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Meinung

Identitätsverlust

© effzeh.com

Jetzt ist es also soweit. Wie die BILD erfahren hat, gab es Gespräche zwischen Stadionsprecher Michael Trippel und Neu-Präsident Werner Spinner über die Abschaffung der Begrüßung unserer Gästefans. In Zukunft sollen die angereisten Fußballverrückten nicht mehr mit diesem einen Satz willkommen geheißen werden, dieser eine Satz, der Michael Trippel zu dem macht, was er ist. Es geht um den Satz „Willkommen in der schönsten Stadt Deutschlands.“

Die Begründung für das Weglassen dieser Worte lautet präventationelle Deeskalation. Man will also die Gäste nicht unnötig provozieren indem man den besonderen Stellenwert von Köln unter all den anderen Kuhdörfern hierzulande darstellt.


Jetzt sitze ich hier über dieser Nachricht, ich als beinahe Event-Fan, un kann es einfach nicht verstehen. Einerseits habe ich mich sehr über die Wertschätzung gefreut, die einem in Mainz zuteil wird, dass man als Gast gar mit dem Stadionsprecher die eigene Aufstellung durchgeht. Das wirkt beruhigend. Für ein bis zwei Minuten. Dann kommt die heimische Aufstellung und schon haben alle wieder denselben Nachnamen, wie in jedem anderen Stadion auch.
Ich sitze hier und frage mich, wie viele der (üblicherweise singenden und alkoholisierten) Gästefans überhaupt gemerkt haben, wie sie begrüßt wurden. Ich sitze hier und frage mich, wie viele von denen tatsächlich anzweifeln, dass Herr Trippel da ein wahres Wort gelassen ausspricht.

Mir ist bisher auch nicht aufgefallen, dass man sich seitens der Ecke im Nordosten des Stadions jemals beklagt oder abfällig geäußert hätte, als man begrüßt wurde. Auch ein Pfeifen habe ich dazu nie vernommen, nicht einmal als die Dunkelgrünen aus der ostholländischen Provinz zu Gast waren. Gut, zwischen mir und dem Gästeblock liegt üblicherweise eine ganze Osttribüne, dennoch.

Warum ich mir überhaupt all diese Fragen stelle? Vielleicht muss ich dazu ein wenig über mich erzählen und darüber, wie ich wieder zum effzeh gekommen bin.

In meinem Leben gabe s eine sehr lange, fußballfreie Zeit. Ich hatte andere Hobbies, zwischenzeitlich eine Online-Gaming-Karriere, war bei der Bundeswehr, habe viel in der Gastronomie gearbeitet und mich um meine Ausbildung gekümmert. Aber gerade in dieser Ausbildung wollte es das Schicksal so, dass der mir liebste Mitschüler brennender effzeh-Fan ist. Er schlug mir vor einfach mal wieder ins Stadion gehen, er mache das schließlich auch alle 14 Tage. Gesagt, getan. Und da habe ich mich wieder angesteckt, ein paar Wochen später bestellte ich meine Dauerkarte, der Rest ist Geschichte.

Meine Liebe zum effzeh habe ich jedoch deutlich früher entdeckt, damals, als Christoph Daum noch Trainer war. Also das erste Mal. Meine Mutter war seinerzeit Serviceleiterin im Stammlokal Daums und das Team war ebenfalls mindestens einmal pro Woche zu Gast. Alleine das und die geographische Nähe haben mich auf ewig mit den Club verbunden. Und dabei komme ich gar nicht aus der Region. Geboren in Bayern, familiäre Wurzeln im Saarland. Streng genommen ist das Wort deutsch unter Staatsangehörigkeit in meinem Reisepass also gelogen.

Dennoch hat es mich immer wieder hierhin gezogen. Mittlerweile wohne und lebe ich in Köln, ich arbeite hier, ich bin glücklich. Aber gerade für mich als Immi wird gelegentlich klar, es ist nicht meine Stadt. Auch wenn ich mich als Kölner fühle, ich bin doch nur ein Gast hier. Ein Gast aus Überzeugung. Aus der Überzeugung heraus, dass Köln die schönste Stadt in Deutschland ist, gar unter dem ganzen Firmament. Ich beziehe mich auch immer auf die Worte unseres Stadionsprechers, wenn ich über Köln spreche. Es ist nie Köln, es ist immer die schönste Stadt Deutschlands.

So muss ich dann ab kommender Saison an meinem angestammten Platz auf der Südtribüne stehen und höre keine Lobpreisung mehr? Kein Hinweis darauf, wo es am schönsten ist, schallt mehr durch die Lautsprecheranlage? Für mich ein großer Verlust an Identität, ein Verlust am Kölschen. Wir sind Köln. Wir wissen, hier ist es schöner und besser als sonst irgendwo auf der Welt. Das soll auch jeder Gast wissen, hören, sehen, erleben.

Aufgeregt hat sich darüber doch ohnehin niemand, egal ob in grünen, blauen, gelben oder violetten Trikots. Alle in Deutschland wissen, wir sind Köln. Wir haben sie ohnehin nicht mehr alle. Warum sollte man uns dieser Identität berauben?

Wahrscheinlich rege ich mich in Zukunft über das Fehlen der Worte mehr auf, als je ein Gästefan sich dadurch angegriffen fühlte sie zu hören.

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