismus.

Eigentlich – das merkt man beim Lesen – will der Vorstandvorsitzende der Münchner sagen, die Herrschaften Experten sollten doch mal alle die Klappe halten. Aus die Maus. Angesicht so manchem – wie soll man es anders nennen – dummen Gelabers, das rund um die Spiele im TV präsentiert wird, kann einem diese Idee durchaus sympathisch sein. Allerdings wirft das Vorpreschen Rummenigges auch Fragen auf.

Mittwochabend in den Messehallen, Köln-Deutz: Bei der „dmexco“, einer Fachmesse für digitales Marketing und Werbung, ist Uli Hoeneß zu Gast. Genauer gesagt: der Bayern-Präsident nimmt an einer Podiumsdiskussion teil. „BILD.de“ hat geladen, da lässt man sich doch nicht bitten. Nach dem Hoeneß dann dem BVB aus Dortmund mal erklärt hatte, warum sie immer noch nicht so toll sind wie der FC Bayern, ja dann passierte es.

Uli Hoeneß äußert sich zum 1. FC Köln.

„Ein katastrophales Beispiel“ dafür, dass viele Vereine „das Problem“ zu spät erkannt hätten, sei der Geißbockclub. Gemeint ist damit die „Fangewalt“, das Thema über das momentan alle „Experten“ reden, von dem aber die wenigsten eine Ahnung haben. Jetzt also auch Uli Hoeneß.

Herrschaftszeiten! Da muss man sich aber fragen: Mag der Rummenigge seinen Vereinskollegen nicht? Oder hat sich Hoeneß nicht gerade zu einer Sache geäußert, die er eigentlich nicht bewerten kann? Die Bemühungen des 1. FC Köln, wann sie begannen, wie effektiv sie sind, was sie überhaupt machen oder eben nicht?

Claus Horstmann jedenfalls mag Experten offenbar auch nicht so richtig: „Fußballdeutschland scheint derzeit Freude an der Kommentierung der Kölner Verhältnisse zu haben!“, erklärt der Geschäftsführer und verweist auf die klare Positionierung und die Fortschritte des Vereins hinsichtlich der „Fangewalt“.

Aber ist es nicht schön, wenn ein Vereinsvertreter der Bayern sich darüber echauffiert, dass einfach jeder seine Meinung zum FC Bayern abgeben muss und gleichzeitig sein Kollege mal eben im Vorbeigehen einen anderen Verein aburteilt? „Practice what you preach“, sagt man im Englischen. „Austeilen aber nicht einstecken können“ passt aber auch.

Wenigstens dafür sind die bayrischen Würdenträger immer wieder gern gesehene „Experten“.

 

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